Anja Tabarelli, Direktorin des deutschen Büros der Cunard Line in Hamburg

Anja Tabarelli kennt in Hamburg nicht jeder, die Queen Mary 2 dagegen schon. Dabei ist es der 50-jährigen Powerfrau zu verdanken, dass der Hype um das Lieblingsschiff der Hamburger überhaupt entstehen konnte. Denn ursprünglich wollte die britische Traditionsreederei Cunard Line ihr neues Flaggschiff in der Jungfernsaison 2004 gar nicht nach Hamburg schicken. Doch wenn sich Anja Tabarelli etwas in den Kopf gesetzt hat, dann kämpft sie darum. Zäh, aber nie verbissen, mit Charme und Beharrlichkeit: „Meine Chefs in England schätzen mich, aber ich glaube, die sind manchmal froh, wenn ich wieder weg bin.“

An Bord der Cunard Queens fühlt sich Anja Tabarelli am wohlsten
An Bord der Cunard Queens fühlt sich Anja Tabarelli am wohlsten

So änderte das Cunard-Management den Fahrplan und die Queen Mary 2 hielt triumphalen Einzug auf der Elbe, rund 400.000 Sehleute wollten das damals größte Schiff der Welt erleben. Seither jagen sich die Rekorde: ein Jahr später standen mehr als 500.000 Menschen am Ufer, der Straßenverkehr kam zum Erliegen, Hotels und Barkassen waren restlos ausgebucht; bis heute Rekord für einen einzelnen Schiffsanlauf. Cunard Line konnte die Zahl der deutschsprachigen Gäste in zehn Jahren verfünffachen, die Hamburger sind verrückt nach Mary: “Die Liebe hat sich weiterentwickelt, 2004 war es Neugier, 2005 Hysterie, inzwischen ist es eine wunderbare Tradition. Nirgendwo auf der Welt wird die Queen Mary 2 so begeistert empfangen.“ 

Wer die beschwingte Feierlaune bei Begrüßung und Verabschiedung wie am 19. Juli zum 10-jährigen Jahrestag des Erstanlaufs erlebt, ahnt nicht, wie viel harte Arbeit dahinter steckt, dass Hamburg zum heimlichen Heimathafen der Königin der Meere geworden ist: „Wir haben kein dickes Werbebudget, da muss man sich eben was einfallen lassen. Es kommt immer auf die Menschen an, auf ihre Gefühle. Und man muss selbst für die Sache brennen, wenn man bei Anderen Begeisterung entfachen möchte.“ Ob Traumschiff-Treffen mit der MS Deutschland, Eröffnung des Blue Ports, Flag Parade, Mille Saluti mit Begleitkorso hunderter Segelschiffe und der Werfteinlauf bei Blohm & Voss zum Hafengeburtstag – die Marketingmaßnahmen waren pfiffig, mit hohem Aufmerksamkeitsfaktor und kostengünstig. 

David Garrett wird auf der Queen Mary 2 im Herbst 2017 exklusive Konzerte geben
David Garrett wird auf der Queen Mary 2 im Herbst 2017 exklusive Konzerte geben

Der Hype um die Queen Mary 2 löste einen Kreuzfahrtboom aus, andere Reedereien zogen nach, tauften und positionierten Schiffe in der Hansestadt. In diesem Jahr werden 190 Schiffsanläufe und mehr als 600.000 Passagiere in Hamburg erwartet, rund fünfzehn Mal mehr als noch zur Jahrtausendwende. Mehr als 270 Millionen Euro bleiben durch direkte Dienstleistungen in der Hansestadt. Durch Ausgaben der Passagiere bei Landausflügen sowie Vor- oder Anschlussaufenthalten wird die Summe fast verdoppelt: „Wir sind stolz, dazu beigetragen zu haben. Hamburg hat sich zum bedeutendsten Kreuzfahrthafen in Deutschland entwickelt und durch das dritte Kreuzfahrtterminal hat man jetzt die Chance innerhalb der nächsten Jahre die Millionengrenze bei Passagieren zu knacken.“ Hanseatisches Understatement mit britischer Höflichkeit in einer Aussage vereint, denn der Beitrag von Anja Tabarelli und ihrem Team ist mehr als der Rummel um die Queen Mary 2. Als bislang einzige Reederei bot Cunard Line Weltreisen ab / bis Hamburg an und verlängerte dadurch die Kreuzfahrtsaison, die zuvor nur von Ende April bis Ende Oktober dauerte, auf das gesamte Jahr. Wieder zogen andere Reedereien nach, mittlerweile gibt es ganzjährig Abfahrten von der Elbmetropole aus.

Die Pressekonferenzen an Bord der Cunard Queens sind legendär
Die Pressekonferenzen an Bord der Cunard Queens sind legendär

Nach Hamburg kam die gebürtige Kielerin vor 23 Jahren – der Liebe wegen. Die zerbrach, die Liebe zur Hansestadt aber wuchs: „ Ich mag diese Weltoffenheit und die Nähe zum Wasser.  Ich empfinde Hamburg nicht als Großstadt, jeder einzelne Stadtteil hat seinen eigenen Charakter und eine individuelle Atmosphäre.“ Auf gute Atmosphäre legt Tabarelli auch am Arbeitsplatz viel Wert. So viel, dass sich ihre Kollegen sie als Chefin wünschten. Bei Cunard Line arbeitete die dynamische Managerin sich zunächst im Vertrieb hoch. Als dann der Büroleiter ging und die Reederei einen Nachfolger suchte, beschied das Hamburger Team ohne ihr Wissen der Zentrale in England, dass es ihr den Job am ehesten zutraue. Die bescheidene Blondine fiel aus allen Wolken, als ihr daraufhin der Posten als Direktorin Sales und Marketing DACH angeboten wurde, nahm aber nach kurzer Bedenkzeit an.

Auch die beiden ausverkauften Konzertreisen mit Peter Maffay setzte Tabarelli bei ihren Bossen in England durch
Auch die beiden ausverkauften Konzertreisen mit Peter Maffay setzte Tabarelli bei ihren Bossen in England durch

Anerkennung musste sich Anja Tabarelli in der Branche erst erkämpfen, anfangs war es schwer in einer bis dahin fast reinen Männerdomäne voll akzeptiert zu werden. Mit zunehmendem Erfolg wurden neue Mitarbeiter eingebaut, mittlerweile arbeiten 16 Leute für Tabarelli: „ Meine Kollegen sind mir sehr wichtig, alleine – ohne mein Team – kann ich gar nichts erreichen, erst recht nicht bei der hohen Belastung, die wir hier vor und während der Anläufe unserer Schiffe  haben.“ Soziale Komponenten stehen bei Tabarelli hoch im Kurs. Sechs Kolleginnen, die schwanger wurden,  bekamen nach der Elternzeit Halbtagsjobs: „ Ich setze voll darauf, Mütter wieder einzugliedern. Auf deren Erfahrung und Kompetenz möchte ich nicht verzichten, auch wenn sie nicht Vollzeit arbeiten können.“

Entspannen kann die seit neun Jahren verheiratete Cunard-Chefin bei einem Spaziergang um die Alster oder beim Segeln mit ihrem Mann. Oder bei einem Schaufensterbummel, Sonnabendmorgen gegen 10 Uhr, nach einem guten Frühstück, und bevor es mittags voll wird in der City. Die besten Schnäppchen macht der Modefan eher zufällig: „Ich bin da sehr flexibel, wenn mich etwas im Schaufenster anlacht, schlage ich zu. Meistens sind diese Spontankäufe die Besten und das Kleidungsstück wird mein “Lieblingsstück” der entsprechenden Saison.“ Die beste Entspannung ist für Anja Tabarelli aber eine Transtalantikreise mit der Queen Mary 2 von Hamburg nach New York: „Ich bin leider nicht so viel auf unseren Schiffen, wie immer alle glauben. Aber mitten auf dem Atlantik, einfach im Liegestuhl an Deck sitzen und in die endlose Weite schauen, kein klingelndes Handy, keine Termine, keine Hektik – da werde ich ganz ruhig.“

Informationen zur Reederei und den Cunard Queens unter  www.cunardline.de