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Um es vorweg zu nehmen: Der Strand von Negril ist der längste und beste in Jamaika. Knapp elf Kilometer lang, mit Palmen und tropischen Pflanzen  gesäumt, wird der goldene Sandstreifen von West nach Ost immer breiter.  Allerdings gehören die schönsten Abschnitte zu Luxushotels und sind für alle, die nicht dort wohnen, nur mit 5 bis 10 US-Dollar Eintritt zu benutzen, wenn man dort baden und faulenzen möchte. 

Strand in Negril
Strand in Negril

Dafür ist man dort allein unter Touristen, denn diese Strandabschnitte sind gut bewacht und Händlern oder vermeintlichen Künstlern wird der Zutritt verwehrt. An den frei zugänglichen Stellen des Strandes gibt es dafür umso mehr Sänger und Gitarristen, deren meist sehr dürftige Darbietung eines der größten Hits von Bob Marley nicht den geringsten Zweifel daran lässt, dass es weitaus besser gewesen wäre, wenn der Sheriff sie erschossen hätte und nicht umgekehrt.

Leuchtturm in Negril
Leuchtturm in Negril

Wer nach Negril gekommen ist, nur um in der Sonne zu liegen,  in der seichten Bucht zu plantschen und meint er kenne nach 14 Tagen All Inclusive-Urlaub Land und Leute, weil ständig einheimische Händler am Strand versuchen ihm T-Shirts, Früchte, Ganja, Muscheln, Schnitzereien, Ausflüge oder Konzerttickets anzudrehen, ist hier sehr gut aufgehoben. Und wer genau das möchte, braucht ab hier nicht mehr lange weiterzulesen.

Denn große Sehenswürdigkeiten gibt es in Negril nur wenige: Die bekannteste dürfte Rick´s Bar sein, wo bereits vor 25 Jahren Mutige von den 12 bis 15 Meter hohen Klippen ins Meer sprangen. Heute ist daraus ein für jamaikanische Verhältnisse sehr durchorganisierter Massenbetrieb geworden, zu dem jeder Reiseveranstalter Bustouren veranstaltet. Eindrucksvoll sind aber immer noch die einheimischen Springer mit Salti, Schrauben oder Kopfsprüngen sowie der Blick auf den Leuchtturm und der tolle Sonnenuntergang. Man sollte sich aber darauf einstellen, dass auch einige Touristen als Mutprobe springen und das Bier drei Mal so teuer ist wie am Strand.

Touristen eifern den einheimischen Könnrn nach und springen von den Klippen in Rick´s Café
Touristen eifern den einheimischen Könnern nach und springen von den Klippen in Rick´s Café

Wer nicht nur an Strand oder Pool liegen, sondern etwas von Land und Leuten sehen möchte, sollte nicht auf organisierte Bustouren gehen, aber ein Auto mieten.  Auch wenn in vielen Reiseführern davon abgeraten wird  – wer sich Linksverkehr zutraut und angesichts offensiv fahrender Einheimischer nicht nervös wird, kommt gut klar. Allerdings sollte man bei der Wahl der Autovermietung aufpassen: Einige lokale, kleinere Anbieter bieten keine, dringend notwendige, Vollkaskoversicherung an.  Die großen internationalen Ketten findet man nur in Kingston oder Montego Bay, ein sehr guter einheimischer Anbieter ist Island Cars Rentals, der gegen Gebühr den Mietwagen auch nach Negril bringt (http://www.islandcarrentals.com/).    

Auf dem Weg zu den YS Falls durchquert man die Plantage
Auf dem Weg zu den YS Falls durchquert man die Plantage

                 

Die Negril am nächsten gelegene Sehenswürdigkeit in Richtung Südküste sind die YS-Wasserfälle. Auf dem Weg dorthin kommt man durch die mehr als vier Kilometer lange Bambus Avenue, eine einmalige Allee, die zum Teil hoch über der Straße zusammenwächst. Die Wasserfälle liegen auf dem Gelände einer ehemaligen Plantage, wo heute Rinder und Pferde gezüchtet werden.  Der Nachteil: man darf nicht zu Fuß zu den anderthalb Kilometer vom Eingang entfernten Wasserfällen gehen, sondern muss die von einem Traktor gezogenen Waggons nehmen – das ist in den 18 US-Dollar Eintritt enthalten. Die Wasserfälle entschädigen dafür: Der YS-Fluss fällt in breiten Kaskaden über eine Treppenfolge von sieben großen und mehreren kleineren Klippen und Bänken über insgesamt 36 Meter hinab. Dabei werden Pools und Badewannen geschaffen, in denen man schwimmen und sich erfrischen kann.

Die Wasserfälle bilden Schwimmbecken, in denen man sich erfrischen kann
Die Wasserfälle bilden Schwimmbecken, in denen man sich erfrischen kann

Über Black River geht es auf einer Nebenstrecke in Richtung Treasure Beach.  Je näher man dem vom Massentourismus  noch unberührten Flecken kommt, umso schlechter werden die Straßenverhältnisse:  Aus Schlaglöchern werden riesige Krater, in die man langsam und vorsichtig hineinrollen muss, wenn es keine Ausweichmöglichkeit gibt.  Die Buchten und Strände der Calabash Bay, der Frenchman´s Bay, der Long Bay und der Mahoe Bay, die alle zu Treasure Beach gehören, sind menschenleer und idyllisch.

Die Dünenlandschaft von Long Bay
Die Dünenlandschaft von Long Bay

Community Tourism mit vielen kleineren Guesthouses und Appartments ist die Devise, es gibt nur zwei  Hotels. Hier sind die Einheimischen äußerst zuvorkommend, unaufdringlich und freundlich, das Leben und auch die Unterhaltungsmöglichkeiten in Treasure Beach sind überschaulich.  Es  gibt einige Bars und kleine Restaurants mit authentischer, lokaler Küche – Treasure Beach ist ideal für einen ruhigen Urlaub mit viel Kontakt  zu Einheimischen.