Rezension / Buchkritik "Figuren in der Landschaft", Paul Theroux, Hoffmann und Campe, die Reportagen und Essays sind sprachlich ein Hochgenuss

„Figuren in der Landschaft“ ist nach „Sunrise with Seamonsters“ (1984) und „Fresh air Fiend“ (2001) der dritte Band voller Essays und Geschichten des US-Reiseschriftstellers Paul Theroux. Insgesamt 30 Stücke enthält der mehr als 500 Seiten dicke Band. Alle wurden von Theroux sorgfältig ausgesucht aus den Hunderten von Reportagen, die er u.a. ursprünglich für den New Yorker, die Washington Post, das New York Times Magazine oder Harper´s Bazar geschrieben hat. Mit mehr als 40 Romanen und Erzählungen ist Theroux einer der bekanntesten englischsprachigen Schriftsteller der Gegenwart, und hat einen unverkennbar eigenen Stil als Reiseschriftsteller. In „Figuren in der Landschaft“ kommt aber auch eine weniger bekannte Seite Therouxs zum Vorschein, denn der mittlerweile 80-jährige hat in seinem langen Berufsleben auch viele Auftragsarbeiten zu Buchrezensionen und Portraits berühmter Menschen angenommen. Dem Vielleser kam dabei zugute, dass er versuchte, von Schriftstellern, die ihn interessierten, immer das Gesamtwerk zu lesen, darunter gerade auch unbekanntere Veröffentlichungen sowie unterschiedliche Biografien. So schaffte Theroux ein stabiles Fundament, auf dem er seine Essays aufbaut.

So sind die Stücke zu den Schriftstellern wie Henri David Thoreau, Paul Bowles, William Somerset Maugham, Graham Greene, Georges Simenon oder Hunter S. Thompson, mit dem Theroux persönlich befreundet war, nicht nur Betrachtungen zu Biografie, Werken und Stil des jeweiligen Autors, sondern in dichter Reportageform sowie bildhafter Sprache geschriebene Miniaturen, die ein umfassendes Bild ergeben. Theroux erweist sich nicht nur als Kenner und hervorragender Beobachter, sondern es gelingt ihm sprachlich spielend selbst sehr theoretische Sachverhalte spannend darzustellen.

Absolute Reportage-Highlights sind seine Artikel zu Schauspieler Robin Williams und Elizabeth Taylor: Bei Williams gelingt es ihm großartig den inneren Spagat und die Zerrissenheit des Komikers sowie des mit sich selbst hadernden Menschen darzustellen; der geniale Unterhalter und Schauspieler, der schlussendlich seinen seelischen Abgründen nicht entkommen konnte. Die Diva traf er mehrmals, unter anderem zu einem Besuch ihres guten Freundes Michael Jackson auf dessen Neverland-Ranch. Die Beobachtungen von Theroux, seine pointierten, aber nie wertenden, Anmerkungen und Einordnungen der Handlungen des exzentrischen, extrovertierten Hollywoodstars, sind nicht nur ein tolles Portrait, sondern ein großes Lesevergnügen.

Die Reise- bzw. Länderreportagen in diesem Band beschäftigen sich mit Afrika, dem Kontinent, dem sich Theroux seit seiner Zeit beim Peace Corps besonders verbunden fühlt. Kenntnisreich schildert Theroux die Probleme Liberias und schreibt über die Enteignungen in Simbabwe. Zum Abschluss des Buches wird es sehr persönlich: So erfährt man in den drei Kapiteln zum Schluss noch vieles über den Schriftsteller selbst. Im Essay „Lieber alter Dad“ mit Erinnerungen an seinen Vater lernt der Leser auch Kindheit und Jugend Paul Therouxs kennen. So erfährt man, dass er mit 19 Jahren ein uneheliches Kind zeugte – 1961 in den puritanischen USA eine Ungeheuerlichkeit – dies gemeinsam mit seiner damaligen Freundin zur Adaption freigab und erst 40 Jahre später vom Werdegang seines Sohnes erfuhr, der es zum Ivy-League-Absolventen mit erfolgreicher Karriere gebracht hatte. Seine Collegejahre beschreibt er in „Mein wahres Ich“ und sein Werden als Schriftsteller in „Das Problem mit der Autobiographie“.

Die Reportagen und Essays sind sprachlich ein Hochgenuss und wenn es um das beobachtende Schreiben geht, gehört der Altmeister mit seinem typischen Stil ohnehin zu den besten in diesem Genre.

Figuren in der Landschaft

Paul Theroux

Hoffmann und Campe

Gebunden mit Schutzumschlag, 525 Seiten, 28 Euro

ISBN: ‎ 978-3455011869

Weitere Informationen unter https://hoffmann-und-campe.de/products/1298-figuren-in-der-landschaft