Buchkritik Rezension "Eigenbedarf" von Michael Opoczynski, Benevento Verlag. Wirtschaftskrimi, der auch gesellschaftliche & politische Aspekte beleuchtet

„Eigenbedarf“ ist der dritte Fall der Berliner „Gesellschaft für unkonventionelle Maßnahmen“, die sich aus Privatpersonen mit unterschiedlichsten Fachkenntnissen zusammensetzt und über beste Kontakte zur Polizei verfügt. In diesem Krimi geht es um die Gentrifizierung in der Hauptstadt: Rechtschaffende Mieter sollen mit allen Mitteln aus ihren Wohnungen vertrieben werden. Das können die sechs Mitglieder der „Gesellschaft für unkonventionelle Maßnahmen“ nicht einfach hinnehmen und so sagen sie den Spekulanten mit ihrem Mietterror den Kampf an. Gleichzeitig – es stehen Wahlen vor der Tür – wird Kriminalhauptkommissar Dreier zum Leiter der „SOKO Miethaie“ ernannt. Aber ständige Interventionen aus höchsten politischen Kreisen machen ihm das Leben schwer. Da trifft es sich gut, dass Dreier mit einem Mitglied der „Gesellschaft für unkonventionelle Maßnahmen“ befreundet ist.

Auch wenn man die vorangegangen Teile nicht kennt, findet man leicht in die Geschichte, dieser Fall steht für sich allein. Die Story wird abwechselnd aus den verschiedenen Perspektiven der Hauptakteure erzählt. Autor Michael Opoczynski war viele Jahre als investigativer Journalist tätig, unter anderem als Leiter und Moderator der ZDF-Sendung WISO. Seine Erfahrungen aus Wirtschaft und Politik lässt er in dieses Buch einfließen: Kritisch beleuchtet Opoczynski nicht nur die Entwicklungen am Immobilienmarkt, sondern auch Themen wie Rechtextremismus innerhalb des Polizeiapparats, soziale Gerechtigkeit und die Schattenseiten des kapitalistischen Wirtschaftssystems.

Der Schreibstil ist griffig und sorgt für kurzweilige Unterhaltung. Spannung kommt aber nur gegen Ende des Buches auf, denn die Geschichte baut sich langsam und mit vielen, aber überaus interessanten Hintergrundinformationen zu den Methoden am Mietmarkt auf.  Da sich der Spannungsbogen auf überschaubarer Höhe bewegt, werden Krimifans, die actiongeladenen Nervenkitzel suchen, wahrscheinlich wenig Freude haben, auch wenn sogar noch ein Mord passiert. Wer sich aber für die zunehmenden Probleme auf dem Wohnungsmarkt interessiert oder einfach mal einen unkonventionellen Kriminalroman lesen möchte, ist mit diesem Buch bestens bedient. Michael Opoczynski greift in „Eigenbedarf“ ein topaktuelles Thema auf. Entstanden ist ein fundierter Wirtschaftskrimi, der auch die gesellschaftlichen und politischen Aspekte beleuchtet.

Eigenbedarf

Michael Opoczynski

Benevento Verlag

Gebunden, 240 Seiten, 20 Euro

ISBN: ‎ 978-3710900662

Weitere Informationen unter https://www.beneventobooks.com/produkt/eigenbedarf/