Buchkritik / Rezension "aWay" von Nic Jordan, Conbookverlag, zeigt auf mitreißende, Weise, dass alles möglich ist, wenn man es nur möchte.

Die allererste, selbständige längere Reise vergisst man nie: Nicht die Lust auf Abenteuer, nicht die Neugier auf außergewöhnliche Erlebnisse, fremde Kulturen und Genüsse, auf neue Landschaften, und Erfahrungen. So geht es auch Nic Jordan, die in ihrem Erstlings-Werk „aWay“ schildert, wie sie mit 14 Jahren zum Trampen gekommen ist und seitdem diese Art zu reisen bevorzugt: Weil man Menschen trifft, seine Erfahrungen teilt und zusammen erlebt – und sei es nur ein kurzes Stück einer langen Reise.

Auf diese lange Reise geht Nic Jordan, nachdem eine Partnerschaft schmerzhaft in die Brüche ging und ihr Alltag in London, wo sie für ein paar Monate jobbte, sie langweilte und anödete. Obwohl ständig von Menschen umgeben, war sie einsam und kämpfte mit Depressionen. Der ideale Zeitpunkt, um aufzubrechen, etwas anderes zu machen und ihren Traum zu verwirklichen: Byron Bay mit seinen Surfern in Australien zu sehen. Und so packte sie ihre Sachen und trampte ganz alleine, per Anhalter durch die halbe Galaxis bis nach Australien. Nach Australien trampen, auf eine große Insel??? Ja, denn auch für die See-Strecken gibt es Lösungen, wenn man sie finden möchte, doch der Reihe nach.

Trampen kann für junge, allein reisende Frauen gefährlich sein, aber Nic Jordan hatte damit ja bereits viele Erfahrungen gesammelt und hielt sich immer an die eiserne Regel nirgendwo einzusteigen, wenn sie ein schlechtes Gefühl hatte. Angst hatte sie keine, nur manchmal vor der eigenen Courage, sich ganz allein auf einen langen Weg zu machen und diesen durchzuhalten. Doch auf diesem Weg kommt sie immer mehr bei sich selbst an und das gibt wiederum Mut, um weiterzugehen.

So reiste die Münchnerin per Anhalter um die halbe Welt, 16.000 Kilometer Luftlinie von London nach Australien und durchquerte in knapp 7 Monaten 20 Länder und erzählt von Begegnungen und Abenteuern. Mit nur 7.000 gesparten Euro auf dem Konto und einem Rucksack auf dem Rücken zieht die 27-jährige los ins Abenteuer und beginnt mit einem besonders großen: Sie trifft ihren in Polen lebenden Vater zum ersten Mal. Über Schweden und Norwegen geht es nach Finnland, wo sie gegen Kost und Logis auf einer Huskie-Farm arbeitet, bis nach Moskau – immer mitgenommen von zuvor Wildfremden in Pkws, Trucks oder Mopeds. Übernachtet wird bei Couchsurfern oder billigen Hostels. Selbst in Russland kann man trampen, aber ab Moskau erfüllt sich Nic Jordan einen weiteren Traum und reist mit der Transsibirischen Eisenbahn, mit einem vom Vater spendierten Ticket. Nach fünf Wochen quer durch China, mit fremder Kultur und Verständigungsproblemen, hat sie mitten in der Nacht an einer Bushaltestelle ihren ersten und einzigen Nervenzusammenbruch. Rafft sich aber schnell wieder auf und erlebt in Südostasien, vor allem in Bali, herzliche Gastfreundschaft. Dort, ganz kurz, vor dem Ziel Australien, scheint ihr Weg nach einem Moped-Unfall zu Ende. Doch das Sprachspiel im Titel des Buches findet hier eine Fortsetzung: aWay heißt eben nicht nur weg, sondern auch: ein Weg. Ein Weg, den Nic Jordan konsequent bis zu Ende geht.

Dieses Buch ist nicht nur für Menschen, die selbst schon die Welt bereist haben und gerne von anderen Abenteuern lesen. Es ist sogar eher etwas für diejenigen, die von einer langen Reise träumen oder andere große Träume in ihrem Leben haben und sich bislang nicht trauten, diese umzusetzen. Nic Jordan zeigt auf mitreißende und humorvolle Weise, dass alles möglich ist, wenn man es nur stark genug möchte. Einfach mal etwas wagen und den Weg zum Ziel machen. Dieses Buch ist auch ein Mutmacher und damit im Grunde genommen eine Aufforderung: Statt Bücher von Abenteuern zu lesen, traut euch – fahrt los und schreibt solche Geschichten selbst!

aWay

Nic Jordan

Conbook Verlag

Broschiert, 416 Seiten, 16,95 Euro

ISBN: 978-3958893689

Weitere Informationen unter https://www.conbook-verlag.de/buecher/away/