Reportage über eine Kreuzfahrt mit der Riviera von Oceania Cruises von Piräus durch das östliche Mittelmeer von Susaane Müller.

Die schlanke Frau in der Martini-Bar auf der „Riviera“ der Reederei Oceania blickt auf ihren Champagner und lächelt müde. Endlich ist sie auf dem Schiff angekommen und will eigentlich nur noch eines:  ins Bett. „Der Jetlag“, sagt Karen mit einem Achselzucken. Die Amerikanerin ist seit gefühlten Ewigkeiten unterwegs, ehe sie in Piräus an Bord ging. „Mein erster, richtiger Urlaub seit Jahren. Zu Hause in Ohio leite ich ein Gefängnis und werde selbst an meinen freien Wochenenden dauernd angerufen und muss Entscheidungen treffen, Dinge organisieren. Aber jetzt wollte ich mir mal etwas richtig Gutes gönnen: eine Luxuskreuzfahrt!“

Zwei Tage später ist die Müdigkeit aus Karens Gesicht verschwunden. Sie liegt am Pool, blättert in einer Zeitschrift und kann sich nicht entscheiden. Soll sie einen Bummel durch Korfu unternehmen oder doch lieber die Annehmlichkeiten des Schiffes entdecken? Der Whirlpool blubbert ebenso einsam wie einladend vor sich hin.

 

Der Ruheraum des SPA
Der Ruheraum des SPA

Im SPA könnte sie Sauna und Dampfbad ohne Extrakosten genießen. Und in der Waves Bar am Pool lauern Versuchungen wie kostenlose Milchshakes und Smoothies.

 

Probieren sie so viel wie möglich!

Karen zieht’s in die Barista Bar ganz oben am Bug der „Riviera“. „Cappuccino? Wie immer?“, fragt Salvatore aus Sizilien. Mit geübten Griffen bedient der Italiener seine Kaffeemaschine und zaubert einen Cappuccino mit perfektem Milchschaum und Schokostreuseln.

Die gemütlichen Suiten auf der Riviera
Die gemütlichen Suiten auf der Riviera

In seiner Kaffeebar ist von früh bis spät etwas los. Und das liegt sicher nicht nur daran, dass Salvatore stets gute Laune versprüht. „Das Baristas ist mein Lieblingsplatz“, verrät Kreuzfahrtdirektor Nolan Dean. „Die Atmosphäre ist gut, und man kommt dort immer leicht mit den Leuten ins Gespräch.“ Sein Tipp für einen Urlaub auf der „Riviera“: „Probieren Sie so viel aus wie möglich! Wir geben uns nämlich richtig Mühe, jeden Tag Musik, Entertainment, Essen für jeden Geschmack, Sport und Wellness auf hohem Niveau anzubieten.“

Kreuzfahrtdirektor Noolan Dean
Kreuzfahrtdirektor Nolan Dean

Er hat ja Recht. Doch bei einer Woche Kreuzfahrt mit nur einem Seetag zwischen Malta und Santorin bleibt viel zu wenig Zeit, um all die Angebote zu nutzen. Karen braucht Erholung, und deswegen begibt sie sich nur drei Schritte aus dem Baristas heraus und sinkt direkt in einen bequemen Ledersessel. Er steht mitten in der Bibliothek, die sich genauso gut in einem englischen Landhaus befinden könnte. Der Duft nach Salvatores frisch gemahlenen Espresso hängt in der Luft, und in den Regalen stehen 2000 Romane, Biographien, Ratgeber und Reiseführer.

 

Die Tipps der Shopping-Queen

Ein gutes Buch bringt uns dorthin, wo wir noch nie zuvor waren. So lautet ein weiser Spruch, und mit der „Riviera“ verhält es sich ähnlich. Selbst wenn sie Häfen anläuft, in denen man schon gewesen ist, gerät man auf schicksalhafte Weise an neue, inspirierende Orte. Zum Beispiel indem man den Ratschlägen Gemmas folgt. Die Britin ist die ungekrönte „Shopping-Queen“ an Bord und kennt wahrscheinlich die besten Läden auf der ganzen Welt.

Santorin ist das Highlight der Kreuzfahrt
Santorin ist das Highlight der Kreuzfahrt

Morgens um halb elf verrät sie ihre Geheimnisse im Theater auf der „Riviera“ und verteilt Stadtpläne, Rabattkarten von Oceania Cruises und top secret-Einkaufstipps. Für Santorin etwa empfiehlt sie die „Atlantis Collection“. „Das sind blaue Topase, die Sie immer an Ihre Reise durch die Ägäis erinnern werden“, strahlt Gemma und fügt augenzwinkernd hinzu: „Selbst wenn Sie am Ende doch nichts kaufen, genießen sie trotzdem von der Terrasse des Shops den besten Ausblick von Santorin und bekommen dazu ein Glas Champagner gereicht…“

Die eigene Kreativität entdecken

Mit einem Blick für die besonderen Details stromern auch die Teilnehmer der Kunst-Workshops durch die Häfen dieser Kreuzfahrt. „Plötzlich sehen sie die Architektur, Farben und Formen mit ganz anderen Augen“, weiß Suzanne Stohl.

Suzanne Stohl, die Kunstlehrerin auf der Riviera
Suzanne Stohl, die Kunstlehrerin auf der Riviera

Die Künstlerin und ehemalige Business Beraterin aus North Carolina begrüßt jeden Tag zwischen zehn und zwanzig Gäste in ihrem Kunstatelier auf Deck 12. Da sitzt dann die Hausfrau aus Florida neben dem Pensionär aus Neuseeland und der Geschäftsfrau aus der Schweiz und alle malen hochkonzentriert an ihren Bildern. „Ich habe immer gedacht, ich sei völlig talentfrei. Aber jetzt sehen Sie sich das an!“, sagt der Neuseeländer und hält das Bild hoch, an dem er arbeitet. Das Mädchen mit dem Perlenohrring von Jan Vermeer. Es sieht klasse aus. Wie hat er das nur geschafft? Alle Workshop-Teilnehmer applaudieren, und der Mann errötet etwas. „Zu Hause werde ich mir eine Kunstschule suchen und weiter malen“, sagt er, und Suzanne Stohl reckt den Daumen hoch.

Das Theater in Taormina
Das Theater in Taormina

„Das erlebe ich immer wieder. Die Leute kommen erstmal her, weil sie neugierig sind und machen mit. Dann merken sie, wie toll sie beim Malen entspannen und zu welchen Dingen sie fähig sind. Sie kommen jeden Tag wieder. Und später schreiben sie mir E-Mails, das sie jetzt auch zu Hause an Kunstkursen teilnehmen“, freut sich Suzanne Stohl. Inspiration zu wahren Kunstwerken gibt die „Riviera“ auf Schritt und Tritt. Außergewöhnliche Gemälde und Skulpturen schaffen eine Atmosphäre, die ganz eindeutig zum „First class-Feeling“ auf dem Schiff beiträgt. Es gibt sogar Originalbilder von Picasso und Miró.

Afternoon-Tea mit Scones

Klassische Musik von einem Streicher-Trio, gedämpftes Gemurmel der Gäste und eine fantastische Aussicht aufs Meer bietet um 16 Uhr das Horizons ganz oben auf Deck 15. Es ist Tea Time. Und obwohl es schon in Kürze wieder etwas zu essen geben wird, verzichtet kaum ein Gast auf dieses Erlebnis. Die Kellner tragen weiße Handschuhe, während sie den Afternoon-Tea servieren und dazu Scones, Kuchen und kleine Sandwiches anbieten. Neben den Ausflügen des Tages ist auch jetzt das Essen ein ganz großes Thema. „Welches Restaurant gefällt Ihnen denn am besten?“, lautet eine Frage, die man immer wieder zu hören bekommt. Schwer zu sagen. Neben dem Buffet-Restaurant und dem eleganten Grand Dining Room gibt es vier Spezialitäten-Restaurants, die allesamt im Reisepreis eingeschlossen sind, für die aber reserviert werden muss.

Das Jacques
Das “Jacques”

„Das haben wir natürlich schon online zu Hause erledigt“, gibt Bill aus Pennsylvania mit breitem Lächeln beim Abendessen im italienischen Toscana bekannt. Natürlich. Bill und seine Frau zählen genau wie die anderen am Tisch zu jener Klientel, die immer wieder mit Oceania Cruises fährt und sich auskennt. „Das mache ich nächstes Mal auch. Sonst ist es später echt schwierig, noch einen Platz zu bekommen“, meint Trevor aus Vancouver. Er hat schon fast alle Reedereien im gehobenen Segment ausprobiert und findet Oceania Cruises am besten. „Wegen des exzellenten Essens“, verrät er und wirft dabei einen vielsagenden Blick auf seinen Hummer. Während das Toscana feinste italienische Küche auf Tellern von Versace anrichtet, werden im Polo Club sensationell gute Steaks gebraten.

Geschirr von Versace
Geschirr von Versace

Ein Ambiente aus zartem Gelb und Lavendel versetzt die Gäste im französischen Restaurant Jacques schon mal in heitere Stimmung, während im Red Ginger schwarzes Ebenholz und knalliges Rot dominieren. Der asiatische Gourmettempel begeistert mit einem Feuerwerk an Geschmacksaromen.

Das Restaurant Red Ginger
Das Restaurant Red Ginger

Angebote für deutschsprachige Gäste

Wenn es ums Essen auf der „Riviera“ geht, kommt jeder ins Schwärmen. Auch die begeisterten Kreuzfahrer Andrea und Sven aus dem hessischen Nauheim. Sie gehören zu den diesmal nur rund 30 deutschen Urlaubern auf dem Schiff. Noch ist die US-amerikanische Reederei Oceania Cruises in Deutschland nicht so bekannt. Doch so langsam spricht sich herum, dass es sich auf ihren Schiffen ziemlich komfortabel reisen lässt. Für das deutschsprachige Publikum werden das Tagesprogramm und die Speisekarten auch in ihrer Muttersprache angeboten, und es gibt deutschsprachige Ansprechpartner an Bord. Oft wird dieser Service aber gar nicht genutzt. Manche Gäste polieren gerne ihr Schulenglisch auf dem Schiff und nutzen die Gelegenheit, locker mit den anderen Passagieren aus aller Welt zu plaudern. Auf dieser Kreuzfahrt fahren immerhin Urlauber aus rund 20 Nationen mit der „Riviera“. „Wir schätzen die internationale und zugleich relaxte Atmosphäre bei Oceania“, sagt Andrea, die auch schon Schiffe von anderen Reedereien kennengelernt hat.

Noch einmal faulenzen am Pool
Noch einmal faulenzen am Pool

Der letzte Tag der Reise naht. Viele Gäste haben tatsächlich auch noch die Anschlussreise gebucht, obwohl teilweise dieselben Häfen angefahren werden. Aber eine Woche auf der „Riviera“ ist ihnen einfach zu kurz, um das vielfältige Angebot zu nutzen. Karen allerdings muss ihren Koffer packen. Morgen geht es heim nach Ohio. Zum letzten Mal eine Dusche mit den himmlischen Bulgaridüften im Marmorbad ihrer Kabine. Ein letztes Fest für die Sinne im Red Ginger. Doch Karen ist gar nicht so traurig. Sie lächelt verschmitzt: „Ich habe gestern eine Kreuzfahrt auf diesem Schiff fürs nächste Jahr gebucht. Denn eines habe ich in dieser Woche gelernt: Das Leben ist einfach zu kurz, um immer nur zu arbeiten.“

Susanne Müller, Chefredakteurin Welcome Aboard
Susanne Müller, Chefredakteurin Welcome Aboard

Über die Autorin:  Susanne Müller ist Chefredakteurin des Kreuzfahrtmagazins WELCOME ABOARD  (www.welcome-aboard.de) und betreibt seit kurzem auch den Reise-Blog www.wonderful-places.de

Diese und andere schöne Reportagen sind im neuen Heft WELCOME ABOARD 2018 zu finden, Rezension und Link zur Bestellung unter  www.worldwidewave.de/welcome-aboard-2018