Nach Infektionen in einem Restaurant in Leer müssen Teile der Chefetage und des Betriebsrates der Meyer Werft wegen des Corona-Virus in Quarantäne.

Update14.10.2020: Die Meyer Werft in Papenburg hat aus eigener Kraft eine kräftige Finanzspritze erhalten. Mit mehrmonatiger Verzögerung konnte die Meyer-Werft jetzt das Kreuzfahrtschiff „Iona” an die britische Reederei P&O Cruises übergeben. Die „Iona” war im März über die Ems zur Nordsee überführt und dann zum Innenausbau nach Bremerhaven gebracht worden. Die eigentlich für Mai vorgesehene Ablieferung verzögerte sich dann immer wieder, weil der Endausbau unter Corona-Bedingungen schwierig war und P&O Cruises keine Eile hatte, das Schiff termingerecht zu übernehmen. Erste Fahrten auf der „Iona” bietet die Reederei nun ab Februar 2021 ab Southampton an. Üblicherweise werden Neubauten von Kreuzfahrtschiffen in mehreren Raten bezahlt: den größten Batzen gibt es meistens erst nach kompletter Ablieferung und Abnahme durch die jeweilige Reederei. Die Werften müssen die Kosten für material und Arbeitslöhne dann zwischenfinanzieren. So hat eine Verzögerung der Ablieferung um mehrere Monate zunächst auch gewaltige finanzielle Konsequenzen und kann sich verstärkt auf die Liquidität der Werft auswirken. So hatte die Meyer Werft zum Beispiel das Urlaubsgeld der angestellten und Arbeiten so lange zurückgehalten, bis die „Iona” abgeliefert und bezahlt war. Jetzt kann sich die Belegschaft freuen: Mit dem nächsten Gehalt soll nun auch das zunächst einbehaltene Urlaubsgeld ausgezahlt werden.

Die Meyer Werft streckt wegen der Corona-Pandemie ihr ursprüngliches Bauprogramm und will jährlich jetzt nicht mehr drei, sondern nur noch zwei Kreuzfahrtschiffe fertigstellen. Damit ist allerdings auch absehbar, dass dies Arbeitsplätze kosten wird und einige Jobs in der 3600 Personen zählenden Stammbelegschaft wegfallen. Eine genaue Zahl will die Meyer Werft erst nennen, wenn die geänderten Verträge mit den Reedereien unter Dach und Fach sind.

Ursprungsmedung: Nach den Infektionen in einem Restaurant in Leer müssen Teile der Chefetage und des Betriebsrates der Papenburger Meyer Werft wegen des Corona-Virus in Quarantäne. Es gibt offenbar eine Verbindung zu den Infektionen im Restaurant „Alte Scheune“ in Jheringsfehn: Nachdem sich 18 Menschen offenbar im Rahmen einer Restaurant-Feier im Landkreis Leer mit dem Coronavirus infiziert haben, gibt es Kritik an der Personalchefin der Papenburger Meyer Werft. Sie soll zu den Infizierten gehören, die sich bei der besagten Feier angesteckt haben. In der Woche nach der Feier hatte sie an mehreren Sitzungen teilgenommen, an denen unter anderem sowohl Teile der Chefetage als auch Mitglieder des Betriebsrats der Meyer Werft beteiligt waren. Daraufhin wurden die betroffenen Teilnehmer der Meetings in häusliche Quarantäne geschickt, darunter auch der Betriebsratsvorsitzende Nico Bloem. Am 15. Mai hatte sich eine geschlossene Gesellschaft in dem Restaurant „Alte Scheune“ Restaurant versammelt, 14 der im Nachhinein positiv getesteten Menschen waren nach Angaben des Landkreises Leer dort anwesend. Diese wiederum infizierten in der Zwischenzeit weitere Menschen, mit dem Virus angesteckt wurden in der Folge eine Person aus dem Landkreis Leer sowie drei Personen aus den Nachbarkreisen Emsland und Aurich. Der Landkreis arbeitet derzeit weiter daran, alle Kontakte der Infizierten nachzuverfolgen. Zu der Wiedereröffnungsfeier des Restaurants waren rund 40 Personen eingeladen. Einer der Gäste soll ein Arzt gewesen sein, der Anfang der Woche Grippesymptome spürte und daraufhin positiv auf Corona getestet wurde. Daraufhin wurden weitere Personen, die Kontakt mit ihm hatten, getestet.

Die Meyer Werft ist durch die Corona-Pandemie stark betroffen, die Nachfrage nach neuen Kreuzfahrtschiffen ist zum Erliegen gekommen. Bei der zur Papenburger Meyer-Gruppe gehörenden Turku-Werft in Finnland wurden bereits 450 Mitarbeiter entlassen. Außerdem wird die Werft in Turku ihre Produktion von jährlich zwei auf ein Schiff zurückfahren. Insgesamt sind in Turku und Papenburg rund 3.600 Werftarbeiter in Kurzarbeit. Werft Chef Bernhard Meyer hatte die Mitarbeiter in einem Video bereits darauf vorbereitet, dass Stellen abgebaut werden müssen. Der Betriebsrat hatte gefordert, die Stammbelegschaft durch Kurzarbeit zu erhalten und stattdessen Leiharbeiter zu entlassen. Weitere Informationen dazu unter https://www.nwzonline.de/wirtschaft/hannover-papenburg-schiffsbau-in-der-corona-krise-althusmann-meyer-werft-in-papenburg-soll-bleiben_a_50,8,827779230.html