Portrait Polaris Tours aus Oberammergau, Spezialist für Expeditionskreuzfahrten mit kleinen Schiffen, und Geschäftsführer Reinhard Tanner

Am Anfang von Polaris Tours stand ein Umzug, nach zwölf Jahren in Hamburg wollte Reinhard Tanner zurück in seine Heimatstadt Oberammergau: „Ich habe die Berge vermisst und die bayrische Gemütlichkeit. Da reichte das Hamburger Hofbräuhaus nicht aus.“ Der heute 51-jährige Tanner hatte als Produktmanager bei Norden Tours und Hurtigruten Expeditionskreuzfahrten auf- und ausgebaut, bevor er genug vom Leben in der norddeutschen Diaspora hatte. Der Heimatverbundene, der drei Mal bei den Oberammergauer Passionsfestspielen mitspielte, hatte schon längere Zeit mit einer Selbstständigkeit geliebäugelt. Tanner sprach zunächst mit guten Kontakten und alten Partnern: „Besonders toll war, dass einige Reedereien sich gefreut haben, dass ich eine eigene Firma aufmache. Diese Unterstützung hat mir einen richtigen Schub gegeben.“

So entstand im Sommer 2012 Polaris Tours, mit dem Konzept ausschließlich Expeditionsreisen mit kleinen Schiffen in Polargebiete anzubieten. Zunächst als One-Man-Show, zuhause mit einem Internetauftritt und einer Webstrategie, die noch heute funktioniert. Mit minimalem Werbebudget setzte Tanner auf Google Adwords und Blogs und hatte im ersten Halbjahr 90.000 Euro Umsatz: „Es lief von Anfang an so rasant, dass ich gar nicht dazu gekommen bin, irgendwelche Zweifel zu haben.“ Erste eigene Angestellte war seine Frau, die sich auch heute noch um die Buchhaltung kümmert.  Ab der zweiten Saison ging es steil bergan, der Umsatz wuchs auf 700.000 Euro, der erste Print-Katalog wurde aufgelegt. Es folgten der Umzug in ein Büro und zwei weitere Angestellte, Tanner bekam größere Reedereien dazu: „Die Herausforderung war, zu beweisen, dass man als kleiner Veranstalter Volumen bringen kann.“ Der bisher größte Coup gelang im vergangenen Jahr: ein gemeinsamer Katalog mit Silversea Cruises. Aktuell hat Polaris Tours neun Reedereien im Programm.

2016 musste Tanner wieder umziehen, mittlerweile hat er acht Angestellte und kaum noch Platz. Im gerade abgeschlossenen Geschäftsjahr verbuchte Polaris Tours mehr als vier Millionen Euro Umsatz mit rund 500 Passagieren aus DACH. Der hohe Durchschnittsumsatz von über 9.000 Euro freut auch die Reisebüros und die Expedienten profitieren von den exzellenten Kenntnissen: “Zielgebiete wie Antarktis oder Franz-Josef-Land kennen die Meisten nicht, da können wir aus eigener Erfahrung sehr gut helfen.“ Seine Mitarbeiter schickt Tanner regelmäßig auf Inforeisen, neue Zielgebiete erkundet der Chef selbst. So reiste er nach Galápagos, bevor er für 2018 den ersten Katalog mit Warmwasser-Expeditionen herausgab: „Ich habe immer schon Erweiterungen gesucht, denn wir haben viele Wiederholer und liefen Gefahr Stammgäste zu verlieren, weil wir nichts Neues mehr anbieten konnten.“ Gleich in der ersten Saison wagte sich Tanner auch an seinen ersten Vollcharter mit 22 Plätzen auf einer Amazonas-Reise. Im aktuellen Programm bis 2020, werden neben mehr als 900 Galápagos-Abfahrten mit neun Schiffen auch Amazonasreisen in Brasilien und Peru mit fünf Schiffen angeboten.

Für 2019 peilt Tanner einen Umsatz von mehr als fünf Millionen Euro an. Zukünftig sollen die Polargebiete mit mehr Terminen und den vielen neuen Expeditionsschiffen ausgebaut werden. Eine Erweiterung auf landgebundene Programme und normale Kreuzfahrten kommen für Tanner nicht in Frage: „Die Marke Polaris Tours steht für Expeditionsreisen auf kleinen Schiffen. Da kennen wir uns aus, mehr können und wollen wir nicht machen.“ Auch Warmwasserdestinationen sollen ausgebaut werden. Man will aber nicht um jeden Preis wachsen, sondern nur, wenn es qualitativ passt. Doch wenn die Erfolgsgeschichte von Polaris Tours weiter geht, dann muss Reinhard Tanner bald wieder umziehen.

Weitere Informationen unter www.polaris-tours.de