Natur und idillysche Landschaften prägen die Fahrt der Saxonia auf der Oder

Stadt, Land, Fluss und auch das Meer sieht man auf dieser Flusskreuzfahrt mit der Saxonia. Die Tour von Potsdam über Havel, Oder, Peene und Ostsee können nur wenige Flussschiffe machen. Denn einerseits begrenzen Schleusen und das Schiffshebewerk Niederfinow die Maße der Cruiser, andererseits müssen für den Einsatz in diesem Revier alle Bestimmungen für Küstentörns erfüllt werden.

Von Peter Tönnishoff

 Bogdan, Reiseleiter während des polnischen Teils der Kreuzfahrt, bringt es auf den Punkt: „Die hier wohnenden Landsleute leben nach Meinung vieler meiner Mitbürger am A…. der Welt.“ In Polen sage man‘s etwas vornehmer, „dort, wo die Störche umdrehen.“ Dieser Spruch will jedoch nicht so richtig passen zur Insel Wollin, denn hier gibt es etliche Störche zu sehen. Und die fliegen auch keine Wendemanöver. Verständlich, denn die Landschaft ist wunderschön. Grün in allen Schattierungen. Feuchtbiotope versprechen den schlanken Großvögeln zudem reichlich Nahrung. Schon wegen der zahlreichen Störche ist für sicher nicht wenige  Mitreisende dieser A…. der Welt ein Höhepunkt der Kreuzfahrt mit der Saxonia unter Flagge des Veranstalters Phoenix Reisen. Die Fahrt beginnt sowie endet in Potsdam und bringt die Gäste via Havel, Oder, Peene, über Bodden und Ostsee u.a. zu den Städten Berlin, Stettin, Stralsund, Greifswald. Hinzu kommen die Inseln Rügen, Hiddensee, Usedom und Wollin.

Die Saxonia ist das ideale Schiff für die engen Schleusen auf dieser Tour
Die Saxonia ist das ideale Schiff für die engen Schleusen auf dieser Tour

Das Erleben der Natur bestimmt diesen Törn. Und darum haben sich wohl auch die meisten der 67 Mitreisenden auf der  Saxonia eingeschifft. Alle nicht mehr ganz jung – typisch Flusskreuzer – und meistens sehr entspannt, selbst dann, wenn wieder einmal die Netzverbindung nach Hause nicht klappen will. Manche stets mit einem Fernglas „bewaffnet“, um wirklich keinen Weißadler im Flug, keinen Biber, Fischotter oder Eisvogel an den Uferrändern zu übersehen. Und die Chancen, diese und andere sonst selten auftauchenden Tiere zu sichten, sind gut in Europas größtem Feuchtgebiet im Binnenland, der unteren Havel-Niederung. Laut NABU sollen hier während des Vogelzuges zu Zehntausenden Kraniche sowie nordische Bless- und Saatgänse pausieren.

Unter einigen Brücken wird es auf der Oder ziemlich eng
Unter einigen Brücken wird es auf der Oder ziemlich eng

Wer sich in Flora und Fauna nicht auskennt, bekommt garantiert an Bord auch unaufgefordert Nachhilfe. Es sind wohl immer Spezis unter den Mitreisenden. Es fehlen bei dem Törn auch Gäste, die ihre Kindheit in Stettin, der nach Berlin zweitgrößten Stadt auf dieser Reise, verbracht haben und auf Spurensuche sind. Reiseführer Bogdan überrascht das nicht. Die seien in früheren Jahren in großer Zahl gekommen, aber deren Sehnsucht nach einem Besuch der alten Heimat sei nun offenbar gestillt.

Tagsüber bleibt viel Zeit für Ausflüge
Tagsüber bleibt viel Zeit für Ausflüge

Was beim Blick auf die Karte eintöniges Flachland vermuten lassen könnte, überrascht mit viel Abwechslung – nur „richtige“ Berge fehlen. Sehr ausgewogen auf dieser Route ist der Mix aus Stadt-Land-Fluss sowie das Fehlen jeglicher Hektik. Das beginnt schon am Anfang der Reise. Nach der Einschiffung in Potsdam heißt es nicht gleich ‚Leinen los‘. Die Saxonia bleibt noch über Nacht vertäut am Liegeplatz Hinzenberg in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof. Genügend Zeit zum Bummeln durch die an pompösen Gebäuden so reiche Stadt und im urigen Holländischen Viertel ein Glas Wein zu genießen. Am folgenden Tag gleitet das Schiff durch das betriebsame Berlin, um dann über Havel und dem verbindenden Kanal die Oder zu erreichen. Großstadtluft schnuppern lässt sich erst wieder am dritten Reisetag in Stettin. Das heißt, trotz ihrer etwa 400.000 Einwohner wirkt die polnische Hafenstadt mit ihren vielen, liebevoll restaurierten Patrizierhäusern aus der Zeit der Hanse und mit viel Grün sehr gemütlich. Plattenbauten, vom Reiseleiter als „sozialistische Gotik“ gebrandmarkt, befinden sich überwiegend in Außenbezirken. Gespenstische Ruhe herrscht beim Passieren der Stocznia Szczecinska, der ehemaligen Vulkanwerft. Kein Leben mehr. Die Geburtsstätte so berühmter Schiffe wie der ersten deutsche Blaue-Band-Gewinnerin „Kaiser Wilhelm der Große“ (1897) oder dem 1924 größten deutschen Oceanliner „Columbus“ ist wirtschaftlich untergegangen. Bis zu 11.000 Mitarbeiter waren hier noch vor zwei Jahrzehnten beschäftigt. Im Jahr 2009 kam das endgültige Aus.

Bis Windstärke 5 kann die Saxonia problemlos auf der Ostsee fahren
Bis Windstärke 5 kann die Saxonia problemlos auf der Ostsee fahren

Frage an Kapitän Jaroslav Weinstein: Keine Probleme bei heftigem Wellengang auf dem Haff, das einem kleinen Meer gleicht, oder auf der Ostsee, die wir drei Stunden von Stralsund zur Insel Hiddensee befahren? – Der Tscheche mit langjähriger Flussschiff-Erfahrung schüttelt den Kopf. Kommt ganz selten vor, dass der mit 82 Meter Länge, neuneinhalb Metern Breite und maximal 88 Gästen Platz bietende Ferienkreuzer im Hafen bleiben muss. Ab Windstärken über 5 kann das der Fall sein. Dann übernimmt der auf dem Landweg die Saxonia „verfolgende“ Ausflugsbus die Anfahrten der ausgeschriebenen Zielorte. 

Nicht nur für Schiffsenthusiasten interessant: Das Museum mit dem Dampfer "Riesa"
Nicht nur für Schiffsenthusiasten interessant: Das Museum mit dem an Land liegenden Schaufelraddampfer “Riesa”

Niederfinow am östlichen Ende des Havel-Oder-Kanals ist das in Europa weltweit älteste noch arbeitende Schiffshebewerk, das die Saxonia in nur fünf Minuten 36 Meter nach unten und auf dem Rückweg nach oben befördert. In Oderberg lockt das Binnenschifffahrtsmuseum mit dem 1897 gebauten Schaufelraddampfer „Riesa“, der auf dem Trockenen liegt. In Stralsund können Schiffsliebhaber den 80 Jahre alten Windjammer „Gorch Fock“ und in Peenemünde das sowjetische, nun als Museum dienende, U-Boot 461 aus der Zeit des kalten Krieges besichtigen.

Mit der Kutsche geht es über Hiddensee
Mit der Kutsche geht es über Hiddensee

Die Reise lohnt sich auch wegen der berühmten Seebäder an der Ostsee. Die Passagiere können auf dieser Reise auf den Strandpromenaden der mondänen Ostseebäder Ahlbeck, Heringsdorf (Usedom), Binz (Rügen) sowie dem polnischen Miedzyzdroje (Wollin) lustwandeln. Weiteres lohnendes Ziel ist die Insel Hiddensee – von anderem Charakter als die quirligen Urlaubsmagneten Rügen und Usedom, ganz ohne Trubel – mit der Pferdekutsche zu erfahren. Auch ein Bad in der Ostsee ist während der Hiddensee- und Rügen-Aufenthalte locker drin. Von Vitte, dem Hiddensee-Anlegeplatz, sind es zu Fuß nur wenige Minuten bis zum Badestrand. Und auf der beschaulichen Insel, auf der Dichter Gerhard Hauptmann von 1926 – 1943 immer im Sommer lebte, drehen die Störche genau so wenig um wie in Wollin.

Weitere Informationen unter www.phoenixreisen.com und  www.phoenixreisen.com/saxonia.html

Peter Tönnishoff
Peter Tönnishoff

Peter Tönnishoff war Gründer und Herausgeber von Welcome Aboard.

Eine der Koryphäen, wenn es um Kreuzfahrtschiffe, deren Geschichte sowie die Reedereien und die Menschen dahinter ging. In seinem langen Berufsleben hat er alle Meere und viele Flüsse bereist. Peter setzte hohe Standards: journalistisch, mit seinem Wissen um die Kreuzfahrtbranche, aber vor allem als Mensch – es gab kaum einen beliebteren Kollegen als den stets höflichen und charmanten Peter.