Um Nord- und Ostsee ist es nicht gut bestellt: Der Nährstoffeintrag ist zu groß, die Schadstoffbelastung ist zu groß, die Vermüllung ebenfalls.

Um Nord- und Ostsee ist es nicht gut bestellt, beide deutschen Meere leiden: Der Nährstoffeintrag ist zu groß, die Schadstoffbelastung ist zu groß, die Vermüllung ebenfalls. Das ist das Ergebnis der aktuellen Zustandsberichte für die deutsche Nord- und Ostsee für die der Europäischen Union. Fazit der von den Umweltministerien der Küstenländer verfassten Berichte: „Um einen guten Zustand von Nord- und Ostsee zu erreichen, bedarf es fortgesetzter Anstrengungen.“ Die Bestandsaufnahme der beiden Gewässer ist eine Folge der EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL). Sie ist seit in Kraft getreten. Ziel sollte es sein, bis 2020 einen „guten Zustand“ aller europäischen Meere zu erreichen. Nord- und Ostsee werden das aber nicht schaffen, das steht bereits jetzt fest.

389 Müllteile pro 100 Meter Nordseestrand

Spülsaumsammlungen an der Ostsee haben ergeben, dass pro 100 Meter Strand im Schnitt 47 Müllteile zu finden sind. 70 Prozent davon bestehen aus Kunststoff. Besonders häufig sind Plastikteile, die kleiner als 50 Zentimeter sind, zum Beispiel Plastik- und Styroporstücke oder Folienfetzen. Danach folgen Papier und Pappe mit zwölf Prozent sowie Zigarettenfilter mit neun Prozent. Raucher tragen also nicht unwesentlich zur Verschmutzung bei. An der Nordsee sieht es noch schlechter aus. Dort wurden im Mittel 389 Müllteile pro 100 Meter Strand gefunden. 88,6 Prozent davon bestehen aus Kunststoff. Um die Müllbelastung der Wasseroberfläche zu bestimmen, wird regelmäßig der Mageninhalt von Eissturmvögeln untersucht. Etwa 60 Prozent der Tiere hatten mehr als 0,1 Gramm Plastikmüll im Magen. Dieser deutlich zu hohe Wert ist in den vergangenen zehn Jahren relativ konstant geblieben.

Beim Nährstoffeintrag, der im Wesentlichen von Düngemitteln verursacht wird, sieht es nicht besser aus. Nur sechs Prozent der deutschen Nordseegewässer sind in einem guten Zustand, 55 Prozent weisen zu hohe Einträge auf. Für den Rest (39 Prozent) fehlt eine abschließende Bewertung. Die Ostsee ist sogar zu 100 Prozent mit Nährstoffen belastet – auch eine Folge ihrer Randlage in den Weltmeeren, die eine Wasserauffrischung schwierig macht. Die übermäßige Belastung durch Nährstoffe gilt als eines der größten ökologischen Probleme von Nord- und Ostsee. Die Düngemittel werden vom Regen in die Flüsse gewaschen und dann ins Meer geschwemmt. Dort führen die Nährstoffe unter anderem zu unerwünschten Algenblüten, Änderungen der Planktonzusammensetzung und Trübungen des Wassers.

Lebensräume der Tiere sind beeinträchtigt

Die Lebensräume von Fischen und Seevögeln sind beeinträchtigt. In der Nordsee geht es etwa der Hälfte der Küsten- und Seevogelarten schlecht, in der Ostsee liegt dieser Wert bei 35 Prozent. Von den 32 in der Nordsee begutachteten Fischarten waren nur neun in Ordnung, 15 aber nicht. Die übrigen Arten konnten nicht bewertet werden. In der Ostsee waren sechs Fischarten okay, zwölf nicht, sechs Arten blieben ohne Bewertung. In Schleswig-Holstein sollen in diesem Jahr die Maßnahmen zur Verbesserung der Nord- und Ostsee weiter intensiviert werden. So ist  zum Beispiel eine Gewässerschutzberatung für Landwirte geplant, mit dem Ziel der Nährstoffreduzierung in Küstengewässern der Ostsee. Um dies zu erreichen, ist aber eine gesetzliche Grundlage mit genauen Maßgaben und Werten für die einzelnen Küstenregionen notwendig, die erst erarbeitet und angenommen werden muss. Und ohne regelmäßige Kontrollen ist auch eine solche Maßnahme wohl reine Makulatur.