Rezension Buch "Und jetzt das Wetter" von Silke Hansen, Leiterin des ARD-Wetterstudios. Wirklich ein gelungenes Sachbuch mit vielen Anekdoten.

Viele sind bei der Tagesschau und anderen Nachrichtensendungen vor allem auf das Ende gespannt, denn dann kommt das Wetter. Die Wettervorhersage gehört zu den beliebtesten Sendeminuten im TV und auch sonst ist das Wetter ein beliebtes Gesprächsthema. Mit „Und jetzt das Wetter“ hat Silke Hansen, Leiterin der Wetterredaktion des Hessischen Rundfunks und damit auch für die Wetterberichte der ARD verantwortlich, ein anschauliches Erklärbuch vorgelegt, dass sich flüssig lesen lässt, auch wenn man von der Materie (noch) nichts versteht. Zunächst gibt die Autorin einen Überblick über die Historie des Tagesschauwetters, von den Anfängen im deutschen Nachkriegsfernsehen bis zur hin modernen Computertechnik der Tagesschau von heute. In der Anfangszeit behalfen sich die Meteorologen mit einfachsten Mitteln: mit dicken Stiften wurde auf die Wetterkarten gezeichnet und wenn Schnee vorherzusagen war, schneite es kleine Papierflöckchen im Fernsehstudio. In den 1960-ern wurde dann mit Trickfilmkameras gearbeitet. Grafiker zeichneten die einzelnen Bilder, 25 Einzelbilder ergaben eine Sekunde Film. So war ein „fließender“ Ablauf mit Wetterfronten möglich. Die Temperaturen wurden mit Abreibezahlen auf die Filmfolie gerubbelt, machte ein Grafiker einen Fehler, musste er wieder von vorne anfangen.

Danach zeigt Hansen auf, wie das Wetter entsteht, veranschaulicht die Großwetterlagen, vom Azorenhoch bis zum Islandtief, erklärt Phänomene wie Polarlicht oder Regenbogen und ordnet Begriffe wie die Unwetterwarnung mit ihren vier Stufen ein. Da kommt viel Interessantes und für Laien Neues vor: eine Wolke wiegt mindestens so viel wie ein Elefant, Schneeglöckchen haben eine eingebaute Heizung und der Altweibersommer hat nicht mit älteren Damen zu tun, sondern mit dem althochdeutschen Wort „weiben“, welches das Knüpfen von Spinnweben bezeichnet. Im Herbst kann man bei Sonnenlicht besonders viele Spinnweben im Wind wehen sehen, darum heißen ungewöhnlich warme und sonnige Herbsttage, die über einen längeren Zeitraum andauern, Altweibersommer. Die Erklärungen sind anschaulich und gut verständlich: so kann man sich den Unterschied zwischen Hochdruck- und Tiefdruckgebieten wie Höhenunterschiede vorstellen. Ein Hochdruckgebiet ist ein Berg, Tiefdruck ein Tal und da die Natur versucht Unterschiede auszugleichen, fließt die Luft Vom Berg zum Tal. Je größer der Druckunterschied auf kleinem Raum ist, desto stärker der Wind.

Außerdem gibt Hansen, die auch für die Wetterberichte der ARD für die Olympischen Spiele verantwortlich war, auch Blicke hinter die Kulissen. So stellt sie beispielsweise dar, warum es bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking, trotz gegenteiliger Wetterlage und -vorhersage, keinen einzigen Tropfen regnete. Denn genau das, keinen Regen, hatte die chinesische Regierung zuvor versprochen. Tatsächlich zog am Abend der Eröffnungsfeier ein breites Regenband auf das Nationalstadion zu. Auf dem Radar war aber deutlich zu erkennen, dass dieses etwa zehn Kilometer vor dem Stadion auf einmal stoppte: die Regierung hatte von 21 Stellen aus insgesamt 1.104 Raketen mit Silberiodid auf die Wolken abschießen lassen und so dafür gesorgt, dass diese abregneten. (Warum das funktioniert, erklärt Hansen auch im Buch)

Auch die Schwierigkeiten bei der Entstehung einer genauen Wettervorhersage werden beleuchtet. Egal, wie gut die Prognosemodelle sind, Wetter ist und bleibt ein sehr komplexes System und längere Vorhersagen ungenau. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Wetter so wird, wie vorhergesagt, liegt für den nächsten Tag bei erstaunlichen 95 Prozent. Doch bereits für den übernächsten sind es nur noch 85 und am fünften Tag nur noch 50 Prozent. Neben den interessanten Informationen besticht die Neuerscheinung vor allem durch die grafische Aufmachung. Mithilfe vieler anschaulicher Grafiken und Tabellen werden komplizierte Wetterzusammenhänge erläutert, sodass sie leicht verständlich sind. Außerdem bieten QR-Codes die Möglichkeit, einige der Themen zu vertiefen. Wirklich ein gelungenes Sachbuch mit vielen Anekdoten.

Weitere Informationen unter https://www.delius-klasing.de/buecher

Und jetzt das Wetter

Silke Hansen

DeliusKlasing Verlag

Gebunden, 160 Seiten, 19,90 Euro, ISBN: 978-3667118295