Rezension „Ab in den Süden“ von Are Kalvø, Dumont Reiseverlag herrlich seichtes Buch, welches einem ein großes Lächeln ins Gesicht zaubert

„Ab in den Süden“ ist das neue satirische Reisebuch des norwegischen Komikers Are Kalvø. Mit großer Beobachtungsgabe und dem Wortwitz des Stand up-Comedians beleuchtet der Autor Klischees von Pauschalreisenden, kategorisiert diese Urlauber , deren Beweggründe und Verhalten. „Ab in den Süden“ zielt ab auf Sonnen-, Strand- und Meeressehnsucht, vor allem der Skandinavier und seiner Landsleute, aber auch Eigenheiten von anderen massentouristisch Reisenden wie Briten und Deutschen kommen nicht zu kurz und werden vom Autor pointiert beleuchtet. Denn Kalvø schreckt auch vor Selbstversuchen nicht zurück und macht sich selbst pauschal auf den Weg in den Süden – ganz im Sinne des Untertitels „Mein Selbstversuch Cluburlaub und Pauschalsonne lieben zu lernen“.

Are Kalvø geht dem Pauschaltourismus genauer auf den Grund: Warum mögen viele Menschen dieses Rund-um-sorglos-Paket so gern?  Are ist Comedian und genau das merkt man  in seinen Erzählungen. Überall sitzt ihm der Schalk im Nacken und man kann sehr oft lachen bei seinen Beschreibungen. Immer mit einem zwinkernden Auge führt er das Allzu-Menschliche des Pauschal-Tourismus vor Augen –  in den Beschreibungen kann sich nahezu jeder wiederfinden und ertappt fühlen. Dennoch ist sein Blick immer scharf  sowie präzise und das Reisen wird  akribisch beleuchtet. Aber Kalvø haut nicht einfach nur auf Pauschalurlauber ein, sondern setzt sich kritisch auseinander – auch mit den vermeintlich „besseren“ Reisenden wie Backpackern und denjenigen, die möglichst keine Landsleute auf Reisen treffen möchten.

Das Buch ist dreigeteilt, im ersten Teil widmet sich der Autor der Faszination des Südens schlechthin, insbesondere der Mittelmeer-Staaten. Was macht deren große Faszination und Anziehung aus? Was lässt sich über die klassischen Reiseführer des Südens sagen? Dabei hat sich der Autor die Mühe gemacht Reisekataloge aus den 1960-er und 70-er Jahren mit ihren Beschreibungen von Orten, Hotels und Ausflügen zu durchforsten – haarsträubend komisch! Besonders gelungen ist auch das Kapitel über Reiseleiter. Kalvø hat nicht nur gut beobachtet, sondern vor allem ein altes Buch zu „Guideteknikk“ gekauft, das Instruktionen für Reiseleiter enthält. Wenn er diese Vorschläge kommentiert und parodiert, dabei „Reisebetreuer-Lügen“ entlarvt und darstellt mit welchen Problemen sich Reiseleiter herumschlagen, kommt man aus dem Dauerschmunzeln nicht heraus.

Im zweiten Teil geht es um den Tourismus auf Mallorca. Wie erleben die norwegischen Touristen die Insel, welche Eigenarten entwickeln sie? Besonders amüsant sind dabei die „Wandersagen“, abenteuerlich übertriebene Horrorgeschichten von Reisenden, die ein norwegischer Ethnologe sogar gesammelt hat. Kalvø parodiert auch die Phrasen-Listen klassischer Reiseführer nach dem Motto „Spanisch leicht gemacht“ mit wunderbarem Wortwitz satirisch und deutlich zweckorientierter um. Im dritten Teil geht es nach Griechenland, wo sich der Autor mit provokanten Ideen zum Zeitvertreib im Urlaub, Vorschlägen für T-Shirt-Aufdrucke und Gedanken zur „Süden-Paranoia“ beschäftigt.

Dieses humoristische Werk eignet sich vor allem für Satirefans und dabei sowohl für Skandinavien- als auch für Mittelmeer-Liebhaber, denn die Eigenheiten der Skandinavier werden genau so liebevoll spöttisch portraitiert wie die Auswirkungen und Auswüchse des Massentourismus auf die Einheimischen in Spanien und Griechenland. Ein herrlich seichtes Buch, welches einem ein großes Lächeln ins Gesicht zaubern kann – nur ernst nehmen sollte man es nicht wirklich.

Ab in den Süden

Are Kalvø

Dumont Reiseverlag

Taschenbuch, 260 Seiten, 16,95 Euro

ISBN: 978-3770166916

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