Nach der Insolvenz mehrerer kleinerer Kreuzfahrtreedereien steht jetzt mit Genting-Hongkong ein ziemlich großer Player vor großen finanziellen Problemen.

Update 19.10.: Der Bund zahlt rund  377 Millionen Euro eines Notkredit aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds an Genting nicht aus , weil der asiatische Kreuzfahrtkonzern Bedingungen des Bundes nicht einhält. Genting ist Besitzer der MV Werften in Wismar, Rostock und Stralsund, die mit diesem Notkredit der Bundesregierung gerettet werden sollen. Dabei hatte Genting sogar einen schnellen Kredit über 570 Millionen Euro von Deutschland haben wollen. Voraussetzung vom Bund war dafür, dass ein Gutachten das Geschäftsmodell – den Bau von Kreuzfahrtschiffen vornehmlich für den asiatischen Reisemarkt – als aussichtsreich bewerten würde. Trotzdem wurden bereits 193 Millionen Euro gewährt, auch auf Iniative der Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern, um ein Überleben der Werften zu sichern und damit Arbeitsplätze zu erhalten. Zur Absicherung hat sich die Bundesregierung eine Schiffshypothek auf das in Stralsund im Bau befindliche Luxusschiff “Crystal Endeavour” einräumen lassen. Ursprünglich hatte die deutsche Staatsbank KfW über deren Tochter Ipex das Geschäft von Genting an der deutschen Ostseeküste sogar mit rund drei Milliarden Euro finanziert. Jetzt verlangt der Bund, dass mindestens sechs neue Universal-Schiffe, die bis zu 2000 Passagiere  fassen können, auf den MV Werften gebaut werden. Nur: Welche Reederei bestellt in Corona-Zeiten noch neue Schiffe? Den Schiffseignern steht derzeit das Wasser selbst bis zum Hals, Insolvenzen wie von CMV, Mutter des deutschen Unternehmens Transocean zeigen dies deutlich auf. Stattdessen werden lieber ältere Einheiten abgegeben, so wie es unlängst Phoenix Reisen mit der MS Albatros. Die Carnival-Gruppe will sich sogar von insgesamt 18 Kreuzfahrtschiffen trennen. In dieser Situation scheint eine weitere Finanzierung nahezu aussichtslos und dies würde, wenn sich nicht wie aus dem Nichts weitere Geldquellen für Genting auftun, wohl auch eine Insolvenz der Werften in Mecklenburg-Vorpommern nach sich ziehen.

Ursprungsmeldung: Der Finanzausschuss des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern hat 28 Millionen Euro zur Rettung der angeschlagenen MV Werften freigegeben. Bei der Summe handelt es sich um die letzte Tranche aus einem Sicherheitsfonds von 175 Millionen Euro. Diesen hatte der asiatische Mutterkonzern Genting hinterlegt. Das Geld wird wegen Einnahmeausfällen in Folge der Corona-Krise flüssig gemacht und soll Montag freigegeben werden. Nach dem Land müssen jetzt auch noch die Banken zustimmen.

Ursprungsmeldung: Nach der Insolvenz mehrerer kleinerer Kreuzfahrtreedereien steht jetzt mit Genting-Hongkong ein ziemlich großer Player vor großen finanziellen Problemen. Dies hat auch Konsequenzen für die MV-Werften, die zu Genting gehören, denn der Mutterkonzern gerät immer stärker in finanzielle Schwierigkeiten: Das Unternehmen aus Hongkong hat angekündigt, vorübergehend alle Zahlungen an Gläubiger und Banken einzustellen. Genting leidet stark unter den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie und hat als börsennotiertes Unternehmen mehrfach Gewinnwarnungen herausgeben müssen. Der Konzern musste auch einräumen, einige Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllt zu haben. Die Schulden sollen sich auf derzeit 3,4 Milliarden US-Dollar angehäuft haben.

Zu dem Unternehmen gehören Casinos, Hotels, die Kreuzfahrtlinien Star Cruises, Crystal Cruises und Dream Cruises sowie die MV Werften in Mecklenburg-Vorpommern. Die Aktie des Unternehmens, an dem der malaysische Investor Lim Kok Thay mehr als zwei Drittel hält, verlor nach der Ankündigung, die Zahlungen an Gläubiger und Banken einzustellen, mehr als ein Drittel ihres Werts. Aufgrund des dramatischen Absturzes wurde der Handel mit der Genting-Aktie zunächst für zwei Tage ausgesetzt. Das Unternehmen will drastische Kosteneinsparungen und Kürzungen vornehmen. Versuche, neues Kapital zu gewinnen, waren bislang nicht erfolgreich.

Die Auswirkungen für die MV-Werften mit ihren 3.100 Beschäftigten könnten dramatisch sein: Laut Medienberichten sollen rund 3,4 Millionen Euro Bankgebühren im Zusammenhang mit dem Bau von Schiffen nicht gezahlt worden. Dabei handelt es sich vermutlich um Kreditkosten (Zinsen) für die beiden Kreuzfahrtriesen der Global-Klasse, die auf den MV-Werften gefertigt werden. Dabei wollen die MV-Werften Bundeshilfen aus dem Corona-Rettungspaket bekommen: bis zu 570 Millionen Euro sollen dies bis Ende September sein.

Erst im September 2019 war in Rostock Baustart für die „Global 2“, die wie ihr bereits im Bau befindliches Schwesterschiff bis zu 9.500 Passagiere und 2.200 Besatzungsmitglieder aufnehmen kann. Noch im Dezember 2019 kündigte Genting an, man werde in den MV Werften Schiffe für bis zu 2.000 Passagiere bauen und sie unter anderem für Hotelmarken betreiben, die in die Kreuzfahrtindustrie einsteigen wollen. Das erste Schiff sollte 2022 ausgeliefert werden. Das Unternehmen hatte die drei MV Werften in Rostock, Stralsund und Wismar gekauft. Zudem besitzt Genting Anteile an der Lloyd-Werft in Bremerhaven.

Weitere Informationen unter https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/MV-Werften-Mutterkonzern-in-Turbulenzen,coronavirus2934.html