NCL hat mit „Free at Sea“ ein neues Upgrade-Modell eingeführt, welches das bisherige „PremiumAllInclusive“-Angebot ersetzt. GF Kevin Bubolz erklärt warum.

Norwegian Cruise Line (NCL) hat mit „Free at Sea“ ein neues Upgrade-Modell eingeführt, welches das bisherige „PremiumAllInclusive“-Angebot ersetzt. Das neue Modell fand im Vertrieb, bei Partnern und Mitbewerbern deswegen so viel Beachtung, weil immer mehr Reedereien gerade explizit den umgekehrten Weg gegangen waren und auf immer mehr Kreuzfahrtschiffen „Alles drin“-Pakete anboten. Genau dies aber war der Grund warum Kevin Bubolz, Managing Director Europa von Norwegian Cruise Line, und sein Team „Free at Sea“ neu einführten: „Die Vereinfachung, die wir bei NCL mit PremiumAllInclusive vor drei Jahren erreichen wollten, ist nicht mehr gegeben. Im Gegenteil, es wird für Reisebüros und Gäste immer unübersichtlicher. Kaum jemand steigt noch durch, welche Reederei eigentlich was in ihren Paketen hat und welche Vorteile sich wo im Vergleich ergeben.“

Das neue Konzept „Free at Sea“ ist seit 2015 in den USA erprobt und wurde auf den europäischen Geschmack angepasst. Ziel ist, dem Gast wieder die Wahl zu lassen, getreu dem NCL-Motto „Feel Free“. Künftig können NCL-Gäste zwei aus fünf Inklusiv-Paketen zu einem Pauschalpreis, der sich nach der Reisedauer richtet, hinzu buchen: ein Getränkepaket, ein Package für die Spezialitäten-Restaurants, ein Internet-Paket, ein Landausflugspaket mit einem Guthaben von 50 US-Dollar pro Kabine und Hafen oder die Option, dass Freunde und Familie von zwei Vollzahlern in derselben Kabine auf ausgewählten Reisen nur die anfallenden Steuern zahlen. „Free at Sea“ kostet bei einer sieben- bis neuntägigen Kreuzfahrt 99 Euro. In Suiten, Kabinen im Bereich The Haven by Norwegian sowie in den Concierge-Kategorien an Bord der Norwegian Joy sind alle Komponenten bereits inkludiert. Auf das Upgrade erhalten Reisebüros volle Provision.  Vor allem das Getränkepaket, das Getränke bis 15 US-Dollar pro Glas unbegrenzt einschließt, bezeichnet Bubolz als hervorragendes Angebot. Denn das vergleichbare Getränkepaket, das man an Bord zubuchen kann, kostet zwar ebenfalls 99 US-Dollar – allerdings pro Tag. Seit Anfang April ist „Free at Sea“ buchbar und die Reaktionen aus dem Vertrieb und von den Gästen sind laut Kevin Bubolz sehr positiv.

Die Preise werden durch den Wegfall des PremiumAllInclusive im Schnitt 15 Prozent runtergehen, was bei einer siebentägigen Kreuzfahrt je nach Route rund 300 Euro bedeutet (cruise only). NCL liegt bei der Preisgestaltung im oberen Bereich des Mainstream-Segments, denn Kevin Bubolz ordnet die Schiffe von NCL nach umfassenden Aufwertungen im 4+-Segment ein, den Suitenbereich „The Haven by Norwegian“ mit fünf Sternen: „Wir haben in die gesamte Flotte investiert und dabei nicht nur die Schiffe modernisiert und besser ausgestattet, sondern auch die Gastronomie aufgewertet, die Einkaufskosten beim Essen erhöht und so die Qualität immer weiter gesteigert.“ Durch die Aufwertung und die globale Nachfrage waren die Preise, je nach Destination, um 50 – 70 Prozent gestiegen. Laut Bubolz wurde durch die Preiserhöhung ein Passagierrückgang bewusst in Kauf genommen, aber letztendlich ein Umsatzwachstum erzielt: „Wir sind in Europa wegen unseres relativ geringen Bekanntheitsgrades zunächst deutlich preisaggressiver aufgetreten. Aber jetzt sprechen wir ein anderes Preissegment an. Das ist jetzt ein anderer Markt und die Reisebüros müssen sich anders darauf einstellen.“ Laut Bubolz macht die steigende weltweite Nachfrage – je nach Route sind 50  bis 60 verschiedene Nationalitäten an Bord – den Löwenanteil der Preissteigerung aus. Daher sei auch die Preisminderung durch den Wegfall der zuvor inkludierten AllInclusive- Leistungen verhältnismäßig moderat.

Zudem geht die Produktverbesserung kontinuierlich weiter: Zukünftig soll die Passagier-Raum-Ratio weiter verbessert und dem Gast mehr Platz an Bord geboten werden. Die neuen Norwegian-Schiffe Bliss, Joy und Encore haben beispielsweise eine Observation-Lounge statt zusätzlicher Kabinen. Und die neue Leonardo-Klasse für bis zu 3.300 Passagiere, die ab 2022 in Dienst gestellt wird,  hat nur 15 Prozent weniger Bruttoraumzahl als die 4.000-er-Schiffe von NCL – aber 25 Prozent mehr Platz für Gäste. In dieser Saison wird mit sechs Schiffen das größte Programm gefahren, das NCL jemals in Europa angeboten hat. Teil der NCL-Strategie ist dabei ein alternatives Routing: Nicht die üblichen „Rennstrecken“,  andere Häfen als andere Reedereien, längere Reisen und neue Abfahrtshäfen.

So fährt die Norwegian Pearl ab Amsterdam eine Ostseeroute mit wenig angelaufenen Häfen wie Riga, Klaipeda oder Gdingen. Amsterdam kam aber auch deswegen dazu, weil es ab Hamburg keine direkte Flugverbindung mehr in die USA gibt. Da Amerikaner einen großen Anteil der internationalen Gäste bei NCL ausmachen, sind nun statt Hamburg eben Amsterdam und Kopenhagen turn-around-Häfen und die Norwegian Jade wurde aus der Hansestadt abgezogen. So bleibt Rostock-Warnemünde als einziger deutscher Hafen im Routing. Trotzdem verzeichnet NCL in DACH einen Passagieranstieg, denn rund 50 Prozent der Gäste aus DACH-Quellmärkten fahren nicht in Europa, sondern vor allem in Asien, Australien und um Hawaii, wo NCL mit der Norwegian Pride ein Alleinstellungsmerkmal und einzigartiges Produkt bietet. Wenn die politische Lage es zulässt, will NCL zukünftig auch das Östliche Mittelmeer wieder verstärkt anbieten. Denn Testrouten mit türkischen Häfen werden aktuell vergleichsweise besser gebucht als ähnliche Routen ohne Anläufe in der Türkei. Die Kapazitäten in Europa sollen in der Saison 2020 mit der Norwegian Escape weiter ausgebaut werden, so Bubolz: „Wir haben die Transformation hinter uns, mit entsprechenden Produktaufwertungen den Eckpreis von 599,- auf 899,- gesteigert und uns in Europa im gewünschten Segment stabilisiert. Nun müssen wir im Volumen wachsen.“

Hochflexibel auf Markt- und vor allem Passagierbedürfnisse zu reagieren sieht Kevin Bubolz als größte Stärke von NCL. So führte die Reederei das erste Spezialitätenrestaurant und den ersten Kinderclub an Bord ein und kaufte die erste Privatinsel in der Kreuzfahrt. Diese Flexibilität unter dem Konzept „Moderne Kreuzfahrt“ gefiel dem 42-jährigen so gut, dass er sich direkt nach seinem BWL-Studium gezielt bei NCL bewarb. Schon vor und während des Studiums hatte Bubolz die Kreuzfahrt aus vielen verschiedenen Arbeitsperspektiven kennengelernt: Nach einer Ausbildung im Hapag-Lloyd-Reisebüro, baute er während des Studiums dort eine Gruppenabteilung auf und fungierte selbst an Bord als Reiseleiter auf Viking- und Hapag-Flussschiffen. Durch diese Erfahrungen versteht er die Anforderungen, Wünsche und Sorgen des Vertriebs und weiß, was benötigt wird: “Wenn man selbst verkauft hat, kann man sich gut in die Situation und die Bedürfnisse des Counters reinversetzen. Es ist immer gut, wenn man das Produkt aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet – keine ist nur alleine wichtig.“

Wichtig ist bei NCL der Vertrieb, der langfristig weiter ausgebaut werden soll. Bislang sind rund 20 Prozent aller Reisebüros in DACH aktive NCL-Bucher, ein Fokus der Vertriebsstrategie liegt darauf weitere Agenturen zu überzeugen, aktiv Kreuzfahrten zu verkaufen. Im österreichischen Markt sieht Bubolz noch viel Potenzial sowohl für Kreuzfahrt als auch NCL im Speziellen: „Unsere Zielgruppe der „Safe Adventurer“ und „Comfortable Explorers“ wächst immer mehr, aber viele davon sind noch nie auf Kreuzfahrt gewesen.“

Weitere Informationen zu Kreuzfahrten und Schiffen unter www.ncl.de