Hacker nehmen vermehrt Schiffe und Häfen ins Visier, das Risiko eines Cyber-Angriffs auch für Kreuzfahrtschiffe und ihre Passagiere steigt.

Gefahr vor einer neuen Piraten-Generation: Auch sie kapern Schiffe, sind aber nicht auf hoher See unterwegs. Der moderne Pirat greift aber nicht zum Enterhaken, sondern zur Maus und wird zum Hacker. Inzwischen erschüttern massive Sicherheitsprobleme den Welthandel. Der globale Technologie-Dienstleister NTT Ltd. warnt, dass Hacker vermehrt Schiffe und Häfen ins Visier nehmen. Denn auch hier hält immer mehr Datentechnik Einzug. Für die Reedereien hat das viele Vorteile – doch auch das Risiko eines Cyber-Angriffs steigt. Durch die Vernetzung von Betriebstechnologie und Informationstechnologie bieten Schiffe jedoch eine genauso große Angriffsfläche für Hacker wie klassische Unternehmen an Land: Durch die Vernetzung entfallen die wasserdichten Schotten, die es früher zwischen den beiden Systemen gab. Für Cyber-Kriminellen öffnen sich zahlreiche neue Einfallstore. Moderne Schiffe wie Supertanker und Luxusjachten sind mit einer Vielzahl an Kommunikationssystemen ausgestattet. Sie beziehen ihren Standort über das GPS (Global Positioning System) und senden Geschwindigkeit, Kurs und Reisezweck über das AIS (Automatic Identification System) und VTS (Vessel Traffic Services) während auf der Brücke der Autopilot das Steuerrad ersetzt. Im Februar 2017 konnte ein Containerschiff nach einem IT-Problem zehn Stunden nicht auf die eigene Navigation zugreifen.

Hacker-Attacken auf Schiffe: Risiko für Häfen und auf hoher See

Die schwimmenden Computernetzwerke sind angreifbar, denn elektronische Kommunikation kann stets in zwei Richtungen erfolgen: Über Funk und Satellit sind Schiffe mit Seefunkstationen verbunden, aber vor allem mit dem Internet, das über Router direkt mit dem Bordnetzwerk verbunden ist. Ruderanlage und Maschine sind genauso Teil des Netzwerks wie Echolot, Radar und natürlich das GPS. Dessen Signale sind wegen ihrer fragilen Struktur besonders leicht angreifbar. Ein kräftiger Störsender kann sie überdecken. Die Signale können aber auch gefälscht werden, auch wenn dies einen gewissen Aufwand und eine räumliche Nähe zum Schiff bedeutet. Ganz anders sieht es aus, wenn es der Hacker schafft, sich über das Internet Zugriff auf den Bus des Schiffes zu verschaffen. Werden Schiffe Opfer eines erfolgreichen Hacker-Angriffs, könnte es zu unkontrollierbaren Schiffen auf hoher See oder in Hafengebieten bis hin zu provozierten Zusammenstößen kommen, warnt NTT Ltd. Solche Schreckensszenarien werden insbesondere beim Betrieb unbemannter Schiffe befürchtet, mit denen mittelfristig zu rechnen sei. Cyber-Angriffe auf große Häfen könnten die Terminals außer Betrieb setzen oder Containerladungen und vertrauliche Daten manipulieren – und damit zu erheblichen Schäden führen. „Cyber-Risiken sind für die Schifffahrtindustrie, die stark vernetzt ist und in ihrem Betrieb zunehmend auf Automatisierung setzt, eine neue Gefahr. Ein Hacker-Angriff auf die Technik an Bord, insbesondere auf die elektronischen Navigationssysteme, könnte zu einem Totalverlust führen und sogar mehrere Schiffe einer Reederei betreffen. Die Unternehmen sollten deshalb mögliche Szenarien simulieren und geeignete Maßnahmen zur Risikominderung identifizieren“, erklärt Christian Kochaus der Sicherheitsabteilung von NTT Ltd.