Verzögerungen bei Neubauten der Meyer Werft in Papenburg. Die Werft hinkt nicht nur bei der „AIDAnova“, sondern bei fast allen Schiffsprojekten hinterher.

Die Neue Osnabrücker Zeitung berichtet von Verzögerungen bei Neubauten der Meyer Werft in Papenburg. In der aktuellen Ausgabe des Mitarbeitermagazins „Kiek.ut“ mache das Unternehmen deutlich, dass es derzeit nicht nur bei der „AIDAnova“, sondern bei fast allen Schiffsprojekten zeitlich deutlich hinterherhinkt. Die großen Verzögerungen ließen sich nur mit außergewöhnlichen Maßnahmen wieder aufholen, wird Werftchef Bernard Meyer in dem Mitarbeitermagazin zitiert. Das Magazin bezieht sich auf eine Information der Geschäftsführung an die Belegschaft, unter anderem ist dort ein Aufruf zu freiwilliger Mehrarbeit enthalten. Zudem ist von strategischen Veränderungen in der Organisation die Rede. Aufgabenbereiche wurden neu zugeschnitten, mit Malte Poelmann zog ein zusätzliches Mitglied in die Geschäftsleitung ein.

„Wir müssen hinterfragen, was wir bei der AIDAnova falsch gemacht haben und warum wir Warnsignale missachtet haben“, heißt es in dem Magazinbericht. Welche Signale das waren, wurde nicht erläutert. Die AIDAnova kann aufgrund des aktuellen Ausbauzustandes und der verschobenen Probefahrten in der Nordsee nicht planmäßig abgeliefert werden. Hinzu kam ein Feuer an Bord während der Innenausbauten am Ausrüstungskai im niederländischen Eemshaven, dessen Ursache noch nicht geklärt ist.  Fünf sogenannten Vorpremierenreisen mussten abgesagt werden. Die ersten testfahrten verliefen aber erfolgreich, nächste Woche soll die zweite Serie der Testfahrten absolviert werden. Die Jungfernfahrt der AIDAnova soll wie geplant pünktlich am 2. Dezember von Hamburg in Richtung Kanarische Inseln gehen. Es ist das erste Mal in der Geschichte des Kreuzfahrtschiffbaus in Papenburg, dass die Meyer Werft einen Ablieferungstermin nicht einhalten kann.

Bei allen Schiffsprojekten „erhebliche Verzögerungen“

Offenbar gibt es aber weitere Probleme. „Bei allen Schiffsprojekten und Bereichen der Werft haben wir erhebliche Verzögerungen“, schreibt Thomas Weigend, Mitglied der Geschäftsführung. Demnach bereiten ihm die weiteren im Bau befindlichen Schiffe große Sorgen. Aus den Fehlern, die das Unternehmen beim Bau der AIDAnova erlebt habe, müsse man lernen und standortübergreifend zusammenarbeiten. Meyer ist außer in Papenburg auch in Rostock und im finnischen Turku ansässig.

Als besonders wichtig für den Unternehmenserfolg nennt Weigend das Gelingen der Bauserie von acht Plattformen für Schiffe der US-amerikanischen Reederei-Gruppe Carnival. Wie aus einer Übersicht in dem Mitarbeitermagazin über die nächsten Schiffe deutlich wird, ist die Werft bei den Luxuslinern „Spectrum of the Seas“ (Ablieferung: 11. April 2019, Status: „erhebliche Verzüge in allen Bereichen“) und „Spirit of Discovery“ (20. Juni 2019, Status: „Fertigstellung und Inbetriebnahme werden für das gesamte Schiff höchste Anstrengungen verlangen“) in mehreren Punkten in Verzug. Außer den Terminen betrifft dies auch den Stundenaufwand sowie die Kosten, die die Planungen für mehrere Bauten offenbar deutlich übersteigen.