Knapp zwei Millionen Tonnen Weltkriegsbomben und chemische Kampfstoffe rotten seit Ende des 2. Weltkriegs in Nord- und Ostsee vor sich hin.

Massenhaft Weltkriegsbomben rotten seit Ende des 2. Weltkriegs in Nord- und Ostsee auf dem Meeresgrund vor sich hin. Vor deutschen Küsten liegen knapp zwei Millionen Tonnen an gefährlichen Torpedos, Seeminen, Sprengstoffen und auch hochgefährlichen chemischen Kampfstoffen. Rund 1,3 Millionen Tonnen konventionelle Kampfmittel sollen laut Experten auf dem Boden der deutschen Nordsee, liegen, dazu kommen noch einmal 300.000 Tonnen Weltkriegsbomben in der Ostsee sowie in beiden Meeren rund 300.000 Tonnen chemische Kampfstoffe. Tickende Zeitbomben, manchmal nur 20 Meter von Stränden entfernt. Schon jetzt besteht immer wieder die Gefahr, dass wegen angeschwemmter Seeminen oder austretenden Phosphors ganze Strandabschnitte gesperrt werden müssen.

Nach Ansicht von Experten bleiben nur noch 20 Jahre Zeit, diese tickenden, rostenden Zeitbomben aus dem Meer zu holen und zu entschärfen. Die Bombenmäntel sind durch ihr jahrzehntelanges Lagern im Salzwasser korrodiert, viele sogar kurz vor dem Durchrosten. Was die Entsorgung kosten würde, ist genauso ungewiss, wie die Frage, wer dafür aufkommen soll. Die norddeutschen Bundesländer können die Entschärfung nicht alleine bezahlen, der Bund muss dafür zusätzliche Töpfe bilden. Allein für den Abtransport der 1,6 Millionen Tonnen konventioneller Munition aus deutschen Hoheitsgewässern würde nach Schätzung des früheren schleswig-holsteinischen Umweltministers Robert Habeck rechnerisch ein 3000 Kilometer langer Güterzug benötigt.

Die Munitionsrückstände gefährdeten ganze Wirtschaftszweige. Minen und Bomben können Leitungen auf dem Meeresgrund zerstören, Windparks beschädigen, Seeschifffahrt behindern und Tourismus mancherorts unmöglich machen. So mussten an der Ostsee in den vergangenen Jahren bereits mehrere Strandabschnitte vorübergehend gesperrt werden. Noch schlimmer ist es mit derchemischen Munition am Meeresgrund, die unter anderem Nervengifte wie Senfgas und Sarin enthält. Einiges davon befindet sich nicht einmal 20 Meter von den Stränden entfernt. Während die Mengenschätzungen für Munition in der deutschen Ostsee aufgrund einer unklaren Datenlagerecht vage sind, sind die Informationen für chemische Kampfmittel deutlich besser. Demnach liegen im Helgoländer Loch etwa 90 Tonnen mit dem Nervenkampfstoff Tabun gefüllte Artilleriegranaten, im Kleinen Belt lagern 5000 Tonnen mit Phosgen und Tabun gefüllte Bomben und Granaten.