Auf einigen Flusskreuzfahrtschiffen scheint es nach Ansicht der deutschen Behörden illegale Beschäftigung zu geben: Im Rahmen von europaweiten Schwerpunktkontrollen an Bord von Flusskreuzfahrtschiffen in Bayern sind Landeskriminalamt, Zoll und Wasserschutzpolizei auf illegale Beschäftigung gestoßen wie der Bayrische Rundfunk berichtet. Das gehe aus einer ersten Bilanz des Landeskriminalamts hervor. In einem Fall wurde einem Schiff die Weiterfahrt wegen Unterbemannung untersagt. Die Zahl der Besatzungsmitglieder entsprach nicht den Vorschriften. Ein Besatzungsmitglied war illegal beschäftigt und verfügte nicht über die nötigen Papiere.

Mehr als 1.000 Besatzungsmitglieder überprüft

In Bayern waren insgesamt rund 140 Beamte von Polizei und Zoll im Einsatz, um 63 Schiffe zu kontrollieren. Mehrheitlich handelte es sich um Flusskreuzfahrtschiffe. Über 1.000 Besatzungsmitglieder wurden überprüft. In 150 Fällen ermittelt jetzt der Zoll aufgrund des Verdachts von hinterzogenen Sozialleistungen. Auch Verstöße gegen das Mindestlohngesetz wurden dokumentiert.

Illegal oder rechtlich fragwürdig

Nach Angaben des LKA sind die Beschäftigungsverhältnisse an Bord aller kontrollierten Flusskreuzfahrtschiffe als illegal oder als rechtlich fragwürdig einzustufen. Grund sind häufig Anstellungen über zwischengeschaltete Personaldienstleister im Ausland, um Steuern und Abgaben für Personal zu sparen. Branchenkenner verweisen darauf, dass die Reedereien versuchen, mit Methoden aus der Hochseeschifffahrt Gewinn zu machen. Demnach sei es kein Zufall, dass viele Schiffe unter Schweizer Flagge fahren: Basel und Baar gelten aufgrund niedriger Steuern und vergleichbar laschem Kündigungsrecht als beliebte Standorte bei großen Reedereien. Auch die Europa-Zentrale des amerikanischen Unternehmens Viking Cruises befindet sich in Basel. Konkurrent Scylla sitz seit kurzem in Baar. Die Gemeinde im Kanton Zug gilt seit 2016 als steuergünstigste Kommune der Schweiz.