Reportage einer Kreuzfahrt auf dem Douro mit der Douro Queen von nicko cruises, mit vielen Bildern, das Dourotal ist UNESCO-Weltkulturerbe

Im warmen Licht der Abendsonne leuchten Portos bunte Häuser, über denen die mächtige Kathedrale thront. Die zweitgrößte Stadt Portugals erstreckt sich entlang der nördlichen Uferhänge des Douro bevor sich dieser in den Atlantik ergießt.  Die Römer, die die Stadt im Jahr 136 vor Christus gründeten, brachten auch den Wein nach Nordportugal. Im 13. Jahrhundert wurden im Dourotal neue Weingärten angelegt und der Vinho de Lamego, ein Vorgänger des Portweins, produziert und über den Douro nach Porto verschifft.

Die Bezeichnung „Portwein“ konnte in alten Zolldokumenten erstmals für das Jahr 1678 nachgewiesen werden. Aufgrund der steigenden britischen Nachfrage nach Wein sowie der damals schlechten Beziehungen zu Frankreich suchten englische Kaufleute gegen Ende des 17. Jahrhunderts in Spanien und Portugal nach exportfähigem Wein. In einem Kloster am Douro sollen englische Kaufleute das köstliche Getränk entdeckt haben. Das Geheimnisdieses besonderen Weins bestand darin, während der Gärung Branntwein hinzuzufügen, wodurch der Gärprozess gestoppt wird. Der nicht vergorene Restzucker der Trauben verleiht dem Portwein seinen süßen Geschmack.

Der süßliche Geruch hängt auch leicht in den Gassen des Städtchens Villa Nova de Gaia, direkt gegenüber von Porto am anderen Ufer des Douro. Er stammt vom noch reifenden Portwein, der in großen Holzfässern in kühlen Steinkellern lagert, bevor er auf Flaschen gezogen wird. Am Ufer von Villa Nova machen die Flusskreuzfahrtschiffe wie die „Douro Queen“ fest, mit Panoramablick auf Porto. Auf dem Fluss liegen pittoresk die flachen, schmalen Barcos Rabelos aus Holz, traditionelle Portweinboote mit denen die frisch ausgelagerten Jahrgangsfässer von den Winzereien entlang des Douro noch bis ins 20. Jahrhundert nach Porto gebracht wurden. Jetzt schaukeln sie nur noch träge als dekorativer Blickfang für Touristen, der kostbare Rebensaft kommt inzwischen mit dem Tanklaster in die Stadt.

 

Vor dem Bug der „Douro Queen“ wölbt sich die Stahlkonstruktion der schmiedeeisernen Dom Luís-Brücke, die hinüber nach Porto führt. Über den gewaltigen Bogen verläuft die Eisenbahntrasse, die untere Bahn gehört Autos und Fußgängern. Das beeindruckende, über dem Wasser schwebende 174 Meter hohe Bauwerk, wurde von keinem Geringeren als Gustave Eiffel im Jahr 1886 erbaut.

Porto gehört aufgrund seiner historischen Gebäude und Denkmäler seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Altstadt erstreckt sich vom Douro hinauf auf Hügel mit malerischen Plätzen, verwinkelten, steilen und eng verzweigten Gassen mit verschachtelten Häusern. Einen Panoramablick genießt man vom Torre dos Clerigos, mit 75 Metern der höchste Kirchturm Portugals. Die Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert und vor allem die ehemalige Börse aus dem 19. Jahrhundert sehen wie Paläste aus, beide sind reich mit Skulpturen, Gemälden und Freskomalereien portugiesischer Altmeister ausgestattet. Entlang der Avenida Dom Alfonso Henriques gelangt man zum Bahnhof Sao Bento mit seinen prachtvollen Fliesenmosaiken.

Die Heimat des Portweins ist eines der spektakulärsten Flusskreuzfahrtgebiete Europas: Sobald das pittoreske Stadtbild Portos hinter der letzten Flusskurve verschwunden ist, säumen Pinien, Zypressen, Korkeichen und sogar Palmen das Ufer. Sanft steigt das Land an, erste Weinberge tauchen auf, die Terrassen kontrastieren mit Oliven- und Mandelplantagen zwischen kleinen Dörfern. Das Ufer des Douro ist zwischen Porto und Regua stärker besiedelt als das übrige Flusstal. Zahlreiche Ortschaften und Hochbrücken säumen den Weg bis zur ersten Schleuse, in der das Schiff mehr als 14 Meter angehoben wird. Richtig imposant ist allerdings erst der nächste Halt, an der Schleuse von Carrapatelo.  Vor dem Schiff geht eine gewaltige Stahlwand hoch, ein Wasservorhang rauscht herab, dann schiebt sich die „Douro Queen“ in die Schleusenkammer. Sobald das Schiff drin ist, kommt die Wand wie das Fallbeil einer Guillotine wieder herunter – aber im Zeitlupentempo. Dann füllt sich die Schleusenkammer bis das Schiff 35 Meter höher weiterfahren kann, eine knappe halbe Stunde dauert die gesamte Prozedur. Diese 35 Meter sind der größte Höhenunterschied während der Kreuzfahrt, wegen des massiven Gefälles sind nur 220 Kilometer des Douro schiffbar. Die Strecke bis zur spanischen Grenze wurde in den 1930-er Jahren mit vier Staumauern mit Schleusen gezähmt. Zuvor war auch das erste Stück ab Regua für die Schiffer mit den Holzbooten, die den Portwein transportierten, wegen Stromschnellen, Untiefen, schmalen Stellen sowie engen Biegungen ein abenteuerreiches Wagnis und so manches Mal ging die kostbare Fracht verloren.

Die „Douro Queen“ wurde mit ihrem geringen Tiefgang und nur 78 Meter Länge speziell für den engen Douro gebaut. Das Interieur wird von dunklen Hölzern und warmen Farben bestimmt. Alle 65 Unterkünfte (15 m²) sind Außenkabinen, auf dem Oberdeck mit kleinem Balkon. Ein Fahrstuhl und ein Treppenlift sorgen dafür, dass auch Gäste mit eingeschränkter Mobilität alle Decks gut erreichen können. Auf dem Sonnendeck lässt sich nicht nur hervorragend die vorbeiziehende Landschaft betrachten, sondern es steht auch ein kleiner Pool zur Verfügung. Das Speisenangebot ist immer wieder von der lokalen Küche inspiriert wie frischem Fisch, Eintöpfen oder Chorizo, dazu gibt es Spezialitäten-Buffets.

Am nächsten Morgen passiert das Schiff das wohl bekannteste portugiesische Weingut – Sandeman leuchtet es in großen weißen Lettern über den weitläufigen Rebhängen. Mühsam ringen die Weinbauern dem wilden Land sonnenverwöhnte Früchte ab. Bis zu sieben Meter tief dringen die Wurzeln der Reben in das Schiefergestein. Über enge Serpentinen geht es mit dem Bus zu einer traditionellen Quinta. Das Weingut liegt auf einem hohen Plateau mit spektakulärem Blick über die steil abfallenden Weinberge hinunter zum träge dahinfließenden Douro. Der Begriff „Quinta“ erinnert an das Fünftel der Ernte, welches die Arbeiter einst untereinander aufteilen durften.

Nach einer Führung durch den Keller des Weinguts wird eine Probe mit drei verschiedenen Jahrgängen gereicht. Es gibt zwei Hauptvarianten, den „Ruby“, einen kräftigen, fruchtigen Verschnitt verschiedener junger Jahrgänge mit rubin- oder kirschroter Farbe, der nach zwei bis drei Jahren Lagerung filtriert und abgefüllt wird, sowie den „Tawny“, der nach der Lagerung in Rohre umgefüllt und so belüftet wird, so dass der Rebensaft mehr oxidiert und schneller altert. So bekommt der „Tawny“ einen Geschmack, der an trockene Früchte erinnert und hellt auf. Das Farbspektrum reicht von granatrot, kastanienrot über ein orange-rotbraun bis zu sehr hellen bernstein- oder goldfarbenen Tönen.

Im nächsten Stopp, Reguá, geht es kurvenreich durch steile Weinterrassen zum hoch in den Bergen liegenden Vila Real mit dem Mateus-Palast aus dem 18. Jahrhundert, der mitten in einer der schönsten Gartenanlagen Portugals liegt: Uralter Baumbestand und bizarr geschnittene Hecken mit einem Labyrinth ähnlichen Wegen. Der Barock-Palast mit seinen weißen Stuckfassaden besticht durch prunkvolle Räumlichkeiten mit aufwendigen Holzdecken und viel Malerei aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Später, im Dorf Pinhao mit seinen rund 700 Einwohnern, ziehen die berühmten Azulejos, die typischen blau-weißen Kachelbilder, die Touristen an. Die kunstvollen Kacheln an vielen Häusern und vor allem am Bahnhofsgebäude prangen. Sie zeigen, wie mühsam Weinanbau, Lese und Transport früher waren, mit Ochsenkarren, Ruder- und Segelbooten.

Nach dem Ort geht es gleich durch dramatisch enge und felsige Schieferschluchten. Eine große Inschrift an einer der Steilwände zeigt an, dass hier 1780 Felsen gesprengt werden mussten, um eine sichere Durchfahrt für die Weinschiffe nach Porto zu ermöglichen. 25 Jahre zuvor waren 250.000 Hektar Rebenland zum staatlich geschützten Portweingebiet erklärt worden. Heute zählt das Dourotal zum UNESCO-Weltkulturerbe. Das Wasser ist dunkelgrün und spiegelglatt, Kormorane schweben knapp über der Wasseroberfläche, am Ufer beäugen Reiher und Störche das Schiff. Völlig unvermittelt taucht in dieser Idylle die Valeira-Schleuse auf, die die „Douro Queen“ 33 Meter hinauf auf den letzten Flussabschnitt bis Barca d´Alva hebt. Hier endet der schiffbare Teil des Douro, der Fluss verschwindet in einer langen, engen Schlucht und bildet die Nordostgrenze zwischen Portugal und Spanien.

Vom Grenzort geht es mit dem Reisebus ins spanische Salamanca, die goldgelbe Stadt. Denn sämtliche Gebäude im historischen Zentrum sind mit gelbem Sandstein verkleidet. Zentrum ist die quadratische Plaza Mayor mit ihren Arkaden, die als Spaniens prächtigster Hauptplatz gilt. Das Stadtbild wird dominiert durch zwei Kathedralen: die „neue“ aus dem 16. und die Alte aus dem 12. Jahrhundert, sowie dem Kloster Las Duenas, dem mit mehr als 300 Jakobsmuscheln verzierten Palast casa de las Conchas und natürlich der Alma Mater, 1218 gegründet und damit eine der ältesten Universität Europas. Vor dem Portal sucht das Auge lange den Frosch, der den Studenten bei Prüfungen Glück bringen soll. Wer den Doktortitel erlangt, darf nach jahrhundertealter Tradition das Victor-Symbol auf den akademischen Wänden aufbringen. Inzwischen ersetzt rote Farbe das früher verwendete Stierblut.

Erster Halt auf der Rückfahrt ist erneut Regua, der Ausflug geht nach Lamego, einem Städtchen im Zeichen des portugiesischen Barocks. Berichte über Wunderheilungen machten Lamego zu einem überaus beliebten Wallfahrtsort.  Eine Freitreppe aus Granit mit 600 Stufen, flankiert von Mauern mit Skulpturen und prachtvollen Schmuck-Kacheln, führt hinauf zur Pilgerstätte, der Barockkirche Nossa Senhora dos Remedios. Viele Strenggläubige auf der Suche nach Vergebung oder Erlösung pilgern dort hoch – auf den Knien!

Zurück in Porto bleiben noch der gesamte Nachmittag und der Abend, um ein wenig durch die Stadt zu bummeln und auf der Einkaufsstraße Rua das Flores mit ihren Jugendstilhäusern und kleinen Geschäften zu flanieren. Unbedingt besuchen sollte man auch die 1906 eröffnete Livraria Lello e Irmao, eine der schönsten Buchhandlungen der Welt, mit imposanter Holzfreitreppe, Stuck und Holzverzierungen und einem farbigen Glasfenster an der Decke.

Abends empfiehlt sich dann eines der urigen Restaurants am gegenüberliegenden Ufer in Villa Nova, mit Blick auf die gewaltige Bogenbrücke, die erleuchteten Häuser und die Kathedrale auf der Spitze des Hügels von Porto.

 

Weitere Informationen zu Douro-Kreuzfahrt und Schiff unter https://www.nicko-cruises.de/reise/lis-que sowie  https://www.nicko-cruises.de/flotte/flussschiffe/ms-douro-queen