Rezension/Buchbesprechung "Der Sandwich-Insulaner" von Michael Stoffregen-Büller, spannend und mit großer Leichtigkeit erzählt, top!

Die erste Weltumsegelung eines deutschen Frachtschiffes und das damit verbundene Schicksal des ersten Hawaiianers in Berlin, aus diesem geschichtlichen Stoff hat Michael Stoffregen-Büller in „Der Sandwich-Insulaner“ ein spannendes, hervorragend recherchiertes und äußerst lesenswertes Buch gemacht. Der im Bäßler-Verlag erschienene, gebundene Band enthält im ersten Teil einen ausführlichen Bericht zur Weltreise der „Mentor“ mit vielen Details. Die Handelsfregatte „Mentor“ war ein Handelsschiff, das im Auftrag der königlich-preußischen Seehandlungsgesellschaft in den Jahren 1822 bis 1824 die Welt umrundete. Erstmals umsegelte damals ein Schiff unter deutschem Kommando den Globus. Von diesen Reisen brachte die „Mentor“ nicht nur wertvolles Gut wie chinesischen Tee und Gewürze mit, sondern für König Friedrich Wilhelm III. auch exotische Tiere, die der Regent als Attraktionen in seiner Menagerie auf der Pfaueninsel ausstellen ließ.

Im zweiten Teil des 272 Seiten starken Buches steht der junge Sandwich-Insulaner Harry Maitey im Mittelpunkt – der erste Hawaiianer in Deutschland.  Daher stammt auch der Buchtitel „Der Sandwich-Insulaner“, denn die Inselgruppe Hawaii hieß einst Sandwich Islands: James Cook hatte die von ihm 1778 angesteuerten Eilande zu Ehren seines Gönners benannt, dem 4. Earl of Sandwich, dessen Fürsprache als Erster Lord der Admiralität ihm diese Expedition ermöglicht hatte. Auf Hawaii kam 1823 ein junger Mann von der Insel O’ahu im Hafen von Honolulu an Bord der „Mentor“ und bat, mitfahren zu dürfen, was ihm angesichts des großen Erfolges von James Cook, der Ureinwohner in London zur Schau stellte, gewährt wurde. Mit diesem Ereignis verknüpft der Autor geschickt die Fahrt der „Mentor“ und die weitere Lebensgeschichte von Harry Maitai. Den Vornamen Harry hatte sich der junge Polynesier selbst gegeben, den Nachnamen hatte man ihm auf der „Mentor“ verpasst. Die Seemänner entlehnten diesen Namen seinen begeisterten Ausrufen „Maitai-Maitai“. Polynesisch für „gut“ /“prima“. Für den Polynesier auf dem Weg ins ferne Preußen war das Leben auf einem damals modernen Segelschiff aufregend und lehrreich. In Berlin angekommen, nimmt ihn der Geheime Oberfinanzrat Christian Rother, Chef der Königlich Preußischen Seehandlungs-Societät, den jungen Sandwich-Insulaner zunächst bei sich auf. Der junge Maitey ging zur Schule, lernte Lesen, Schreiben und Rechnen, wurde von Wilhelm von Humboldt unterrichtet, getauft und konfirmiert.

Auf Geheiß Königs Friedrich Wilhelm III. kam er 1830 in die royale Menagerie auf die Pfaueninsel, des Havel-Eilands, welches der König zu einer Traumlandschaft mit südlichem Flair und einer Menagerie ausbauen ließ. Harry Maitai wurde Gehilfe des Maschinenmeisters, der für die Dampfmaschine sowie die verschiedenen Wasserspiele verantwortlich war, und erlebte so die einzigartige Blütezeit der Pfaueninsel. Drei Jahre später heiratete Maitey die Tochter des für die Menagerie zuständigen Tierwärters. 1872 starb Maitey und wurde auf der Pfaueninsel beigesetzt.

Michael Stoffregen-Bühler war Chefredakteur Fernsehen beim Hessischen Rundfunk und viele Jahre für die ARD-Magazine „Monitor“ und „Weltspiegel“ tätig. Der Journalist hat für dieses Buch nicht nur glänzend recherchiert und Fakten zusammengetragen, sondern er kann vor allem auch packend schildern und schreiben. Diese ungewöhnliche Geschichte ist spannend und mit großer Leichtigkeit erzählt, sie liest sich trotz historischer Exaktheit wie ein Abenteuerbuch. Bebildert mit Stichen und Gemälden ergibt der liebevoll zusammengetragene Band ein sehr gutes Bild der damaligen Zeit.

Absolut empfehlenswert!

Zum Buch: https://www.baesslerverlag.de/Der-Sandwich-Insulaner

 

Der Sandwich-Insulaner

Michael Stoffregen-Büller

hendrik Bäßler Verlag, Berlin

Gebunden, 272 Seiten, 26 Euro

ISBN: 978-3945880388

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