Rezension / Buchkritik "Bilderbuchland", Lennart Menkhaus, Conbook Verlag. Ein Land in neuem Licht, anderen Farben und einer völlig veränderten Sichtweise. Originell und außergewöhnlich.

Eine Deutschland-Reise in ungewöhnlichen Bildern bietet „Bilderbuchland“, ein hervorragend gestalteter Band des Illustrators Lennart Menkhaus. In den 60 Grafiken erlebt der Betrachter eine höchst individuelle Auswahl weltberühmter und weniger bekannter Reiseziele des Landes mit der ganz besonderen Sichtweise des Autors. Denn die Bilder dieser Reise von Nord nach Süd und zurück springen einen durch Form- und vor allem Farbgebung förmlich an. In schrillen Neonfarben knallen die Illustrationen dem Betrachter entgegen und sind durch Kontraste mit eher gedeckten Farben trotzdem nicht unruhig, sondern für das Auge erst einmal ungewöhnlich. Der Autor hat jeweils markante Punkte der gewählten Orte dargestellt und auf seine Weise, mit eigener Perspektive und Sichtweise, farblich interpretiert. Die Farbauswahl ist vielfältig und bunt gewählt, nur auf grün und rot verzichtet der Zeichner, verwendet aber oft knallige Farben wie rosa, lila oder hellblau.

Der zeichnerische Roadtrip durch die Bundesrepublik beginnt in Westerland auf Sylt, führt die Nordseeküste herunter über Hamburg nach Niedersachsen und ins Ruhrgebiet. Dabei macht Menkhaus Halt an eher ungewöhnlichen, wenn auch bekannten Orten, wie dem Heavy-Metal-Mekka Wacken, in Bad Harzburg, Norden oder Leer. Und wer würde Gelsenkirchen oder Bochum als Touristenmagnet sehen? Aber darum geht es nicht in diesem Band, denn diese individuelle Deutschlandreise des Autors bringt dabei beispielsweise in Bochum-Langendreer den „Rockpalast“ zeichnerisch zur Geltung. Oder das „Eiertrullern“ in Leer sowie den Harzer Runx Munx, ein Gericht aus Weißkohl, Steckrüben und Schmorwurst. Denn an einigen Orten widmet sich der 30-jährige den für die Region typischen kulinarischen oder alkoholischen Spezialitäten wie der „Lüttjen Lage“ in Hannover.

Über Köln und Frankfurt geht es in den Süden der Republik bis nach Garmisch-Partenkirchen und Oberstdorf.  Von München aus führt die illustrierte Reise über Rothenburg ob der Tauber in den Osten, wo in den fünf neuen Bundesländern mit Zwickau, Geburtsstätte des Trabants, sowie Graefenhainichen, der „Stadt aus Eisen“ ganz besondere Perlen warten. Einige Großstädte waren für den Zeichner nicht in einem Bild zu fassen: Natürlich ist Berlin prominent vertreten, mit vier Bildern zu Mitte, Charlottenburg, Friedrichshain-Kreuzberg und dem Tempelhofer Feld. Hamburg ist natürlich mit St. Pauli, Altona und dem Hafen vertreten. Neben Haupt- und Hansestadt sind auch München, Köln und Frankfurt/Main mehrfach abgebildet. Ab Berlin geht es Richtung Norden an die Ostsee, das letzte Bild ist Kiel, der „Sailing City“ mit der Kieler Koche, gewidmet.

Zu jedem Ort gibt es einen kleinen Text mit diversen Infos zu Lage, Besonderheiten und Highlights. Auch wenn einige ungewöhnliche, skurile oder gar witzige Beschreibungen dabei sind, der Text stört eher. Denn die Illustrationen sind liebevoll und sehr detailreich, so dass jede Seite ein Unikat darstellt, welches ohne ablenkenden Textblock auf den Betrachter noch stärker wirken würde.    Durch die an pop art erinnernden Illustrationen schafft Lennart Menkhaus in „Bilderbuchland“ besondere Kontraste sowie Lichtspiele und Gegensätze. Dadurch hat der in Hamburg lebende Zeichner Stimmungen und eine ganz besondere Atmosphäre in seine Bilder gebracht. Die Lübecker Silhouette mit Holstentor, Marienkirche und Kaufmannshäusern an der Untertrave in knallpink ist Andy Warhol nachempfunden worden. Jedes Bild ist ein Gemälde, das man sich ins Wohnzimmer hängen könnte.

So wird Deutschland zur Buntes-Republik und kann von der Couch aus neu entdeckt werden – ein Land in neuem Licht, anderen Farben und einer völlig veränderten Sichtweise. Originell und außergewöhnlich.

Bilderbuchland

Lennart Menkhaus

Conbook Verlag

Hardcover, 128 Seiten, 19,95 Euro

ISBN: ‎ 978-3958894006

Weitere Informationen unter https://www.conbook-verlag.de/buecher/bilderbuchland/