Rezension Buch How to Kill Yourself Abroad von Markus Lesweng, Atlas für Waghalsige, Leichtsinnige und Lebensmüde aus dem Verlag ConBook.

How to kill yourself abroad ist die perfekte Sammlung interessanter Orte für alle, die auf der Suche nach mehr Nervenkitzel auf ihren Reisen sind. Für die, die ihre Bucket List bereits erledigt haben und auf der Suche nach neuen Herausforderungen sind: Der Atlas für Waghalsige, Leichtsinnige und Lebensmüde. Hier ist der ultimative Reiseführer für einige der gefährlichsten Orte auf dieser Welt, den Natur, aber auch der Mensch geschaffen haben. Destinationen, in denen man volles Risiko gehen kann und die ebenso faszinierend wie gefährlich sind. Mehr als 60 Reiseziele sind in diesem Band aufgeführt, die alle eines gemeinsam haben: sie vergrößern die Lebenserfahrung und verringern die voraussichtliche Lebenserwartung. Je mehr dieser Reiseziele aus diesem bislang einmaligen Führer man besucht, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, die Heimat nicht wieder zu sehen – zumindest nicht lebendig.

Wer einen dieser Wahnsinnsorte einmal besuchen möchte und vor der Qual der Wahl steht, für den gibt es zu jedem Ziel es eine Legende mit den Faktoren Kosten, Gefahr und Spektakel im Sternesystem. Neben ausführlichen Beschreibungen der Gefahren und praktischen Informationen wie Anreisemöglichkeiten wartet der Autor mit den schönsten und weniger schönen Anekdoten zu der jeweiligen Destination auf. Darunter sind garantiert tödliche Ziele wie das passenderweise Insel der Wiedergeburt genannte Eiland. Einst im jetzt ausgetrockneten Baikalsee gelegen war in der Stadt Kantubek die größte Produktionsstätte der Sowjetunion für Biowaffen. Nach der Auflösung der UdSSR wurden Fässer mit den gefährlichsten Viren und Bakterien, die die Erde und Labore zu bieten haben, einfach stehen und liegen gelassen. Kantubek ist heute eine Geisterstadt und niemand kann einschätzen, welche Killersporen bereits entwichen sind und nur auf einen geeigneten Wirt lauern. Sicher ist nur, dass in Bodenproben, die Spezialisten in Schutzanzügen genommen haben, aktive Milzbranderreger gefunden wurden. Nahezu garantiert tödlich ist auch das Betreten der brasilianischen Insel Queimada Grande, nur drei Stunden Autofahrt von Sao Paulo entfernt. Die nur einen halben Quadratkilometer große Insel hält einen Weltrekord: pro Quadratmeter leben hier bis zu fünf Giftschlangen, darunter die Lanzenotter, die als giftigste Viper der Welt gilt.

Daneben gibt es eher konventionelle Möglichkeiten sein irdisches Dasein zu verkürzen: Tornados, Flugzeugabstürze, Autounfälle oder Vulkanausbrüche. Aber dafür an Orten, wo die Wahrscheinlichkeit und die Lebensgefahr immens hoch sind, wie die Tornado Alley in den USA, dem gefährlichsten Flugplatz der Erde in Lukla, Nepal, der bolivianischen Straße des Todes oder dem kongolesischen Vulkan Nyiragongo mit bis zu 100 km/h schneller Lava. Auch nicht ganz ernst gemeinte Ziele wie der Mars, der Mariannengraben in der Tiefsee oder die Area 51, in der Verschwörungstheoretiker gefangene Aliens vermuten, werden aufgeführt. Neben Informationen zu all den tollen Zielen erfährt der Leser auch sehr Wissenswertes, zum Beispiel, dass die Deutsche Bahn trotz Ausfällen, Verspätungen oder „Saunazügen“ noch absolut human mit ihrer Kundschaft umgeht. Die Bahn in Indien trägt hingegen in großem Maß aktiv zur Verringerung ihres Kundenstamms bei: im bisherigen Rekordjahr 2014 verloren rund 30.000 Reisende ihr Leben bei Unfällen.

Illustriert ist das Buch mit großartigen Bildern von den entlegensten Winkeln der Erde. Vermeintliche Nahaufnahmen sind allerdings mit Tele-Objektiven aus sicherer Entfernung aufgenommen und dem Bildnachweis ist zu entnehmen, dass der Autor das herrliche Bildmaterial nicht persönlich aufgenommen hat. Und es darf auch bezweifelt werden, dass Markus Lesweng die aufgeführten Orte alle persönlich besucht hat – er wäre immerhin der Erste, der diese ultimative Bucket List, die aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, überlebt hätte. Aber das Buch ist eine coole Idee für den kleinen Nervenkitzel zwischendurch, mit diesem Reiseführer kann man sich wunderbar – zuhause auf der Couch liegend – gemütlich gruseln. Geschrieben ist das Ganze mit einer gehörigen Portion Sarkasmus und Zynismus. Nicht immer angebracht bei Zielen, deren Existenz man sich in schlimmsten Albträumen nicht ausmalen könnte. Oder bei der Auswahl von Themen wie Ebola oder islamistischen Attentätern. Davon mal abgesehen ist dieser Atlas aber ein Lesevergnügen und kompetentes Nachschlagewerk für Leute, die Gründe brauchen, um die heimische Couch nicht verlassen zu müssen oder zum xten Mal zum Ballermann oder nach Bad Tölz zu fahren. Dieser etwas andere Reiseführer ist aber auch das perfekte Geschenk für Globetrotter, die bereits alles gesehen und erfahren haben – sollen sie doch jetzt erstmal wirklich einzigartige Gegenden bereisen, in denen bislang kaum ein Reisender war – und die Hölle(n) auf Erden kennenlernen.

How to Kill Yourself Abroad
Der Atlas für Waghalsige, Leichtsinnige und Lebensmüde
Markus Lesweng

Verlag CONBOOK
192 Seiten, Softcover, 19,95 Euro
ISBN: 978-3-95889-201-9