Handykosten: auf Kreuzfahrtschiffen kann es teuer werden

Handykosten können auf einer Kreuzfahrt regelrecht explodieren, wer nicht aufpasst bekommt hinterher eine gewaltige Rechnung (s. Tipps zur Vermeidung von Kosten am Ende des Beitrags). Egal, ob auf dem Kreuzfahrtschiff oder der Hochseefähre: Wer an Bord das Mobiltelefon nutzt, sollte aufpassen, sonst drohen hohe Handykosten. Was im eigenen Mobilfunkvertrag steht, gilt dank der neuen Roaming-Regelung zwar nun in allen 28 Staaten der Europäischen Union sowie in Island, Liechtenstein und Norwegen. (Ausdrücklich ausgenommen sind Andorra, San Marino, Monaco und die Schweiz, weil sie keine EU-Mitglieder sind, hier fallen höhere Handykosten an.)

Neue EU-Regelung gilt nicht auf Schiffen!

ABER: das Entfallen der Roaminggebühren in der EU gilt nicht auf Kreuzfahrtschiffen und auf hoher See gelten auch nicht die gewohnten Tarife für die Handy-Nutzung im Ausland. Dafür bedarf es des Empfangs via Mobilfunkmast an Land. Das ist aber nur in einem Hafen oder höchstens noch in Küstennähe möglich. Auf hoher See stellen die Kreuzfahrtschiffe die Verbindung in die weltweiten Telefon- und Datennetze per Satellit her. Dazu haben die Reedereien Verträge mit den Betreibern dieser Satellitennetze abgeschlossen. Der Handy-Provider hat oft ebenfalls Verträge mit dem Satellitenbetreiber abgeschlossen.

Satellitennetz eigentlich erst zwei Seemeilen vom Ufer – eigentlich…

Damit sich terrestrische Netze und Satellitennetze nicht ins Gehege kommen, sollen die Bordnetze erst zwei Seemeilen vom Ufer entfernt (außerhalb der EU bei zwölf Seemeilen) eingeschaltet werden – was aber nicht immer gewissenhaft geschieht (s. Tipp Abholer und Schaulustige). Dieses Signal ist dann meist stärker als die terrestrischen Netze der Länder, die man am Horizont vorüberziehen sieht. Nur weil man beispielsweise die spanische Küste sehen kann, heißt das also noch lange nicht, dass das Handy auch dort eingewählt ist und keine höheren Handykosten anfallen. Da, wo sich Schiffe nah am Ufer befinden, erlebt der Reisende mitunter einen munteren Wechsel an Netzen, die sich jeweils mit einer Tarif-SMS ankündigen.

Bis zu 5 Euro / Minute: Welche Minuten-, SMS- und Megabytepreise nun für jeden Gast an Bord gelten, hängt davon ab, welcher Satellitenbetreiber das Kreuzfahrtschiff versorgt, und mit welchem Provider der jeweilige Nutzer einen Handy-Vertrag abgeschlossen hat. So zahlen die Passagiere bis zu fünf Euro pro Gesprächsminute und noch wesentlich mehr für ein Megabyte heruntergeladene Daten aus dem mobilen Internet. Auch ankommende Gespräche kosten oft mehr als einen Euro pro Minute. Nur selten wird der Gast ausführlich über die Konditionen aufgeklärt. Auf Kreuzfahrtschiffen mit internationalen Routen ist die Chance auf Preistransparenz noch am größten, da man dort die eigenen WLAN-Pakete an den Mann bringen möchte.

1 Minute WhatsApp-Film = bis zu 60 Euro

Die Preise für Datenverbindungen  variieren nach Angaben verschiedener Reedereien von 3 Euro die Stunde bis zu drei Stunden für 49,90 Euro. Hier und da werden auch Gesamtpakete angeboten – für Vielsurfer und Vieltelefonierer lohnt sich der Preisvergleich allemal. Sehr oft haben die Reedereien Verträge mit Telenor Maritime, Ocean Cell oder OnMarine – spätestens dann sollte man aufpassen, denn diese Schiffsnetze zählen zu den wahrscheinlich teuersten Telefonverbindungen rund um den Globus: Rund 2,50 Euro fallen pro 100 Kilobyte Datenverkehr an. Was das bedeutet: Ein WhatsApp-Filmchen von knapp einer Minute hat ein Volumen von rund ein bis drei Megabyte. Das zu verschicken, würde also bis zu 60 Euro kosten. Anrufe schlagen mit Preisen von drei bis sieben Euro pro Minute zu Buche.

Ganz ohne Vorwarnung arbeiten die Schiffsnetze aber nicht: Beim ersten Wechsel in diese Netze erhält der Reisende eine einmalige SMS, etwa „Willkommen an Bord“, mit dem nachfolgenden Hinweis, dass „höhere Kosten auf See entstehen“ könnten und dem Zusatz, dass die Abrechnung „keiner automatischen Kostenbegrenzungsfunktion“ unterliege. Problematisch dabei: Diese Warnung wird nur einmal verschickt. Danach muss der Reisende selbst darauf achten, dass sich das Handy beispielsweise an Orten ohne WLAN-Empfang nicht einfach selbstständig ins Satellitennetz einwählt.

Nur wer das Handy ausgeschaltet lässt zahlt nichts
Nur wer das Handy ausgeschaltet lässt, zahlt nichts

So können Sie Gebühren sparen:

Wer telefonisch erreichbar bleiben muss oder unbedingt möchte, sollte die Option „Datenroaming“ beziehungsweise „Mobile Daten“ im Handy deaktivieren. Da Smartphones unter Umständen auch ohne Zutun des Besitzers online gehen, um etwa Daten im Hintergrund zu synchronisieren, sollte man die Datenverbindung unbedingt unterbrechen. So bleibt immerhin teurer Datenverkehr aus. Wenn WLAN verfügbar ist, kann es günstiger sein, über WhatsApp, Skype oder ähnliche Apps zu telefonieren.

Am besten stellt man das Handy auf manuelle Netzwahl um, damit es sich erst gar nicht automatisch in irgendein Netz einbucht. So hat man wenigstens die Kontrolle, in welches Netz man geht.

Was kaum jemand beachtet: Auch Abholer und Schaulustige AM Hafen müssen aufpassen und gegebenenfalls das Handy deaktivieren: sonst loggt sich das Handy automatisch ins Bordnetz ein, wenn dieses Signal stärker ist als alle anderen, und die unliebsame Überraschung kommt mit der Rechnung vier Wochen später.

Fragen Sie vor der Reise bei der Reederei nach, welcher Satellitenprovider das Schiff bedient, und erkundigen Sie sich beim heimischen Provider nach den Roamingpreisen. So wissen Sie, worauf Sie sich preislich einlassen.

Die sicherste Variante hohe Handykosten zu vermeiden ist, das Mobiltelefon einfach  auszuschalten. Denn viele Funktionen laufen automatisch ab, sobald es an ist. Kalender und E-Mails synchronisieren sich, teils spielen sich System-Updates auf, wenn man dies nicht ausgeschlossen hat.

Auf vielen Fähren ist WLAN gratis, vorher auf die Website schauen oder Fährreederei anrufen

In Übersee:

Fast alle Mobilfunkprovider bieten mittlerweile Datenpakete für das Ausland an, die Telekom z.B. Travel & Surf: www.telekom.de/hilfe/mobilfunk-mobiles-internet/ausland-roaming/travel-surf/travel-surf-erklaerung?samChecked=true

In vielen Häfen gibt es mittlerweile kostenloses W-Lan in den Empfangsgebäuden der Terminals. WLAN-Suche aktivieren und genau hinschauen, wo man sich einloggt!

In vielen Hafenstädten haben Bars und Cafés rund um den Hafen kostenloses WLAN – da schmeckt das Bier für 2 Euro gleich doppelt so gut!

In den USA, der Karibik, Asien und Nordafrika ist ansonsten für Datenpakete die günstigste Variante, vor Ort in einem Mobilfunkshop eine Prepaid-Karte zu erstehen. Ein Gigabyte kostet so zwischen 2 (Asien) und 10 Euro (Nordafrika).