Portrait des Geschäftsführers von Cruise Gate Hamburg (CGH), Simone Maraschi. Die CGH vergibt die Liegeplätze für Kreuzfahrtschiffe in HH

Simone Maraschi will Hamburg im Kreuzfahrtgeschäft neu positionieren

Es macht Spaß, Simone Maraschi zu treffen: Der 45-jährige, neue Geschäftsführer von Cruise Gate Hamburg (CGH), zuständig für den Betrieb und die Vergabe der Liegeplätze aller drei Kreuzfahrtterminals in Hamburg, verbreitet mit seiner lächelnd-charmanten, offenen Art sowie einer durchdachten, optimistischen Haltung trotz der schwierigen Zeiten eine absolut positive Atmosphäre. Die mediterrane Lockerheit des in Mailand Aufgewachsenen tut gut, angesichts nahezu existenzieller Sorgen der Kreuzfahrt-Branche durch die Corona-Beschränkungen: Im Jahr 2019 gab es an den Hamburger Terminals insgesamt 210 Anläufe 42 unterschiedlicher Schiffe von 18 Reedereien mit insgesamt knapp 815.000 Passagieren.

Jahrelang gab es Rekorde wie hier beim 800.000 Passagier

Zwar gelang es nicht an den Rekord vom Vorjahr mit rund 900.000 Passagieren anzuknüpfen. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass Hamburg in den Jahren zuvor ein extrem starkes Wachstum bei Anläufen von Kreuzfahrtschiffen und der Passagierzahlen hinter sich hatte: Mit einer außergewöhnlich hohen Steigerungsrate von 76 Prozent zwischen 2015 und 2018 lag man in Europa ganz vorn, weit über dem durchschnittlichen Wachstum des in diesen Jahren boomenden Kreuzfahrtgeschäfts.

Auch ohne die Auswirkungen der Corona-Pandemie wäre eine Fortführung dieser Wachstumsquoten nicht zu erwarten gewesen, unter anderem weil die großen Kreuzfahrt-Reedereien ihre riesigen Schiffe mit einem Passagiervolumen von bis zu knapp 4.000 Gästen für die nächsten Jahre in die Ostsee verlegt hatten. Trotzdem blieb die Zahl der geplanten und terminierten Anläufe an den drei Kreuzfahrtterminals der Hansestadt konstant, rund 210 Schiffe und ähnlich hohe Passagierzahlen wie im Vorjahr standen in den Büchern – bis die Reiseeinschränkungen die Reedereien dazu zwangen ihre Schiffe vorerst stillzulegen. So war das Eintreffen der AIDAmar am 14. März der vorerst letzte „normale“ Anlauf, bevor plötzlich, dreieinhalb Monate lang, kein einziges Kreuzfahrtschiff mit Passagieren abzufertigen war. Doch auch in dieser Zeit waren Simone Maraschi und sein Team beschäftigt: Hamburg war einer der wenigen Häfen weltweit, die während der gesamten Lockdown-Phase für die Kreuzschifffahrt geöffnet war. Elf Schiffe kamen in dieser Zeit als Auflieger nach Hamburg, acht gingen an die Kreuzfahrtterminals, drei Schiffe in der Werft. Cruise Gate Hamburg betreute Schiffe und Crews in dieser Zeit und organisierte gemeinsam mit dem Flughafen Hamburg auch Chartermaschinen, um einen Teil der Crews nach Hause zu bringen.

 

Es gibt deutlich bessere Momente, um eine neue Stelle anzutreten, vor allem, wenn eine so ungewisse und nicht einschätzbare Zukunft bevorsteht. Doch Simone Maraschi zögerte keine Sekunde, die in Corona-Zeiten gewaltige Herausforderung anzunehmen und die CGH ab dem 1. Juli zu führen: „Es war für mich eine Ehre, für diesen Posten ausgewählt zu werden. Ich freue mich, diesen Job ausüben zu können und mitzuhelfen, die Kreuzfahrt in Hamburg weiter zu entwickeln.“ Die Bescheidenheit ziert den stets gut gekleideten Mittvierziger, denn er war auch zuvor in der Branche beileibe kein Unbekannter. Nach Stationen bei Air Malta und Emirates wechselte er von der Luft- zur Schifffahrt, arbeitete sechs Jahre lang als International Sales Manager beim italienischen Fährbetreiber Grand Navi Veloci und ging 2010 zum alteingesessenen Kieler Schiffsmakler Sartori & Berger. Als die Kieler 2013 in Hamburg ein Büro aufbauten, um den Kreuzfahrtbetrieb in ganz Deutschland zu koordinieren, übernahm Maraschi die Leitung. Er entwickelte sich nicht nur zu einem anerkannten und beliebten Akteur der Kreuzfahrtindustrie, sondern lernte auch seine Frau Nadine kennen, die von 2007 bis 2015 für die Vorgänger der CGH arbeitete und mittlerweile für die Kreuzfahrtreederei AIDA tätig ist.

Großereignisse wie Hamburg Cruise Days 2017 ließen in der Hansestadt einen Kreuzfahrt-Hype entstehen

Damit in den Terminals trotz Anlauf-Flaute weiterhin Geschäft gemacht werden konnte, entwickelte die CGH neue Konzepte: So wurde die Parkfläche am Cruise Center Steinwerder als Autokino- und Autokonzertlocation bespielt. Unter dem Titel „CRUISE INN – Once in a Livetime“ wurde ein Veranstaltungskonzept mit allen Hygiene-Vorgaben umgesetzt. In Zeiten von Social Distancing war damit ein Kulturerlebnis möglich, mit Platz für bis zu 620 Autos. Dafür wurden extra eine 220m² große LED-Leinwand sowie eine 154 m² große Bühne aufgebaut, geboten wurde ein abwechslungsreiches Programm für die gesamte Familie. Klassisches Kinoprogramm und Livekonzerte wechselten sich dabei ab, unter anderem trat bei den nahezu vollständig ausverkauften Events der in Hamburg sehr beliebte Songwriter Max Giesinger auf. Seit dem 15. August dürfen, immer nach aktueller Beurteilung der Behörden, 1.000 Besucher ohne Auto, dafür auf festen Sitzplätzen unter freiem Himmel ein echtes Open-Air-Erlebnis genießen – umgeben von Wasser, mit viel maritimen Flair, mitten im Hafen. Um die Auslastung der Gebäude und Flächen effizient zu gestalten, wenn keine Schiffsanläufe stattfinden, vermietet die CGH die Terminals schon seit Jahren für Incentives, Firmenfeiern, Partys, Messen oder Film- und TV-Drehs. Zwei multifunktionelle Eventflächen von 1.750 bzw. 2.400m² für jeweils bis zu 1.400 Gäste mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten stehen allein in Steinwerder zur Verfügung. Die Fläche vor dem Terminal mit rund 1.500 Parkplätzen bietet viele weitere Optionen für Outdoor-Aktivitäten oder Zelte.

Auf der Parkfläche in Steinwerder wurden Events geschaffen

Außerdem setzt Simone Maraschi mit seinem Team auf zwei neue Produkte: Flusskreuzfahrten und Super-Yachten: „Viele wissen gar nicht, dass es attraktive Flusskreuzfahrten mit Hamburg als Start und / oder Ziel gibt. Auf der Elbe bis nach Dresden oder über Kanäle und Seen bis nach Berlin oder an die deutsche Ostsee-Küste, da ist vieles möglich.“ Der deutsche Markt für Flusskreuzfahrten verzeichnete in den vergangenen Jahren zweistellige Wachstumsraten und die Prognosen für die nächsten Jahre sahen vor der Corona-Krise weiteres, großes Wachstum vor, so dass die CGH aktiv an Flussreedereien herangehen wird: „Wir sind optimistisch, dass wir an die Entwicklung der vergangenen Jahre anknüpfen können, wenn der Markt wieder zu einer „neuen Normalität“ gefunden und wollen dieses Potenzial gerne ausbauen.“ Zukünftig sollen es dann weit mehr als die 19 Anläufe von Flusskreuzfahrtschiffen sein, die im Jahr 2019 in Hamburg verzeichnet wurden.

Neuerdings wird auch das Geschäft mit Super-Yachten angekurbelt und mit einer eigens aufgelegten Broschüre vermarktet. Denn Hamburg ist Teil der neuen Superyacht-Nordeuropa-Route mit Städten wie Amsterdam, London, Kopenhagen, Oslo sowie Stockholm. Deutschlands erlebnisreichster Stadthafen ist mit Liegeplätzen direkt in Hamburgs Innenstadt wie an der Überseebrücke die perfekte Anlaufstelle.  Dazu gibt es in direkter Nähe erstklassige Umbau- und Wartungseinrichtungen im Hafengebiet. Derzeit wird mit der Stadt Hamburg eine Machbarkeitsstudie durchgeführt, um weitere Liegeplätze in der Norderelbe zu finden. Bis Ende 2024 soll dann das neue Kreuzfahrt-Terminal am südlichen Überseequartier in Hamburg, das zur Abfertigung von 3600 Passagieren ausgelegt ist, fertig sein.

LNG-Versorgung in Steinwerder

Aber auch für das monatelang brachliegende Kerngeschäft, die Abfertigung von Hochsee-Kreuzfahrtschiffen, wurde einiges getan: Bereits 2016 war am Terminal Hamburg-Altona die erste Landstromanlage für Kreuzfahrtschiffe in Europa entstanden und AIDA bunkert in Steinwerder bereits Flüssigerdgas (LNG) über einen Truck. Zwar machen Kreuzfahrtschiffe nur etwa 1,5 Prozent aller Anläufe im Hamburger Hafen aus und sind in der Regel weit umweltfreundlicher als Fracht- und Containerschiffe ausgestattet, aber die jahrelange, medienwirksame Kritik vieler Naturschutzorganisationen und die Regierungsbeteiligung von Bündnis 90 / Die Grünen im Hamburger Senat zeigte Wirkung: Nachhaltigkeit ist bereits seit Jahren ein wichtiger Faktor beim Ausbau der Kreuzfahrt in Hamburg. Die Stadt hat sich zum Ziel gesetzt, nachhaltigster Kreuzfahrthafen in Nordeuropa zu werden. Spätestens 2023 sollen alle Kreuzfahrtterminals mit Landstromanlagen ausgerüstet sein, Ende 2022 soll mit den Bauarbeiten begonnen werden, um auch die beiden Terminals Steinwerder und HafenCity mit je einer Landstromanlage auszustatten. Dann können Kreuzfahrtschiffe während ihrer Liegezeiten die Bordmotoren abstellen und regenerativen Strom nutzen, so Maraschi: „Damit wird Hamburg der erste Hafen in Europa, der an allen Kreuzfahrtterminals alternative Energiequellen anbietet. Abgasemissionen, die bisher während der Liegezeiten entstanden, können dadurch erheblich vermindert werden.“

Landstrom in Altona

Um einen nachhaltigen Neustart gewährleisten zu können, wurden mit einem umfangreichen Hygienekonzept für die Ein- und Ausschiffungsprozesse die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen. Dazu gehört neben Desinfektionsspendern für die Hände und Maskenpflicht in den Terminals vor allem ein mit den Reedereien abgestimmtes Slot Management: Passagiere bekommen ein genaues Zeitfenster, in dem sie einchecken sollen. Bislang verlief der Restart in Hamburg für Maraschi und die CGH-Crew ohne Probleme: „Wir müssen wir schauen, wie wir auf Dauer aus dieser Phase herauskommen. Ich bin davon überzeugt, dass die Kreuzfahrt gestärkt aus der aktuellen Situation hervorgehen wird, denn die Menschen wollen ja gerne Urlaub machen, das ist eine gute Voraussetzung.“ Bis Ende August konnten 35 Anläufe von Kreuzfahrtschiffen mit Passagieren abgefertigt werden, bis November sind von den Reedereien bereits weitere Abfahrtstermine gebucht.

Bald sollen die Terminals wieder gut gefüllt sein

So ist dem Mann mit der positiven Ausstrahlung auch um die Zukunft nicht bange: „Ich glaube zwar, dass die Kreuzfahrtbranche die Krise nur gemeinsam bewältigen kann. Es muss gelingen, wieder Vertrauen zu schaffen und Kunden wieder zu gewinnen. Wenn die Kreuzfahrtschiffe beliebte Routen und Destinationen wie im Winter ab den USA in die Karibik oder wie aktuell im westlichen Mittelmeer mit Spanien nicht fahren können,  müssen Reedereien sich umorientieren und Alternativen suchen, mit mehr Abfahrten ab deutschen Häfen. Vielleicht entdecken die Reedereien dann Hamburg als Start- und Ziel-Hafen für sogenannte „homecruising“-Reisen wieder: Anstatt im Winter Destinationen in Mittelmeer, Kanaren oder Karibik anzufahren, könnten Passagiere ab Hamburg auf attraktiven Routen fahren. Denn eines, so Simone Maraschi, sei auch während der Corona-Beschränkungen, klar geworden: „Die Sehnsucht nach Kreuzfahrten und Reisen auf dem Meer ist nach wie vor da. Wir sind optimistisch, dass sich das auch in den Zahlen für 2021 widerspiegeln wird.“

Weitere Informationen unter https://www.cruisegate-hamburg.de/