Buchbesprechung / Rezension von Miska Rantanen,                                                                          Kalsarikänni: Vom großen Spaß sich allein zu Hause in Unterwäsche zu betrinken                        aus dem Goldmann Verlag

Kalsarikänni lässt sich individuell auf jeden Ort weltweit, jede Situation, jede Stimmung und jede Person zuschneiden – von rustikal bis distinguiert. Es ist zutiefst demokratisch, relativ preisgünstig, wirkt schnell und für alle über 18 Jahren hervorragend geeignet. Und das Wichtigste: Kalsarikänni ist eine schnelle und äußerst effiziente Methode den stressigen (Arbeits-)Alltag hinter sich zu lassen und total zu entspannen. Das Wort setzt sich aus zwei finnischen Wörtern zusammen: kalsari, auf Deutsch Unterhose, und känni, was so viel wie Schwips bedeutet. Diese Wortkombination bedeutet in ihrer ganzen Einfachheit: zu Hause in Unterwäsche Alkohol zu konsumieren. Und zwar möglichst allein, vor dem Fernseher oder beim Streaming auf Tablet oder Laptop. Der geniale Grundgedanke dieser Art die Freizeit zu verbringen ist die beabsichtigte Absichtslosigkeit. Finnische Hochkultur par excellence: alles kann, nichts muss und alles kann nur noch besser werden.

Miska Rantanen, Direktor des Norra Haga Party Central-Instituts, erklärt in diesem unterhaltsamen und gleichzeitig sehr lehrreichen Buch, wie man Kalsarikänni richtig durchführt und genießt. Dazu gehören sämtliche Aktivitäten, die sich gut anfühlen und Freude machen: sich räkeln, ausgiebig gähnen, ein Bad nehmen oder Luftgitarre spielen. Richtig angewendet trägt gemeinsames Kalsarikänni mit dem Lebenspartner sogar zu einer Erweiterung und Vertiefung der Paarbeziehung bei. Die wesentlichen Eckpunkte des Prozesses werden ergänzt durch praktische Tipps des Autors, die das Ausprobieren dieser in Finnland vielfach erprobten und äußerst bewährten Methode sehr erleichtern. Gerade Anfänger werden die Hinweise zur richtigen Wahl und Menge des Alkohols, zur angemessenen Kleidung , süßer oder salziger Energieversorgung sowie den geeigneten Unterhaltungsgeräten oder Kochen um Mitternacht sehr zu schätzen wissen. Bis sie ihre individuelle, perfekte Kombination herausgefunden haben, gilt es eifrig auszuprobieren und zu trainieren.

Ein Rückblick auf die Wurzeln und die Geschichte dieser finnischen Lebensart, die schon längst in ganz Skandinavien absolut in geworden ist und sich anschickt auch das restliche Europa zu erobern (vor allem in Osteuropa gibt es zahlreiche Anhänger), wird ergänzt durch Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen und das Konzept des Tütenbiers. Aber auch kritische Themen wie der Einfluss der Methode auf Selbstmitleid, Trennungs- und andere schwierige Situationen werden beleuchtet und hinterfragt.

Kurze Erfahrungsberichte erfolgreicher Anwender („Ich bin unter Kalsarikänni den Sozialdemokraten beigetreten. Zuerst habe ich das Parteiprogramm von 1903 gelesen, ein bisschen geweint, und dann bin ich eingetreten. Ich bin immer noch Mitglied.“) werden ergänzt durch praktische Übungen in drei Stufen: Voller Elan, mit halber Kraft und Zombie – da sollte für jeden Leser etwas dabei sein. Dieses Buch und vor allem die darin beschriebene Methode, die für Fortgeschrittene sehr schnell zu einer (Lebens-)Philosophie werden kann, sollte man in Ruhe und sehr sorgfältig studieren. Am besten alleine. Zuhause. Mit etwas Alkohol dazu. Und meinetwegen auch in Unterwäsche, wobei bequeme Kleidung für Anfänger und etwas schüchterner veranlagte Personen auch ausreichen sollte.

Miska Rantanen                                                                                                                                              Kalsarikänni: Vom großen Spaß sich allein zu Hause in Unterwäsche zu betrinken                        Goldmann Verlag, Taschenbuch, 184 Seiten, 10,- Euro                                                                                          ISBN 978-3442159659