Der „Expedition“ von G Adventures unter Kapitän Sergej Nestrov gelang die erste vollständige Spitzbergen-Umrundung in diesem Jahr.

Der „Expedition“ von G Adventures unter Kapitän Sergej Nestrov gelang die erste vollständige Spitzbergen-Umrundung in diesem Jahr. Nur wenige Schiffe können dies früh in der Saison und überhaupt bedarf es einer Portion Glück mit dem Wetter und vor allem erheblicher nautischer Erfahrung mit Eisfahrten. Kaum jemand ist diesbezüglich besser geeignet als Kapitän Nestrov, der erst vor zehn Jahren zur Passagierschifffahrt kam und seit drei Jahren für G Adventures tätig ist. Der 55-jährige fuhr für das russische Polarinstitut in St. Petersburg Versorgungsschiffe für die russischen Arktis- und Antarktisstationen.

Mit der G Expedition rund um Spitzbergen
Mit der G Expedition rund um Spitzbergen

Die „Expedition“ verfügt über die zweithöchste Eisklasse, hat aber weitere bauliche Besonderheiten, die der erfahrene Kapitän Sergej Nestrov nutzt: „Der Rumpf ist nicht nur verstärkt, sondern die Bordwand verjüngt sich um fünf Meter nach innen. Damit können wir seitlich auch auf sehr dicke Eisschollen fahren und sie durch das Gewicht des Schiffes entweder wegdrücken oder zerteilen.“ Außerdem ist der Propeller durch Stahlgitter auf beiden Seiten geschützt und ein Sonargerät, dass die Unterwasserumgebung erfasst, sowie das Radar helfen bei der Entscheidung ob das Eis frontal oder von der Seite angefahren wird.

Das Eis nimmt zu
Das Eis nimmt zu

Bei Eisfahrten ist es unabdingbar, dass man weiß mit welcher Art von Eis man zu tun hat. Denn Eis ist nicht nur gefrorenes Wasser, sondern es kommt auf die Zusammensetzung an: Der Salzgehalt des Wassers, unterschiedliche Temperaturen, Druck und Bedingungen wie Wind- und Wellenstärke lassen sehr unterschiedliche Eisarten entstehen. Wenn es schnell friert, wird das Eis hart, bei höheren Temperaturen ist es weich. Bei sogenanntem Pfannkucheneis – kleinere Eisschollen, die wieder zu einer großen Fläche zusammenfrieren, muss man schnell reagieren, um nicht festzustecken. Denn hat sich erst einmal rund um das Schiff dadurch wieder eine Barriere aus Packeis gebildet, kann man nur warten bis die Wetterbedingungen oder die Strömung sich ändern und das Eis wieder schmilzt oder fremde Hilfe anfordern. In der Antarktis saß Kapitän Nestrov mit seinem Versorgungsschiff deswegen mal zwei Wochen fest.

Der 55-jährige ging 1979 zur Marineschule in Kronstadt, wurde Kadett auf der „Sedov“ und fuhr dann Kriegsschiffe der Schwarzmeer-Flotte.1987 folgten Lehrgänge an der Marine Hochschule in Rostow. Auch hier stach Nestrov heraus, denn er absolvierte nicht nur einen Lehrgang wie seine Kameraden, sondern ließ sich in dreieinhalb Jahren gleichzeitig sowohl zum Kapitän als auch zum Schiffsingenieur ausbilden. Aber auch das war Kapitän Sergej Nestrov noch nicht genug: Am Polarinstitut St. Petersburg drückte er noch einmal zwei Jahre die Schulbank und lernte alles Wissenswerte über Polargebiete und das Verhalten bei Eis und widrigen Wetterbedingungen. Nach Studienabschluss wurde er dann zum Kapitän eines Atomeisbrechers ernannt und versorgte 25 Jahre lang die russische Forschungs- und Militärstationen in Arktis und Antarktis.

Man lernt nie aus, so Kapitän Nestrov
Man lernt nie aus, sagt Kapitän Sergej Nestrov

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Russlands und die damit verbundene Mittelkürzung für die Polarstationen ließen Nestrov im Jahr 2010 umdenken. Er bewarb sich beim Polarveranstalter Quark Expeditions, wurde mit seiner Erfahrung sofort genommen und blieb dort drei Jahre bevor er auf die „Expedition“ von G Adventures wechselte. Jetzt ist er einer der wenigen Kapitäne weltweit, die mehrfach sowohl  Nordwest- als auch Nordost-Passage gefahren sind.

Nestrov verlässt sich am liebsten auf seine Augen, mit dem Fernglas tastet er unermüdlich  Horizont und Schiffsumgebung ab, wenn die „Expedition“ in Eisfelder gerät. „Offenes Wasser erscheint schwarz, so kann ich mir lange im Voraus einen geeigneten Kurs suchen und auch schnell reagieren, wenn es sein muss“, sagt Nestrov. Aber natürlich schaut er auch auf technische Hilfsmittel, wie Sonar, das im Umkreis von 400 Metern die Unterwasserwelt abbildet, was besonders bei Eisbergen, die neun Zehntel ihrer Gesamtmasse unterhalb der Wasserlinie haben, wichtig wird. Oder das Radar, das Eisfelder und See-Eis anzeigt, gelbe Punkte markieren das Packeis. Drei Mal täglich erhält das Schiff eine aktualisierte Eiskarte vom Polarinstitut Tromsö, außerdem den Eisreport der kanadischen Küstenwache und den Wetterbericht des Meteorologisches Institut Norwegen. Außerdem schaut sich die Brückenbesatzung Satellitenfotos der Gegend an.  Am liebsten aber verlässt sich Kapitän Sergej Nestrov auf sein Wissen und sein Gefühl, über Funk tauscht er sich mit anderen Kapitänen aus, die im selben Fahrtgebiet unterwegs sind. Darum hat der 55-jährige bei Nebel oder Schnee meist schlechte Laune. Denn dann ist die Sicht so schlecht, dass Nestrov sich auf seine Technik verlassen muss und nicht mit eigenen Augen den Horizont absuchen kann.

An der Eiskante: selbst einjähriges Eis ist kein Problem für das Schiff
An der Eiskante: selbst einjähriges Eis ist kein Problem für das Schiff

Hat der Eiskapitän es ein „Lieblingseis“?  „ Erdbeer und Vanille“ lacht Nestrov,“das russische Eis ist echt lecker! Aber im Ernst: selbst in Grönland oder der Antarktis sieht man kaum so farbenfrohes Eis wie hier. Da gibt es Schattierungen von hellblau bis dunkellila, ein tolles Frabenspiel der Natur.“ Blaues oder dunkelfarbiges Eis stammt aus den unteren Schichten eines Gletschers. Wenn frischer Schnee fällt, gefriert er irgendwann zu Eis und drückt die unteren Eisschichten zusammen. Durch das Gewicht, was auf den unteren Eismassen lastet, entweichen im Lauf der Jahrtausende immer mehr Luftblasen, die ansonsten das Eis weiß erscheinen lassen.“ Das Blaue Eis ist Zehntausende Jahre alt“ meint Nestrov, „wenn man das schmelzen lässt und trinkt, fühlt es sich ganz weich an und ist samtig-ölig in der Konsistenz. Ein einmaliger Geschmack und frei von irgendwelchen Umweltgiften.“

Plötzlich rummst und knackt es, durch das ganze Schiff geht ein Ruck. „Keine Angst, das war nur eine größere Scholle“, beruhigt Kapitän Sergej Nestrov.“ Mit unserem Bug können wir auch festes Eis brechen  und Eisschollen beiseiteschieben, der Winkel ist dabei entscheidend. Man darf nicht frontal auf größere Schollen zufahren, sondern seitlich von vorn, dann bricht das Eis unter dem Gewicht des Schiffes und drückt sie zur Seite weg.“ Und man muss rechtzeitig Geschwindigkeit wegnehmen, bei mehrjährigem Eis geht Nestrov runter bis auf 5 bis 6 Knoten, manchmal kann er sogar nur 2 bis 3 Knoten fahren. Dann stellt auch einjähriges Eis in der Regel kein Problem dar. Für die „Expedition“ sind selbst Eis mit einer Dicke von mehr als einem Meter oder Schollen bis zu zwei Meter Dicke kein Hindernis und können problemlos durchfahren werden. So gelang die erste Spitzbergenumrundung, an der fünf gleichzeitig fahrende Kreuzfahrtschiffe scheiterten. Dafür braucht man eben einen sehr erfahrenen Eiskapitän wie Sergej Nestrov.

Diese und weitere Reisen  sind buchbar bei Polaris Tours, dem Spezialisten für Schiffsreisen in der Arktis und Antarktis. Weitere Informationen unter www.polaris-tours.de oder unter Telefon: +49 (0) 8822 – 948 66 0. Kataloganforderung per Mail unter info@polaris-tours.de

Diese Reise wurde unterstützt von G Adventures (www.gadventures.de) und Polaris Tours.