Buchkritik/Rezension "Flaschenpost. Ferne Botschaften, frühe Vermessungen und ein legendäres Experiment", Wolfgang Struck, mare Verlag

Mit „Flaschenpost. Ferne Botschaften, frühe Vermessungen und ein legendäres Experiment“ aus dem mareverlag ist soeben ein neues Buch erschienen, das sich der Enträtselung der Meere durch das Aussetzen und wissenschaftliche Verfolgen von dem Meer übergebenen Flaschen widmet. In dem gebundenen, schön illustriertem Buch von Wolfgang Struck, Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Erfurt, geht es um die Sammlung Neumayer, die in der Bibliothek des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg verwahrt wird.

Eingeklebt in vier große Alben enthält diese Sammlung mehr als 600 Botschaften, die einst in Flaschen über die Weltmeere drifteten und mittels eines in den Flaschen steckenden, vorbereiteten Formulars an die Deutsche Seewarte, den Vorläufer des Bundesamtes, nach Hamburg geschickt wurden. Dort wurden die Nachrichten dann von Georg Balthasar Neumayer, einer der ersten Ozeanographen Deutschlands und heutzutage vor allem bekannt als Namensgeber der deutschen Antarktis-Forschungsstation, katalogisiert und ausgewertet. Denn das Ganze war ein großangelegtes Experiment: Am 14. Juli 1864 kurz vor Kap Hoorn gründete Georg Neumayer mit seiner ersten Flaschenpost die maritime Strömungsforschung. Sein Instrument war die Flaschenpost, denn mittels Flaschendriften wollte er die Strömungen in den Meeren und Ozeanen nachvollziehen und so zur Enträtselung der Meere beitragen. Später bat er Schiffskapitäne, mit einem Formular bestückte Flaschen auf hoher See auszusetzen. Der Finder wurde dann gebeten, dieses Formular ausgefüllt und mit Daten zum Fundort versehen an die Hamburger Seewarte zurückzusenden.

Mehr als 600 Antworten konnte Neumayer so sammeln und in Alben dokumentieren. Autor Struck geht dieser Sammlung mit wissenschafts- und kulturgeschichtlichem Blick auf den Grund: Er berichtet anhand ausgewählter Botschaften von den oft rätselhaften Routen der Flaschen, aber auch von den Kapitänen und Passagieren, die sie aussetzten, sowie von Fischern, Strandgutsammlerinnen und Hafenbeamten, die sie fanden. Neben den Stücken aus der Sammlung erzählt Wolfgang Struck auch von besonderen Flaschenposten, wie die drei Exemplare, die verzweifelte Passagiere als letzten Abschiedsgruß an ihre Angehörigen beim Untergang des Dampfschiffes “London” über Bord des sinkenden Schiffes warfen.

Eine reich bebilderte und bibliophil ausgestattete Wissenschafts- und Kulturgeschichte der Flaschenpost. Hintergründig und trotzdem unterhaltsam.

 

Flaschenpost

Wolfgang Struck

mareverlag

Gebunden, mit Lesebändchen, 224 Seiten, 36 Euro

ISBN: 978-3-86648-673-7

Weitere Informationen unter https://www.mare.de/buecher/flaschenpost-8673