Venedig und Mallorca fehlen die Kreuzfahrt-Gäste, Venedig ist komplett leer und in Mallorca fehlen rund 100 Millionen Euro an Einnahmen

Seit Jahren schwelt die Diskussion über zu viel Tourismus in Venedig und Mallorca. Jetzt, wo aufgrund des Corona-Virus und den damit verbundenen Auflagen sowohl die Inlands- als auch vor allem die ausländischen Touristen in beiden Destinationen fernbleiben müssen und Hotels und Restaurants leerbleiben oder ganz geschlossen sind, merken beide Ziele wie sehr die einheimische Wirtschaft auf Urlauber und Reisende angewiesen ist. Derzeit ist Venedig wegen der strikten Ausgangssperren und Reisebeschränkungen, die für ganz Italien gelten, komplett leer. So haben die Verantwortlichen in der Lagunenstadt in der Corona-Krise zur Unterstützung durch den Tourismus aufgerufen: „Jedem, der sich in den kommenden Monaten bewegen kann, sage ich: Kommt nach Venedig”, erklärte Bürgermeister Luigi Brugnaro auf Twitter. Die Stadt arbeite daran, die Strände wiederzueröffnen. Im September finde auch das internationale Filmfest statt. Brugnaro stellte ein Dokument vor, das 65 Verbände unterzeichnet haben. Darin rufen sie die italienische Zentralregierung in Rom dazu auf, klare Vorgaben zu machen, wie und wann zum Beispiel Hotels die Arbeit wieder aufnehmen können. Auch Kreuzfahrtschiffe mit ihren Tausenden von Gästen tragen viel zum Umsatz in Venedig bei: Neben vergleichsweise hohen Liegegebühren und Nebenkosten für Lotsen, Festmacher, Kofferkulis etc. lässt jeder Kreuzfahrttourist nach Berechnungen des Kreuzfahrtverbandes etwa 120 Euro pro Tag in Venedig. Venedig ist fast komplett vom Tourismus abhängig. “Wir können es uns nicht mehr leisten, eine der wichtigsten Industrielokomotiven des Landes anzuhalten”, sagte Brugnaro. Normalerweise wird die Stadt von Besuchern überlaufen und wollte daher ab Juli eine Eintrittsgebühr in Höhe von bis zu zehn Euro verlangen. Dieses Vorhaben wurde nun um ein Jahr verschoben. Für die riesigen Kreuzfahrtschiffe war bereits vorher eine Lösung gefunden worden: Zukünftig sollen große Schiffe mit mehr als 55.000 Tonnen nicht mehr durch das historische Zentrum der Lagunenstadt fahren dürfen. Stattdessen sollen die Ozeanriesen eine andere Route befahren, in Marghera am Festland anlegen. In die Lagunenstadt kommen die Passagiere dann nur noch mit kleineren Tenderbooten, Wassertaxis oder mit dem Zug. Allerdings dürften noch drei bis vier Jahre ins Land ziehen, bis das notwendige neue Kreuzfahrtterminal in Maghera gebaut ist.

Mallorca wird durch die Coronakrise im Jahr 2020 etwa 60 Prozent weniger Kreuzfahrtschiffe begrüßen können als erwartet. Das hat schwere wirtschaftliche Folgen. Die Hafenbehörde der Balearen hatte für dieses Jahr 586 Anläufe von Kreuzfahrtschiffen in Palma vorgesehen. Da die spanischen Häfen und Flughäfen bis auf Weiteres geschlossen sind, werden rund 350 Schiffsanläufe nicht stattfinden. Dies bedeutet ein Minus von rund einer Million Kreuzfahrttouristen. Erhebungen der Kreuzfahrtbranche zufolge lässt ein Kreuzfahrer rund 100 Euro pro Tag auf Mallorca, dies bedeutet dementsprechend 100 Millionen Euro weniger in den Kassen der touristischen Betriebe und Läden der Baleareninsel. Auf Mallorca waren für das gesamte Jahr 2020 rund 2,1 Millionen Kreuzfahrttouristen erwartet worden.

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https://www.mallorcamagazin.com/nachrichten/tourismus/2020/04/27/79659/millionenverluste-durch-fehlende-kreuzfahrer.html