Ein Isländer hat eine App gegen neugierige Touristen herausgebracht, denn Ísafjörður ist zu einem beliebten Anlaufziel für Kreuzfahrtschiffe geworden.

Ein Isländer hat eine App gegen neugierige Touristen herausgebracht. Der Fotograf, Filmemacher und studierte Anthropologe Haukur Sigurðsson war es leid, dass neugierige Touristen den Bewohnern seiner Heimatstadt Ísafjörður in den Westfjorden Islands durch die Fenster ins Haus spähten. Ísafjörður ist zu einem beliebten Anlaufziel auch für größere Kreuzfahrtschiffe geworden. Mehr als 100 Kreuzfahrtschiffe legen jeden Sommer in dem kleinen Städtchen an. Manchmal, wenn mehrere Kreuzfahrtriesen gleichzeitig anlegen, kommen an einem Tag bis zu 7.500 Leute in die Stadt, in der nur 2.500 Menschen leben. Das wäre an sich kein Problem, da die Gemeinde und auch  Laden- oder Restaurantbesitzer davon auch in hohem Maße profitieren und die Kreuzfahrer nach ein paar Stunden wieder weg sind. Tourismus ist der am stärksten wachsende Wirtschaftszweig in Island, mehr als 2,5 Millionen Touristen kommen pro Jahr – bei nur 330.000 Einwohnern. Gerade in den wirtschaftlich schwachen Westfjorden trägt Tourismus viel zum Einkommen bei.

Aber viele Einheimische waren zunehmend über Touristen verärgert, die sich vollkommen respektlos benahmen und zum Teil durch private Gärten spazierten, um durchs Fenster ins Innere der Häuser zu gucken oder einfach die unverschlossene Haustür öffneten und hereintraten. Mit der neuen App soll das anders werden, mit Hilfe des digitalen Guides sollen Besucher Ísafjörður besser kennenlernen können ohne Einheimische zu belästigen. Die Idee zu der App war Haukur gekommen, nachdem er und seine Familie immer wieder von Touristen über ihr Haus befragt worden waren. Er beschloss, eine App zu schaffen, welche den Besuchern erlaubt, durch das Fenster der Einheimischen zu gucken, aber nicht im wörtlichen Sinne, sondern durch die App. Haukur nahm mit einem kleinen Team und Freiwilligen, die sich und ihre Häuser zum Dreh zur Verfügung stellten, kleine Filme auf. Darin sprechen die ausgewählten Einwohner über ihre Jobs, Hobbys, Familien, Kultur, die Geschichte des Städtchens und darüber, was man in und um Ísafjörður erleben kann. Die Touristen können die Stadt so erkunden und etwas über die Leute erfahren. Haukur hofft, dass die App Touristen mehr Einblick geben kann und die Einheimischen so zukünftig keine Fremden mehr plötzlich im Wohnzimmer stehen haben.

Bilder und Informationen zu Haukur Sigurdsson unter http://www.haukursig.com/