Der Hotelmanager bereitet den Apfelstrudel persönlich zu

Sein Wiener Schmäh hallt über das ganze Schiff. Was auf der Donau zum Lokalkolorit beitragen würde, lässt auf dem Yangtze aufhorchen. Andreas Achatz  ist Österreicher von  Geburt und Weltenbummler aus Passion. Der 48-jährige hat in renommierten Hotels wie dem Four Seasons in Bangkok und auf zahlreichen Hochseeschiffen gearbeitet, bevor er vor drei Jahren zum ersten Mal ein Flussschiff betrat. Seit einem Jahr ist er nun Hotelmanager auf der „Century Diamond“, dem ersten Schiff in China, auf dem Deutsch offizielle Bordsprache ist. Das 110 Meter lange und sechs Deck hohe 5-Sterne-Schiff wird auf vier bis zwölftägigen Kreuzfahrten eingesetzt, die in Rundreisen mit wählbaren Aufenthalten zum Beispiel in Shanghai, Peking, Xian oder sogar Tibet eingebunden sind. Die klassische Yangtze-Strecke führt über 648 Kilometer entweder stromaufwärts von Yichang nach Chongqing oder auf umgekehrter Strecke den Fluss hinab.

Das erste deutschsprachige Flussschiff auf dem Yangtze

Der Yangtze ist die Lebensader Chinas und nach Nil und Amazonas der drittlängste Fluss der Erde. Sein Einzugsgebiet mit rund 700 Nebenflüssen ist knapp zwei Millionen Quadratkilometer groß und umfasst den Lebensraum eines Drittels der chinesischen Bevölkerung. Von der Quelle im tibetischen Himalaya bis zur Mündung ins ostchinesische Meer bei Shanghai zieht sich der Strom über 6.380 Kilometer dahin. Ein Strom, der viele Namen hat: im Volksmund heißt er Chang Jian (Langer Fluss), in Zentralchina nennt man ihn Jin Sha Jiang (Goldsandfluss) und weiter stromabwärts Tong Tian (Fluss, der den Himmel durchquert). Yangtzekiang oder kurz Yangtze sagen nur die Touristen.  Für Kreuzfahrer ist der Fluss zum touristischen Topziel geworden, mehr als 200.000 Urlauber fuhren im vergangenen Jahr mit schwimmenden Hotels auf Chinas wichtigster Wasserader. Rund 200 Kreuzfahrtschiffe höchst unterschiedlicher Qualität gibt es darum mittlerweile auf dem Yangtze, die im September 2008 in Dienst gestellte „Century Diamond“ ist laut Andreas Achatz die schönste Perle auf dem Langen Fluss. Schon beim Bau war Achatz dabei und achtete darauf, dass europäische Standards und Bedürfnisse eingehalten wurden. Heraus kam ein Luxusliner mit 132 panorama-verglasten Kabinen und Suiten von 23 bis 45 m², alle mit eigenem Balkon, und sämtlichen Vorzügen eines modernen Kreuzfahrtschiffes wie zum Beispiel Fitness- und Wellnessbereich, a la carte-Restaurant, Bibliothek, mehrstöckige Lobby mit Kristalllüster, Glasfahrstühle und sogar einer komfortablen Zigarren-Lounge.

Auf der Century Diamond ist Deutsch Bordsprache
Auf der Century Diamond ist Deutsch Bordsprache

Verständigungsprobleme haben deutschsprachige Reisende auf der „Century Diamond“ im Gegensatz zu anderen Schiffen, die vor allem für Gäste aus den USA und Hongkong ausgelegt sind, keine. Erfahrene deutsche Reiseleiter begleiten die Passagiere durchgehend während der gesamten Reise, Deutsch ist neben Englisch und Chinesisch Bordsprache. Alle Durchsagen, Reiseerläuterungen, Tagesprogramme und Sportangebote wie der morgendliche Tai Chi-Kurs oder die Abendshows erfolgen in deutscher Sprache.

Durch ständiges Training auf hohes Niveau kommen

Selbst das Unterhaltungsprogramm mit chinesischem Kochkurs, Kultur-Modenshow und Kalligraphie-Vorführungen werden entweder auf Deutsch abgehalten oder übersetzt.  Die tägliche deutsche Bordzeitung informiert über das Weltgeschehen, auf dem Kabinenfernseher empfängt man Deutsche Welle und wer direkt mit der Heimat kommunizieren möchte, kann für 2,50 Euro in der Stunde die Computerterminals in der Internetecke aufsuchen. Und auch bei Landausflügen werden die Gäste von deutschsprechenden Führern begleitet, die fast alle in Deutschland studiert haben und ausgezeichnet zu verstehen sind. International geht es in den beiden Restaurants an Bord zu, hier gibt es sowohl chinesische als auch europäische Küche, Speise- und Getränkekarte sind natürlich auf deutsch. Achatz hat es sich als gelernter Koch nicht nehmen lassen, das tägliche Menüangebot gemeinsam mit dem Chefkoch zusammenzustellen: „Bei uns ist für jeden Geschmack etwas dabei – von der Pekingente bis zum Wiener Schnitzel.“ Die Melange aus Austria und Asia kommt bei den Gästen hervorragend an. Damit Achatz nicht ständig selbst zur Pfanne greifen muss, bringt er den chinesischen Köchen europäische Gerichte bei. Und auch von den Rezeptionisten bis zum Zimmermädchen, muss alles durch seine Schule, denn „nur durch ständiges Training, können wir ein Niveau bieten, das unseren hohen Standards auch gerecht wird.“

30-Milliarden-Euro-Projekt Yangtze-Staudamm

Mit europäischen Standards zu verstehen, welche Anstrengungen die chinesische Regierung unternommen hat und was Volk und Natur aufgebürdet wurde, um das erste Ziel der Reise, den Drei-Schluchten-Staudamm zu errichten, ist nicht einfach. Das 30 Milliarden-Euro-Projekt mit mehr als zehn Jahren Bauzeit wurde Anfang der 90-er Jahre beschlossen, unzählige Hochwasserkatastrophen waren die offiziellen Argumente für die Zähmung des Yangtze. Rund 1,3 Millionen Menschen verloren durch den Staudammbau ihre Heimat und wurden umgesiedelt,  mehr als 130 Kleinstädte und 1.400 Dörfer liegen jetzt bis zu 80 Meter unter Wasser, es verschwanden 1.500 Industrieanlagen, Tempel und Felder. Mitten in der Xiling-Schlucht, die mit 66 Kilometer die längste und wegen ihrer Strudel und Klippen einst die gefürchtetste der drei Schluchten war, steht seit Mai 2006 eine gigantische Betonmauer, die den Fluss bis 175 Meter über dem Meeresspiegel staut, rund 110 Meter höher als zuvor. 28.000 Arbeiter und 1.400 Ingenieure vor allem aus USA, Kanada und Deutschland schufen den 185 Meter hohen, 124 Meter dicken und 2309 Meter langen Damm.

Am Modell werden die gigantischen Ausmaße deutlich
Am Modell werden die gigantischen Ausmaße deutlich

Für den Wall wurden 5,5 Milliarden m³ Beton benötigt, davon hätte man acht Mal die rund 6.350 Kilometer lange Chinesische Mauer bauen können. Dafür produzieren heute 26 Turbinen mehr als  84 Milliarden Kilowattstunden, was etwas mehr als 5 Prozent des gesamten Strombedarfs in China entspricht. Parallel zum Staudamm wurde eine Zwei-Wege-Schleusenanlage für den Schiffsverkehr errichtet. Nachdem sich die 39 Meter hohen Schleusentore hinter der „Century Diamond“ geschlossen haben, dauert es rund 45 Minuten bis die nächste der insgesamt fünf Stufen erreicht ist. Knapp 4 Stunden ist das Schiff in den Schleusen, die Wartezeit soll bis 2015 auf 40 Minuten verkürzt werden. Dann soll das Hebewerk für Schiffe bis 113 Meter Länge und 300 Tonnen fertig sein, das derzeit von rund 90.000 Soldaten gebaut wird.

Lange Schleusenzeiten sind noch erforderlich
Lange Schleusenzeiten sind noch erforderlich

 

Viel Grün in den Drei Schluchten

Nach der Gigantomie und dem vielen Beton tut der Ausblick in die grüne Natur am nächsten Morgen richtig gut. Bewaldete Felsen schälen sich an beiden Ufern wie Schattenrisse aus der Frühdämmerung, terrassenartige Orangenhaine tauchen auf, die angelegt wurden, um die Erde festzuhalten und so ein Abrutschen der Uferböschung zu verhindern. In der zweiten der Drei Schluchten, Wu genannt und 45 Kilometer lang,  ragen Steinwände wie mit dem Messer senkrecht herausgeschnitten aus dem Wasser 1000 Meter in die Höhe, dazu gewaltige Felsrippen, die sich wie Bögen Hunderte Meter weit spannen. Die dritte schließlich, die nur acht km lange Quatang-Schlucht, verengt sich zwischen glatt geschmirgeltem, kilometerhohem Fels spektakulär auf fast bedrohlich eng wirkende 50 m. Und es wird noch schmaler, so eng, dass in kleinere Motorboote umgestiegen werden muss. Auf dem Daning-Fluss, einem der unzähligen schmalen Seitenarme des Yangtze geht es in die Bergwelt der Drei Kleinen Schluchten. Dort erwarten Ruderer die Passagiere der „Century Diamond“ in flachen Holzbooten. Je weiter man in die kleinen Schluchten vordringt, desto klarer wird das Wasser, es funkelt jadegrün. An den steil aufragenden Uferhängen wiegt Bambus im Wind, Libellen schwirren umher, ein Naturparadies, das vor dem Bau des Staudamms und dem dadurch gestiegenen Wasserspiegel gar nicht zugänglich war.

Auf den schmalen Seitenarmen des Yangtze heißt es umsteigen in kleinere Boote
Auf den schmalen Seitenarmen des Yangtze heißt es umsteigen in kleinere Boote

Das Gegenteil widerfuhr der Stadt Fengdu. Wegen des Staudamms wurden die Häuser am Nordufer abgerissen und auf der anderen Flussseite wieder aufgebaut. Von der alten Stadt ist nichts geblieben, nur der Hügel darüber zeugt von der 2000 Jahre alten Kultur. Auf der idyllischen Erhebung, die sportlich per Treppen oder gemütlich mit dem Sessellift bezwungen werden kann, liegt die Geisterstadt. Ein buntes Sammelsurium aus buddhistischen Tempeln und taoistischen Schreinen, das der Sage nach als Eingang zur Unterwelt gilt.

Nicht nur wer fürs Jenseits vorsorgen möchte, muss eine Reihe von Prüfungen bestehen – auch für dieses Leben gibt es Aufgaben, bei deren Gelingen, dem Besucher ein hohes Alter, anhaltende Gesundheit und ewige Liebe garantiert sind. So gilt es zum Beispiel eine glitschige Brücke in nur drei Schritten zu überqueren ohne auszurutschen oder auf einem runden Stein zu balancieren, erst dann darf man im Palast auf dem Gipfel beim König der Unterwelt vorsprechen, einem sechs Meter hohen und drei Meter breiten Koloss aus Bronze.

Pekingente und köstlicher Nachtisch

Am letzten Abend an Bord gibt es auf der „Century Diamond“ immer Pekingente als Abschiedsmenü. Und an diesem Abend auch noch einen besonderen Nachtisch, denn Andreas Achatz ist voll in seinem Element. Der Hotelmanager hat sich persönlich an den Herd gestellt und bereitet Apfelstrudel zu. Die Nachspeise ist nicht nur bei deutschen Gästen sehr beliebt hat Achatz herausgefunden. Die Chinesen lieben Süßes, der Apfelstrudel ist vor allem bei einheimischen Gästen der Hit.

Der Hotelmanager bereitet den Apfelstrudel persönlich zu
Der Hotelmanager bereitet den Apfelstrudel persönlich zu

Die „Century Diamond“ ist mit 5+-Sterne eingestuft und hat Platz für 264 Passagiere. Die 132 Deluxe-Kabinen und Suiten sind mit 23 bis 45 qm² sehr geräumig und verfügen alle über einen eigenen Balkon.

Wie man Apfelstrudel auf dem Yangtze essen kann:

Beste Reisezeiten sind April bis Juli sowie September bis November. Von Juni bis September ist Regenzeit und es ist daher oft schwül mit viel Nebel.

Die vier- und fünftägigen Yangtze-Kreuzfahrten sind eingebettet in elftägige China-Rundreisen mit Besuchen der Metropolen Shanghai und Peking. Informationen bei nicko tours in Stuttgart unter 0711 – 248 98 00 oder im Internet unter www.nicko-tours.de