Lange bevor Jon Krakauer mit seinem danach auch noch verfilmten Bestseller „In eisigen Höhen“ einem breiten Publikum weltweit bekannt wurde, hatte der Journalist in den USA und unter englischsprachigen Lesern bereits viele Fans. Denn Krakauers Reportagen sind vorbildlich recherchiert, und obwohl immer wissenschaftlich fundiert, verlieren sich diese Stories nicht in langweiligen Fakten, sondern sind lebendig geschrieben und bestes Infotainment. Die Geschichten erzeugen eine Spannung, die den Leser bis zum Schluss in ihren Bann zieht. Krakauer entwickelte mit seinen Outdoor-, Abenteuer- und Wissenschaftsreportagen einen eigenen, einmaligen Erzählstil, der irgendwo zwischen dem Gonzo-Journalismus von Hunter S. Thompson und den Reise- und Länderbeschreibungen Bill Brysons anzusiedeln ist.

Jetzt hat der Malik-Verlag das Buch „Classic Krakauer“ mit neun seiner besten Reportagen aufgelegt. Darin sind längere Stücke aus renommierten Zeitschriften wie „Outside“, „Rolling Stone“ und „Smithsonian“ versammelt, die sich überwiegend um die große Leidenschaft des mittlerweile 65-jährigen drehen: schon seit frühester Kindheit ist er den Bergen und dem Klettern verfallen und machte diese Leidenschaft zu seinem Beruf, in dem er über berühmte Klettergenossen und außergewöhnliche Touren schrieb. “Classic Krakauer” startet aber mit einer dichten Reportage über den dramatischen Tod des hawaiianischen Surfers Mark Foo, der kurz vor Weihnachten 1993 in den Riesenwellen bei Mavericks im Norden Kaliforniens ertrank. Krakauer beweist in diesem Stück sein großartiges Erzähltalent, der Leser ist in unterschiedlichen Perspektiven von Freunden Foos aus der Surferszene quasi hautnah dabei, versteht den Hype, die Motivation und schließlich das unsägliche Pech, das zu Foos Tod führte. Auch die Schilderung der Bootcamp-Industrie, die missratene US-Jugendliche wieder auf den richtigen Weg bringen will und dabei mehrere Todesfälle verursacht, ist eine packende Erzählung und fesselt den Leser.

Man merkt den Reportagen an, dass Krakauer selbst tief in die jeweilige Materie abtaucht und verstehen will, was die Protagonisten und die jeweilige Szene bewegt. Da, wo es ihm möglich ist, ist er live dabei, geht selbst mit hinaus, um selbst zu erleben und nicht auf Informationen Dritter angewiesen zu sein. Das macht vor allem seine Geschichten von Bergsteigern und dem Klettern atmosphärisch dicht, höchst informativ und authentisch. So wird in „Classic Krakauer“ sehr deutlich, was diesen genialen Autor auszeichnet: seine Fähigkeit den Leser mit fundierten, spannenden Erfahrungsberichten zu begeistern und bis zum letzten Satz zu fesseln. Ausgezeichnet aus dem Englischen übersetzt, ergibt sich so ein großes Lesevergnügen – absolut empfehlenswert.

Jon Krakauer: Classic Krakauer – Die besten Reportagen aus drei Jahrzehnten. Malik Verlag

Hardcover, 208 Seiten, 24 Euro

ISBN: 978-3890295152

Weitere Informationen unter https://www.piper.de/buecher/classic-krakauer-isbn-978-3-89029-515-2