Rezension Buch "How to kill yourself daheim" von Markus lensweg aus dem Conbook Verlag. Kurzweilig, salopp und tiefschwarzem Humor.

„How to kill yourself daheim“ ist der Nachfolgeband des internationalen Ratgebers, der bereits einige sehr effektive und skurrile Möglichkeiten aufführte, wie man auf Reisen um den Globus ums Leben kommen kann. Die gute Nachricht von „How to kill yourself daheim“: Man muss nicht in die Ferne schweifen, um sich in (Lebens-)Gefahr zu begeben. Auch in Deutschland, Österreich oder der Schweiz gibt es viele Gelegenheiten seinen CO²-Fußbdruck ein für allemal zu reduzieren. In der DACH-Region lauern jede Menge Gefahren quasi vor der Haustür und man muss nicht unbedingt viel Geld ausgeben für Nervenkitzel und Lebensgefahr. Manchmal, so erinnert Markus Lesweng, reicht schon der Weg in den heimischen Biomarkt, um an verseuchten Sprossen zu Grunde zu gehen. Und glaubt man den Wissenschaftlern hat man in jeder Großstadt recht veritable Chancen durch Feinstaub und Stickoxide früh das Zeitliche zu segnen.

Der „Atlas für wahnsinnig Heimatverbundene und heimatverbundene Wahnsinnige“ zeigt aber auch ebenso spektakuläre wie brandgefährliche Orte und Sehenswürdigkeiten. Da die Wege diesmal kürzer sind, ist dieser Reiseführer auch besonders auf Familienurlaub zugeschnitten. Da finden sich dann auch einige (Wander) Wege, um Oma oder Schwiegermutter loszuwerden. Die Reiseziele und die mit ihnen verbundenen Risiken sind nach Gefahr, Spannung und Familienfreundlichkeit bewertet und im Überblick für jeden DACH-Staat auf Landkarten verortet. In diesem Reiseführer ist für jeden etwas dabei: Auf Einiges wäre man bei intensivem Nachdenken selbst gekommen wie Tod durch Geschwindigkeitsrausch auf dem Nürburgring, Absturz bei der Besteigung des Matterhorns oder Ertrinken bei einer Wattwanderung ohne einheimischen Führer vor Cuxhaven. Drogen wie Crystal Meth oder Heroin gehen auch immer. Etwas weiterhergeholte Gefahrensituationen sind die Clan-Kriminalität in Duisburg-Marxlohe, Alkohol auf dem Münchner Oktoberfest und Haue von rechts im thüringischen Themar oder links im Hamburger Schanzenviertel.

Anderes ist nicht so offensichtlich wie beim Wandern in den Alpen von einer Flutwelle überrascht oder beim Durchfahren des Gotthardtunnels durch ein brennendes E-Auto in Lebensgefahr gebracht zu werden. Auch eine Kuhattacke hat der gefahrensuchende Leser nicht unbedingt im Sinn, dabei werden jedes Jahr mehr Menschen von Kühen getötet als von Weißen Haien. Ein Vergleich, der etwas hinkt, wie Leswang sofort einordnet, denn nur sehr selten hüpfen Menschen in das Revier der Raubfische, um mit ihnen zu kuscheln. Sportliche mit einer gehörigen Portion Selbstüberschätzung finden in der DACH-Region zahlreiche Möglichkeiten, ihre Dummheit unter Beweis zu stellen: Leswengs Vorschläge reichen vom Tauchunfall im Blautopf über einen Motorradcrash im steirischen Eisenerz und Surfmissgeschicke in der Eisbachwelle in München bis hin zur missglückten Skiabfahrt auf der Streif in Kitzbühel. Wahre Perlen für den gefahrensuchenden Reisenden sind dagegen das mit allerhand Viren experimentierende Friedrich-Löffler-Institut auf der Ostseeinsel Riems (leicht über einen Damm zu erreichen), der  Teilchenbeschleuniger am Europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf, wo man sich dem Protonenbeschuss aussetzen kann oder der (Queck)Silbersee in Bitterfeld-Wolfen. Zu jedem der vorgestellten Orte packt Lesweng jeweils etwas Wissenswertes oder eine Anekdote aus. Sein Schreibstil ist kurzweilig, salopp und tiefschwarzem Humor. Wer das mag, liegt mit diesem ungewöhnlichen Reiseführer genau richtig.

How to kill yourself daheim – Der Atlas für wahnsinnig Heimatverbundene und heimatverbundene Wahnsinnige

Markus Lesweng

Conbook Verlag

Broschiert, 192 Seiten, ISBN: 978-3958893030   19,95 Euro

Weitere Informationen unter https://www.conbook-verlag.de/autoren/markus-lesweng/