Rezension / Buchkritik „Der Malik“ von Bernhard Kreutner aus dem Benevento-Verlag, tolle Mischung aus Spannung, Philosophie und Humor.

„Der Malik“ ist der zweite Band der Krimi-Reihe um die Ermittler einer Wiener Sondereinheit, Michael Lenhart und Sabine Preiss. Mit den beiden Kommissaren hat Autor Bernhard Kreutner echte Typen mit Wiener Charme geschaffen. Sonderlinge sind sie alle beide: Lenhart geht als geradliniger Analytiker alle Rätsel mit Scharfsinn an und löst seine Fälle durch philosophische Überlegungen, die er gern in Monologen mit seinen Mitarbeitern teilt. Sabine Preiss war bei einer Spezialeinheit und vereint Schönheit, Intellekt und Härte in einer Person. Im neuen Buch ist das Ermittlerteam um eine Person angewachsen, nun ist auch das Organisationstalent Anton Steinbach im Team.

Ging es im 2019 erschienenen Debutkrimi „Der Preis des Lebens“ um Organhandelt, widmet sich „Der Malik“ einem international operierenden Verbrecherclan. Das Verschwinden eines hochrangigen Wiener Beamten auf Malta ruft die Sondereinheit auf den Plan. Bald erschließt sich den Ermittlern die internationale Dimension, die dem mutmaßlichen Mord zugrundliegt. Das Oberhaupt eines nordafrikanischen Familienclans mit besten Kontakten zu einer politischen Partei – der Malik – hat mit Verbrechen wie Rauschgift und Schutzgeldern ein Vermögen aufgebaut, er ist ein ehrenhafter Bürger mit großem Ansehen. So muss er sich die Hände nicht schmutzig machen, sondern hat seine Handlanger, allen voran die beiden Söhne, die in Brüssel und London sitzen und mit modernen verbrecherischen Methoden richtig abkassieren. Es geht um komplizierte Firmen- und Beteiligungskonstrukte, um an staatliche Förderungen und Steuererstattungen zu kommen. Der Autor verarbeitet dabei Themen wie CO²-Zertifikate- Handel, Offshore-Konten, Mehrwertsteuerkarussell und die zur Korruption einladende Förderpolitik der EU.

Wie schon im ersten Buch wird auch in „Der Malik“ keine actionreiche Geschichte mit vielen Nebenhandlungen entrollt, sondern eher ein Kammerspiel mit Wiener Lokalkolorit, Charme und im Fall der immer bestens informierten Vorzimmerdame aus dem Ministerium, Frau Wolf, mit köstlichem Wiener Dialekt. Kammerspiel ist dabei fast wörtlich zu nehmen, denn die Ermittlungen erfolgen (fast) alle von dem Büro in Wien aus und sind wie Schachzüge bis hin zum finalen Schachmatt: Die Ermittlungsarbeit wird als Dialog zwischen den verschiedenen Abteilungen der Polizei und dem Ministerium dargestellt sowie in den Gesprächen des Teams und des Familienclans samt Anwalt untereinander. Das Finale ist ideen- und fintenreich, absolut spannend.

Der Autor hat nicht nur besondere Figuren entwickelt, sondern einen ganz eigenen Schreibstil, der von philosophischen Betrachtungen und Zitaten, die Lenhart von sich gibt, durchzogen ist. Ob es die Antike ist oder lebende Künstler, Philosophen oder Schriftsteller, es vergeht kaum eine Seite, in der nicht einiges an gekonnter Wortwahl eingeflochten ist. Nichts gegen ein bisschen Nachdenken bei der Lektüre, aber das mag mancher Leser auf Dauer als anstrengend empfinden. Wer aber Spaß an den oft zweideutigen oder gekonnt umschriebenen Bemerkungen hat, hat den idealen Lesestoff gefunden. Denn „Der Malik“ ist trotz der Mehrschichtigkeit sehr gut und flüssig zu lesen: Vortrefflich recherchiert, und in eine Form gebracht, die gleichzeitig unterhält und immer wieder Anlass zum Nachdenken gibt. Eine tolle Mischung aus Spannung, Philosophie und Humor.

Der Malik

Bernhard Kreutner

Benevento Verlag

Broschiert, 288 Seiten, 18 Euro

ISBN: 978-3710900969

Weitere Informationen unter https://www.beneventobooks.com/produkt/der-malik-2/