Royal Caribbean hat, bedingt durch Corona, im zweiten Quartal 2020 einen Nettoverlust von 1,64 Milliarden US-Dollar eingefahren.

Die durch Corona verursachten Kreuzfahrtstopps und die dadurch entstandenen Verluste für Reedereien sind horrend: Die börsennotierte Kreuzfahrtreederei Royal Caribbean hat im zweiten Quartal 2020 einen Nettoverlust von 1,64 Milliarden US-Dollar eingefahren. Diese Summe kommt nach einem Nettoverlust von 1,4 Milliarden im ersten Quartal 2020 hinzu, so dass für Royal Caribbean insgesamt eine grauenhafte Bilanz von insgesamt mehr als 3 Milliarden US-Dollar (ca. 2,4 Milliarden Euro) in diesem Jahr durch Corona entstanden ist. Der nach der Carnival Corporation zweitgrößte Kreuzfahrtkonzern der Welt rechnet damit, dass er wegen der Einschränkungen durch Corona monatlich durchschnittlich 250 bis 290 Millionen Dollar der vorhandenen liquiden Mittel verbrennen wird.

Zum Glück für Royal Caribbean verfügt das Unternehmen über große Barreserven, auf die es zurückgreifen kann: 4,1 Milliarden US-Dollar stehen noch immer zur Verfügung. Das Unternehmen hatte sich zu Beginn der Krise schnell neue Liquidität beschafft und einen Kredit in Höhe von 2,2 Milliarden US-Dollar aufgenommen. Aufgenommen wurde der Kredit laut Medien mit einer Fazilität von einem Jahr. Diese soll um ein weiteres Jahr verlängert werden können. Kürzung und Streichung von Investitionen, Betriebskosten und andere Maßnahmen zur Verbesserung der Liquidität sollen mindestens weitere 1,7 Mrd. USD im Jahr 2020 bringen. Außerdem wurden wegen der Corona-Krise massiv Stellen abgebaut. Das Unternehmen mit Sitz in Miami schickte mehr als 25 Prozent der mehr als 5.000 Beschäftigten in den USA in den Zwangsurlaub oder stellte sie frei. Rund 1.300 Mitarbeiter in den Büros und Häfen in den USA mussten das Unternehmen verlassen.  Zuvor waren bereits zahlreiche Verträge von Crewmitgliedern an Bord der Schiffe vorzeitig beendet worden.

Die Barmittel werden Royal Caribbean wahrscheinlich durch die Pandemie bringen, jedoch sieht die Zukunft für kleinere Kreuzfahrtveranstalter mit geringeren Barreserven deutlich düsterer aus. Verluste dieser Größenordnung sind eindeutig nicht tragbar und verdeutlichen den enormen finanziellen Druck, unter den Corona alle Kreuzfahrtunternehmen gestellt hat. Die kürzlich erfolgten Ausbrüche von Corona an Bord von Kreuzfahrtschiffen nach dem Re-Start könnten erneut enorme Auswirkungen auf die Kreuzfahrtindustrie mit verheerenden Folgen für die Branche haben.

Trotz der anhaltenden Schwierigkeiten hat Royal Caribbean bei der Veröffentlichung der Quartalszahlen angegeben, dass die Buchungen für das Jahr 2021 positiv sind. Etwa 60 Prozent der Buchungen seien neue Reservierungen und keine Umbuchungen für abgesagte Reisen. Die Reaktion der Anleger auf diese Nachricht zeigt, wie weit sich das Geschehen an den Börsen von der realen Wirtschaftswelt abgekoppelt hat: Der Kurs der Aktie stieg trotz des Milliardenverlustes und den horrenden Tagesverlusten um knapp 10 Prozent. Die Aktien des Unternehmens hatten in diesem Jahr allerdings bereits mehr als 60 Prozent ihres Wertes verloren.

 

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