Die Erderwärmung lässt den für die Ernährung vieler Meereslebewesen wichtigen Krill immer weiter Richtung Pole ziehen. Britische Forscher haben jetzt erstmals belegt, dass der Krill vom Südwestatlantik in Richtung Süden zieht, zur antarktischen Halbinsel. Die höchste Konzentration der Krebstierchen, die Nahrungsgrundlage für etliche Meerestiere sind, liege jetzt 440 Kilometer weiter südlich als noch vor 90 Jahren, schreiben die Forscher um Angus Atkinson vom britischen Plymouth Marine Laboratory.

Das ist ein Alarmzustand, da die Studie belegt, dass die Verschiebung durch den Klimawandel verursacht wurde. Der Antarktische Krill (Euphausia superba) spielt eine zentrale Rolle als Nahrung für viele Fische, Pinguine, Robben und auch Wale, die diese Krebstierchen mit ihren Barten kiloweise aus dem Wasser filtern. Auch der Mensch fängt Krill, der dann etwa als Fischfutter in Aquarien oder Aquakulturen landet oder auch in Kosmetikartikeln und Nahrungsergänzungspillen.

Seit den 1970er-Jahren habe die Krilldichte im gesamten analysierten Gebiet abgenommen, im Norden mehr als im Süden. Es gebe vor allem weniger Jungtiere, schreiben die Forscher. Beim Rückgang der Jungtiere spielt unter anderem ein stärker werdendes Windphänomen eine Rolle, das sogenannte Southern Annular Mode (SAM), welches Wärme, Wind und Wolken und damit ungünstige Bedingungen für die Eierproduktion und die Larven bringt. Aufgrund der Daten schließen die Forscher aus, dass die Krillfischerei Ursache für die veränderte Dichte der Krebstiere ist. So habe es beispielsweise im indischen Teil des Südpolarmeers, wo die Temperaturen und das Schelfeis stabiler geblieben seien, keine solche Wanderung gegeben wie im sich rasch erwärmenden Südwestatlantik. Damit sei klar, dass die zunehmende Erderwärmung den Krill aus seinen angestammten gebieten vertreibe.