Reportage einer Kreuzfahrt "Norwegische Fjorde" mit der Queen Mary 2 mit schönen Bildern von Bergen, Flam, Geirangerfjord, Hellesylt, dem Nordkap sowie Trondheim.

Von hier oben sieht selbst Ihre Majestät winzig aus: Wie ein hübsch angepinseltes Modellschiffchen liegt die Queen Mary 2 mit ihrem roten Schornstein inmitten des tiefblauen Aurlandsfjords, an dessen Ende sich das Örtchen Flam mit seinen nicht einmal fünfhundert Einwohnern kauert. Links und rechts des Fjordarms, der zum großen Sognefjord gehört, ragen steile, graue Felsmassive in den Himmel, flankiert von grünen Wäldchen und Wiesen. Das Dorf in Südwestnorwegen hat auf jeden Fall den passenden Namen: Flam ist altnorwegisch und bedeutet „kleine Ebene zwischen steilen Bergen“.

Wie ein Spielzeug sehen selbst große Kreuzfahrtschiffe von hier oben aus
Wie ein Spielzeug sehen selbst große Kreuzfahrtschiffe von hier oben aus

Vom kleinen Bahnhof aus geht die Flambahn, vorbei an Wasserfällen und bizarren Felsformationen, hinauf zum Hochplateau Hardangervidda, das die spektakuläre Aussicht auf das Tal mit dem Fjord und der Königin der Meere bietet. Noch beeindruckender ist der Ausflug zur Plattform Stegastein: Dreißig Meter ragt die Konstruktion frei schwebend aus dem Berg hervor, rund 650 Meter darunter liegt der Aurlandsfjord – das Betreten ist nur etwas für Schwindelfreie und Mutige, wird aber mit einem einmaligen Panoramablick belohnt. Die gigantische Natur beeindruckt jeden genau so wie die Stille der unendlichen Weite.

Unbedingt machen: eine Fahrt mit der Flam-Bahn
Unbedingt machen: eine Fahrt mit der Flam-Bahn

Die Norwegischen Fjorde gehören zu den spektakulärsten geologischen Formationen der Erde. Sie entstanden während der letzten Eiszeit und wurden durch Gletschererosionen um 110.000 bis 13.000 vor Christus geschaffen. Die Gletscher schnitten steile Spalten in die Landschaft, die weit unter die Meeresoberfläche reichten. Als die Gletscher zu schmelzen begannen, drang Wasser in die tiefen Einschnitte und füllte die Hohlräume. Die Ausläufer reichen weit in das Landesinnere und sind teilweise so tief wie die angrenzenden Klippen hoch sind. Erst an der Küste werden sie seichter. Immer wieder trifft man an den Fjorden auf eindrucksvolle Wasserfälle, die sich in die Tiefe stürzen. Sie entstanden dort, wo die Gletscher vertikale Abgründe in die Berge schliffen. Schwellend, schäumend und tosend stürzt Schmelzwasser in Frühjahr und Hochsommer herab.

Queen Mary 2 im Geiranger Fjord
Queen Mary 2 im Geiranger Fjord

Wie mit scharfer Axt in die lotrecht aufragenden Granitflanken der bis in die Wolken ragenden Berge geschlagen, präsentiert sich der Geirangerfjord. Norwegens bekanntestes Postkartenpanorama ist seit 2005 UNESCO-Weltnaturerbe. „Geir“ bedeutet Pfeilspitze, und wie ein Pfeil bohrt sich der Geiranger in das zerklüftete Fjordland. Ein Wasserweg von rund 110 Kilometern oder 60 Seemeilen Länge liegt zwischen der offenen See und dem Anleger in Geiranger. Die „Pfeilspitze“ selbst macht nur die letzten sechszehn Kilometer aus. Schlichte Häuser drängen sich auf dem schmalen Uferstreifen am Ende des Fjordes.

Die erste Holzkirche in Geiranger wurde im 15. Jahrhundert erreichtet
Die erste Holzkirche in Geiranger wurde im 15. Jahrhundert errichtet

Schon Kaiser Wilhelm II. hat diesen Ort besucht und berühmt gemacht. Zwischen 1889 und 1914 war er regelmäßig zu Gast: 25 Sommer hintereinander, in jedem Jahr seiner Regentschaft, besuchte der Kaiser Geiranger und löste einen ersten Kreuzfahrtboom der deutschen Oberschicht aus, die es ihrem Imperator gleich machen wollte. Mit seinem Schiff “Hohenzollern” legte er in der Bucht an und ging samt seinem riesigen Gefolge spazieren. Seine Majestät liebte die kleine Holzkirche, die 1450 errichtet und in ihrer heutigen Form 1744 neu gebaut wurde. Auch im Hotel Utsikten verweilte der Kaiser gern und genoss die Aussicht – wie der Gedenkstein nebenan stolz bekundet. Wer möchte, kann bei einer Kreuzfahrt durch die Norwegischen Fjorde noch eine ganze Reihe deutlicher Spuren des letzten deutschen Monarchen ausmachen: überdimensionale Denkmäler, von ihm und für ihn, beschriftete Sitzmöbel, seine Hotelbetten. In Alesund heißt eine Straße am Hafen  „Keiser Wilhelm-gate“, hier liegt auch die „Keisern Bar“. In Balestrand am Sognefjord wird im Kviknes Hotel ein geschichtsträchtiges Kleinod aufbewahrt: ein geschnitzter Sessel, der auf der Unterseite seiner Sitzfläche an einen denkwürdigen Moment gemahnt. „Am Nachmittag des 25. Juli zwischen 5 und 5.30 Uhr verabschiedete sich Kaiser Wilhelm“, steht dort, „um 6 Uhr fuhr er mit der ‚Hohenzollern‘ weg, als er hörte, dass der Krieg zwischen Österreich und Serbien ausgebrochen sei.“ Die Erinnerung an die letzten Minuten Kaiser Wilhelms auf norwegischem Boden.

Der Kaiser liebte diese Landschaft und kam in jedem Jahr seiner Regentschaft wieder
Der Kaiser liebte diese Landschaft und kam in jedem Jahr seiner Regentschaft wieder

Ebenso wie der Kaiser früher genießen heute auch Nicht-Blaublüter die grandiose Fahrt durch die Fjorde. Majestätisch ist allein das Schiff dieser Reise, die Queen Mary 2: Königlicher Service, fürstliche Speisen und edel ausgestattete Kabinen und Suiten – zu zivilen Preisen. Der 2004 in Dienst gestellte Ozeanliner wurde gründlich renoviert und aufgehübscht. Alle Kabinen und Suiten bekamen ein neues Design und erhielten eine deutlich verbesserte Ausstattung von den Möbeln bis hin zu Bädern, Teppichen und interaktivem Fernsehen.

Die Cunardfarben setzen Akzente in den Queens Grill Suiten
Die Cunardfarben setzen Akzente in den Queens Grill Suiten

Das neue Ambiente der renommierten Schiffsdesigner von SMC London orientierte sich an der prächtigen Ausstattung der berühmten großen Ozeanliner der 1920-er Jahre; natürlich mit modernster Technik. Alle 172 Suiten bekamen neu gestaltete Schlaf- und Wohnbereiche, in denen neben warmen Pastelltönen die klassischen Cunard Farben rot und schwarz herausragende Akzente setzen. Neben 15 neuen Einzelkabinen wurden zusätzlich auch 30 neue Britannia Club-Balkonkabinen im vorderen Bereich von  Deck 13 eingebaut, der bislang als Sonnendeck genutzt wurde.

Das renovierte Queens Grill Restaurant ....
Das renovierte Queens Grill Restaurant ….

 

... und das neue Verandah Restaurant
… und das neue Verandah Restaurant

Im Queens Grill Restaurant und Princess Grill Restaurant wurden Einrichtung und Dekor ausgetauscht, um noch elegantere Speisesäle zu bieten. Hellere und frische Farbtöne, Art-Deco-Lüster und Spiegel, um den Meerblick zu betonen, wurden verwendet. Völlig neu gestaltet wurde auch das Kings Court Restaurant mit mehreren Buffetinseln. Mit dem neuen Servicekonzept können sich die Cunard Gäste nicht nur wie üblich selbst an den Buffets bedienen, sondern werden auch bedient. Kellner servieren die Getränke und räumen die Tische ab – der Gast muss sich außer um die Wahl von Getränken um nichts mehr kümmern. Beim Abendessen zeigt sich, dass auf der Queen Mary 2 auch auf die jeweilige Region und ihre kulinarischen Spezialitäten eingegangen wird. Vielfältige Auswahl und der frische Lachs, der in Bergen mit seiner pittoresken Hafenfront in Brygge eingekauft wurde, lassen selbst die verwöhnteren der Cunard Gäste in Lobeshymnen ausbrechen.

Die Hafenfront von Bergen
Die Hafenfront von Bergen

Das vormalige, selten genutzte Stiefkind Wintergarten auf Deck 7 ist zu einer echten Alternative für einen gemütlichen Abend geworden. Der in Carinthia Lounge umbenannte Bereich wurde mit gemütlichen Sesseln, Nischen und einer großen Bar mit Speisenauslage ausgestattet. Mittags gibt es hier täglich wechselnde Tapas und Antipasti, die mit den angebotenen Weinen korrespondieren. Auch neue Partnerschaften ist Cunard eingegangen: neben britischen Edelherstellern von Handtaschen oder Kleidung auch mit den belgischen Edelchocolatiers von Godiva. Deren Köstlichkeiten werden jetzt in der Sir Samuels Bar angeboten.

In die Bar geht es auch am nächsten Tag an Land, die Wanderung rund um Hellesylt war lang und macht sehr durstig. Kaum hat man den kleinen Ort hinter sich gelassen, ist man mitten drin in der einzigartigen Fjordlandschaft. Hinter jeder Ecke entfaltet die Natur eine neue imposante Facette. Sträucher und kleine Bäume klammern sich auf schmalen Graten fest, oftmals auf dem nackten Stein, sprießen aus Spalten und Rissen oder wagen sich so weit in den Schutz kleiner Höhlen, wie das lebenswichtige Licht es zulässt. Gerade unter diesem strahlenden Himmel wirkt das Grün der Blätter noch kräftiger vor dem dunklen Fels, der von helleren Sedimentschichten und Flechten gezeichnet ist.

Immer wieder überwältigende Naturpanoramen
Immer wieder überwältigende Naturpanoramen

Überall tropft und plätschert es, immer wieder tauchen rechts und links große Wasserfälle auf. Ein besonderes Highlight ist Norwegens höchster Wasserfall Syv søstre (Sieben Schwestern), der 250 Meter in die Tiefe stürzt. Genau gegenüber, auf der Südseite des Fjords, liegt der „Freier“. Die Sage geht so: Einst lebten auf einer Bergalm hoch über dem Fjord sieben wunderschöne Schwestern und auf dem anderen Ufer ein einzelner Jüngling. Doch keine der sieben Holden gab dem verzweifelten Werben des einsamen Mannes nach. Sie wurden, auch heute noch getrennt, am jeweiligen Steilufer zu Wasserfällen. Deren tosende Wassermassen breiten durch den Wind einen Schleier feinster Tröpfchen bis weit über den Fjord hinaus. Es ist kaum vorstellbar, dass hoch über dem Fjord mitten in den Felsen Bauern leben und Land bewirtschaften. Obst und Gemüse werden angebaut. Da das Klima im Fjord sehr mild ist und die Sonne im Sommer ununterbrochen scheint, werden hier sogar Aprikosen geerntet.

Die große Kargheit nach den grandiosen Fjorden
Die große Kargnis nach den grandiosen Fjorden

So grandios die Norwegischen Fjorde waren, so enttäuschend ist landschaftlich das Nordkap. Aber vielleicht ist man auch nur von den ständigen Bilderbuchpanoramen zu sehr verwöhnt. Der nördlichste Punkt des europäischen Festlands, mehr als 500 Kilometer nördlich des Polarkreises, wird nach 30 Kilometern mit dem  Bus von Honningsvag aus erreicht. Die Fahrt führt durch eine karge, windumtoste flache Landschaft bis zur Nordkaphalle mit Informationstafeln, Restaurant, Souvenirs und der Post. Hier bekommt man ein Nordkapdiplom mit Tagesdatum, und die aufgegebene Post wird mit einem speziellen Nordkap-Poststempel abgestempelt – Postkarten vom Ende Europas. Welch ein Gegensatz: hier die Touristenattraktion mit jährlich etwa 200.000 Besuchern und  jenseits der 307 Meter hohen Felsklippe, unter der  Atlantischer und Arktischer Ozean aufeinandertreffen, die große Leere. Zwischen hier und dem Nordpol befindet sich keinerlei Festland mehr, Ausnahmen sind die Inselgruppen Spitzbergen und Franz-Josef-Land. Die steilen Klippen sind weiträumig abgesperrt, die Touristen sammeln sich an der 1978 aufgestellten Plastik der Weltkugel. Gutes Wetter herrscht hier selten, es weht ständig ein böiger, teils sehr starker Wind. Viele Besucher genießen es aber, den Sonnenuntergang über der Barentssee zu beobachten. Und zwischen Mitte Mai und Ende Juli ist Mitternachtssonne – das Zentralgestirn dippt nur ganz kurz am Horizont rotglühend in den Ozean oder geht gar nicht mehr unter.

Der Nidarosdom ist das Nationalheiligtum Norwegens
Der Nidarosdom ist das Nationalheiligtum Norwegens

Auch an Bord hinterlässt die Mitternachtssonne Spuren, so viele Frühaufsteher trifft man auf Kreuzfahrt selten. Selbst am Abreisetag stehen die frühen Vögel unter den Passagieren entspannt mit einer Tasse Tee oder Kaffee an der Reling und beobachten das Anlegemanöver in Trondheim. Nach den ganzen Naturphänomenen gibt es hier ein echtes Kulturhighlight, den Nidarosdom. Die gotische Kathedrale wurde im 11. Jahrhundert über dem Grab des Heiligen Olav errichtet und ist das Nationalheiligtum Norwegens. Doch egal, ob Natur oder Kultur, eines ist auf allen Stationen dieser Reise entlang der Norwegischen Fjorde gleich: das stille, fast andächtige Staunen der Passagiere, unterbrochen nur vom Klicken der Auslöser von Fotoapparaten.

Auch in diesem Jahr und in 2019 bietet Cunard Line mit seinen Queens einige Reisen ins Nordland an. Neben den Norwegischen Fjorden sind darunter auch Kurztrips nach Norwegen und Dänemark sowie eine Reise ab/bis Hamburg nach Island.

Informationen zu einer Reise mit der Queen Elizabeth zu den Norwegischen Fjorden unter  https://www.cunard.de/reise-finden/reisedetailseite/journey/q820a/

Ab / bis Hamburg nach Island mit der Queen Victoria:                     https://www.cunard.de/reise-finden/reisedetailseite/journey/v821c/

Kurzreise mit der Queen Mary 2 nach Dänemark und Norwegen ab/bis Hamburg:
https://www.cunard.de/reise-finden/reisedetailseite/journey/m830/

Diese Reise wurde unterstützt von Cunard Line