Nach der Insolvenz mehrerer kleinerer Kreuzfahrtreedereien steht jetzt mit Genting-Hongkong ein ziemlich großer Player vor großen finanziellen Problemen.

Update 3.8.: Das Kreuzfahrtschiff Global Dream, das auf den insolventen MV Werften gebaut wird, ist zwar zu 70 Prozent fertiggestellt, aber Abschlussarbeiten und ein Verkauf gestalten sich schwierig, das Schiff liegt im Dock in Wismar. Nach dem mit Stena Line der einzige Interessent abgesprungen ist, versucht Insolvenzverwalter Christoph Morgen das 342 Meter lange Schiff mit einer Kapazität für bis zu 9.500 Menschen an den Mann zu bringen. Die Kieler Werft Thyssen Krupp Marine Systems, die die betroffene Werft in Wismar, übernommen hatte, wird das Schiff auf keinen Fall übernehmen, benötigt aber das Dock, in dem die Global Dream liegt, spätestens bis Ende nächsten Jahres, um U-Boot-Sektionen bauen zu können. Die Global Dream soll die Halle verlassen und kann während des Jahres 2024 an der Ausrüstungskaje liegen – danach muss sie aber endgültig aus der Werft. Was mit dem Rohbau geschehen soll, ist völlig unklar. Es gibt Vorschläge ihn zu einem Viehtransporter umzubauen oder ihn zu zerlegen und Motoren sowie Generatoren zur Stromerzeugung zu nutzen. Die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern hat ein ureigenes Interesse, das Schiff oder seine Einzelteile nicht zum absoluten Schnäppchenpreis verkaufen zu müssen, denn das Land hatte den Bau des ursprünglich rund eine Milliarde Euro teuren Schiffes mit Bürgschaften in Höhe von 300 Millionen Euro abgesichert, was ein großes Loch in den Finanzhaushalt reißen würde.

Update 13.7.: Ein weiterer Käufer für Teile des deutschen Werftenimperiums der insolventen Genting-Gruppe ist gefunden: Der Bund hat den ehemaligen MV-Werften-Standort in Rostock gekauft. Dort sollen künftig Schiffe der Deutschen Marine gewartet und repariert werden. Nach der Insolvenz des zu Genting gehörenden MV-Werften-Verbundes mit Werften in Wismar, Rostock und Stralsund setzte sich der Bund in einem Bieterverfahren mit gebotenen 87 Millionen Euro durch. Durch den Kauf werden mehr als 500 Arbeitsplätze und ein wichtiger strategischer Standort der Maritim-Industrie in der Region gesichert.

Update 29.6.: Die Insolvenzverwalter der Werft MV Werften, die zu der ebenfalls insolventen Mutter Genting gehörten, haben große Schwierigkeiten einen Käufer für die Global Dream II zu finden. Das Schiff ist  nur zur Hälfte fertiggebaut und liegt im Dock der Warnemünder Werft. Die Maschinen, Motoren und einige Anlagen sind aber bereits fertig zum Einsatz. Laut Medienbericht teilte der Insolvenzverwalter Christoph Morgen  bei einer Pressekonferenz mit, dass ein Teil der Anlagen und Motoren verkauft werden soll. Der halbfertige Rumpf soll dann zum Schrottpreis veräußert werden. Das Schiff ist Teil der Global-Klasse für Dream Cruises – eine der drei Kreuzfahrtgesellschaften, die zu Genting gehören. Das Schwesterschiff Global Dream ist ebenfalls  erst zu rund 80 Prozent fertiggestellt und liegt  derzeit im Dock der MV Werften in Wismar. Anfang dieses Monats wurde die Wismarer Werft an die Marineeinheit von Thyssenkrupp in Kiel verkauft, die dort ab 2024 Militärschiffe bauen will. Damit bleiben anderthalb Jahre Zeit, um die beiden Global Dream-Schiffe zu verlegen. Die Global Dream ist schwimmfähig und kann an einen anderen Ort geschleppt werden. Die schwedische Holdinggesellschaft Stena AB war angeblich am Kauf der Global Dream interessiert, hat aber wegen der Unsicherheit auf dem asiatischen Kreuzfahrtmarkt, einschließlich der strengen Reisebeschränkungen in China, das Angebot wieder zurückgezogen. Das Schiff wurde für den Einsatz in Asien konzipiert, und ein neuer Eigentümer müsste eine beträchtliche Summe investieren, um Kabinen und Öffentliche Räume umzugestalten, wenn es anderswo auf der Welt eingesetzt werden soll.

Update 13.6.: Nach der Insolvenz der Mutter Genting und der daraus resultierenden Insolvenz der MV Werften-Gruppe ist nun ein Käufer für die Werft in Wismar gefunden: das Kieler Rüstungsunternehmen Thyssen Krupp Marine Systems (TKMS) will nun statt Frachtern und Kreuzfahrtschiffen in Wismar künftig U-Boote für die Marine bauen. Auf der Werft in Wismar sollen ab 2024 rund  800 Schiffbauer neue Arbeit finden. Regierung und Landtag hatten zuvor bereits grünes Licht für die Verlängerung der Transfergesellschaft für die Beschäftigten der insolventen MV-Werften gegeben. Zur Finanzierung wurden rund 10 Millionen Euro aus dem MV-Schutzfonds bereitgestellt. Damit wurde für 1500 Schiffbauer in Wismar, Rostock und Stralsund die für Ende Juni drohende Arbeitslosigkeit vorerst abgewendet.

Update 26.5.: Der schwedische Reedereikonzern Stena AB hat kein Interesse mehr am Weiterbau des zur Insolvenzmasse der MV Werften gehörenden Kreuzfahrtschiffes Global One. Der einzige Kunde, der sich bislang für das Schiff interessierte, hat abgesagt. Damit ist die geplante Verlängerung der Transfergesellschaft für 1.500 ehemalige Werft-Beschäftigte weiter ungewiss. Sie sollte bis Ende Juli verlängert werden (s.u.), Stand jetzt läuft sie aber Ende Juni aus. Die Gespräche für den Verkauf des Werft-Geländes in Wismar an den U-Boot-Bauer ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) sind hingegen weit fortgeschritten. Mit dem Bau erster Schiffe soll 2024 begonnen werden. Je nach Auftragslage könnten damit Arbeitsplätze für 900 bis 1500 Menschen gesichert werden.

Update 17.4.: Die Transfergesellschaft für die Beschäftigten der insolventen MV Werften wird bis Ende Juli verlängert, Auszubildende können sogar bis Ende Februar 2023 bleiben. Die zum asiatischen Genting-Konzern gehörenden MV Werften mit Standorten in Wismar, Rostock und Stralsund hatten im Januar Insolvenz angemeldet. Alle Beschäftigten, die Ende Februar 2022 an den drei Werftstandorten und bei der Fertigmodule GmbH beschäftigt waren, konnten ab 1. März für bis zu vier Monate in die Transfergesellschaft wechseln, wie es hieß. Das Angebot haben bisher 1664 der rund 2.000 Beschäftigten angenommen.

Update 3.3.: Nach der Insolvenz des Konzerns Genting sollen jetzt die Arbeiter und Angestellten in Auffanggesellschaften gehen. Das Amtsgericht Schwerin hatte zuvor auch das Insolvenzverfahren für die MV Werften gestartet. Für vier Monate sind damit rund 1.800 Fachkräfte vorerst in der Transfergesellschaft abgesichert und erhalten Geld. Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat dafür rund 20 Millionen Euro Darlehen bereitgestellt. Aufgabe der Transfergesellschaft ist die Qualifizierung und Vorbereitung der Beschäftigten für die Vermittlung in den Arbeitsmarkt. Rund 200 Schiffbauer und Ingenieure sollen auf den Werften bleiben, um die Standorte zu sichern und für einen möglichen Weiterbau an der Global Dream bereitzustehen. In Stralsund kauft die Bürgerschaft für 16,5 Millionen Euro das dortige Werftgelände. In Warnemünde und in Wismar, wo das zu 75 Prozent fertige Kreuzfahrtschiff Global Dream liegt, gestaltet sich die Suche nach Investoren schwieriger. Nach wie vor wird weltweit auch nach Investoren für die Global Dream gesucht.

Update 18.2.: Große Unsicherheit herrscht nach der Insolvenz des Genting-Konzerns für die Beschäftigten der MV Werften. Jetzt hat der Insolvenzverwalter der Werften an alle Arbeiter appelliert trotz der unklaren Lage den Arbeitsplatz nicht zu wechseln, sondern Anfang März in die Auffanggesellschaft zu gehen. Man werde zwar am 1. März noch keine Arbeit haben, sei aber zuversichtlich auf längere Sicht eine Perspektive bieten zu können.

Update 7.2.: Nach den MV-Werften und deren Mutterkonzern Genting Hong Hong hat jetzt auch das Genting-Tochterunternehmen Dream Cruises einen Insolvenzantrag gestellt. Die Reederei wollte ursprünglich das in Wismar gebaute Kreuzfahrtschiff “Global Dream” abnehmen. Welche Auswirkungen die Zahlungsunfähigkeit von Dream Cruises für die Werften in Mecklenburg-Vorpommern und einen Weiterbau des  Schiffes hat, ist noch nicht absehbar. Dream Cruises war als Kunde der von den MV-Werften bisher zu 75 Prozent fertiggestellten  “Global Dream” vorgesehen. Für das rund 1,5 Milliarden Euro teure Schiff mit einer Kapazität von bis zu 9.000 Passagieren sucht der Insolvenzverwalter der Werften unterdessen nach einem anderen Abnehmer. Dream Cruises gehört nicht vollständig zu Genting, es sind noch weitere Parteien an der Reederei beteiligt. Diese sind der Ansicht, dass eine Neuaufstellung des Unternehmens für die Investoren finanziell vorteilhafter sein würde als eine Auflösung.

Update 21.1.: Genting, der chinesische Mutterkonzern der MV Werften, hat ebenfalls Insolvenz angemeldet und hofft nun auf Zugeständnisse seiner Gläubiger, um das Unternehmen zu erhalten. Bei einem Gericht auf den Bermudas hatte Genting Hongkong, der Eigner der MV Werften,  einen Insolvenzantrag gestellt. Der Konzern hofft, so seine Schuldenlast abschütteln zu können und als Ganzes erhalten zu bleiben. Genting machte gleichzeitig Vorschläge für die Ernennung eines Insolvenzverwalters, der an einer Restrukturierung des Konzerns arbeiten und Verhandlungen mit Gläubigern führen soll. Deutschland muss jetzt um seine gegebenen Millionenkredite fürchten. Als Sicherheit hatte der Konzern das noch fertig zu bauende Kreuzfahrtschiff Global Dream hinterlegt. Doch es fehlen rund 600 Millionen Euro , um die Global Dream für bis zu 9.500 Passagiere fertigzubauen und es wird sehr schwer einen Käufer zu finden. Denn das Schiff ist für den chinesischen Markt maßgeschneidert. Es ist vor allem für Glücksspiel-Fans gedacht, als schwimmendes Casino, denn Glücksspiel an Land ist in China verboten. Die Kabinen sind für die Belegung mit vier Personen ausgelegt, was für Europa unüblich ist.

Update 18.1.: Mecklenburg-Vorpommern muss einen Millionen-Kredit an Genting, den Mutterkonzern der insolventen MV Werften,  zunächst nicht auszahlen. Das Landgericht Schwerin wies einen Antrag von Genting ab. Der Konzern habe nicht ausreichend darlegen können, dass er ohne die Auszahlung der 78 Millionen Euro in eine existenzielle Notlage geraten würde, hieß es in der Begründung.  Genting hatte sich auf einen gültigen Kreditvertrag berufen und auf Auszahlung bestanden. Mecklenburg-Vorpommern  hatte dem Hongkonger Konzern im Juni 2021 einen Kredit über 78 Millionen Euro gewährt, um eine für 2024/2025 vorausberechnete Liquiditätslücke  zu schließen. Genting meldete die Auszahlungsnotwendigkeit im Dezember an, weil bereits eine Liquiditätslücke geklafft haben soll. Das Land verweigerte die Auszahlung auch  mit der Begründung, dass die Zukunft der MV Werften nicht gesichert sei, für die Genting dann tatsächlich vor rund einer Woche Insolvenz anmeldete.

Update 10.1.: Die MV Werften haben beim Amtsgericht Schwerin Insolvenz angemeldet. Zuvor waren  Verhandlungen zwischen dem Bund und dem Land Mecklenburg-Vorpommern auf der einen sowie MV Werften und dem Eigner Genting Hongkong auf der anderen Seite gescheitert. Genting  war es nicht gelungen, die Finanzierung des zu 75 Prozent fertigen, rund 1,5 Milliarden Euro teuren Neubaus “Global Dream” zu sichern. Der Bund wollte dafür rund 600 Millionen Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) zur Verfügung stellen, dafür sollte Genting einen Eigenbeitrag in Höhe von 60 Millionen Euro sowie Garantien für die Bundesmittel stellen. Das bei den MV Werften liegende Schiff sollte dafür als Sicherheit hinterlegt werden. Der Präsident von Genting Hongkong, Colin Au, hatte dies abgelehnt und auf die Auszhalung der Hilfen gepocht. Außerdem soll Genting  vier Angebote zur Finanzierung vorgelegt haben,  diese wurden aber offenbar alle von Bund und Land abgelehnt. Genting wies daraufhin, dass seit der Übernahme der MV Werften im Jahr 2016 mehr als zwei Milliarden Euro in die Standorte aus eigener Tasche investiert wurden und die Zahl der Mitarbeiter verdoppelt worden sei. Doch durch die Corona-Krise, die den Kreuzfahrtbereich und alle Zulieferbetriebe hart getroffen hat, geriet der Mutterkonzern in Schwierigkeiten. So wurde die Aktie von Genting in der vergangenen Woche vom Handel an der Hongkonger Börse ausgesetzt (s.u.).

Update 9.1.2022: Rund 2000 Mitarbeiter der MV Werften bangen um ihre Jobs, denn Eigentümer Genting ist wirtschaftlich von der Corona-Krise schwer getroffen worden. Jetzt spüren es die Beschäftigten, die seit Monaten um ihre Jobs bangen (s.u.), auch direkt am eigenen Geldbeutel: die Dezember-Gehälter wurden bislang nicht gezahlt. Die Geschäftsführung teilte mit, dass zwar 30 Millionen Euro auf den Konten der Werft seien, die Löhne aus rechtlichen Gründen aber noch nicht ausgezahlt werden können. Die Gehälter sollen zwar nächste Woche überwiesen werden, aber es droht weiteres Ungemach: in dieser Woche wurden die Aktien von Genting, die an der Börse Hongkong notieren, vom Handel ausgesetzt. Grund dafür ist eine Ankündigung über eine bevorstehende Informationen aus dem Unternehmen, die mit Spannung erwartet wird. Nicht nur von den Mitarbeitern, sondern auch vom Bund und dem Land Mecklenburg-Vorpommern, die beide bereits hohe Millionensummen in die Werften investiert haben (s.u.)

Die Bundesregierung hatte  vor Weihnachten einen Finanzierungsvorschlag zur Rettung der angeschlagenen Werften in Mecklenburg-Vorpommern und auch für den Standort Bremerhaven vorgelegt, durch den die Jobs in den strukturschwachen Regionen gesichert werden sollen. So  sollte das Kreuzfahrtschiff “Global Class 1” mit rund 600 Millionen Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds fertig gebaut werden. Das Wirtschaftsministerium verlangte für die Förderung aber auch einen Eigenbeitrag des Eigentümers in Höhe von 60 Millionen Euro. Genting weigerte sich aber bislang, selbst einen Beitrag zur Rettung seiner Werften zu leisten. Am Standort Stralsund geht man davon aus, dass am Strelasund keine Schiffe mehr gebaut werden, denn es fehlen Aufträge. Die Kommune verhandelt bereits über einen Verkauf des Werftgeländes und sucht neue Investoren für Industrieansiedlungen. Genting hatte die drei Werften in Rostock, Wismar und Stralsund 2016 erworben, um dort für konzerneigene Reedereien Schiffe bauen zu lassen.

 

Update 19.10.: Der Bund zahlt rund  377 Millionen Euro eines Notkredit aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds an Genting nicht aus , weil der asiatische Kreuzfahrtkonzern Bedingungen des Bundes nicht einhält. Genting ist Besitzer der MV Werften in Wismar, Rostock und Stralsund, die mit diesem Notkredit der Bundesregierung gerettet werden sollen. Dabei hatte Genting sogar einen schnellen Kredit über 570 Millionen Euro von Deutschland haben wollen. Voraussetzung vom Bund war dafür, dass ein Gutachten das Geschäftsmodell – den Bau von Kreuzfahrtschiffen vornehmlich für den asiatischen Reisemarkt – als aussichtsreich bewerten würde. Trotzdem wurden bereits 193 Millionen Euro gewährt, auch auf Iniative der Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern, um ein Überleben der Werften zu sichern und damit Arbeitsplätze zu erhalten. Zur Absicherung hat sich die Bundesregierung eine Schiffshypothek auf das in Stralsund im Bau befindliche Luxusschiff “Crystal Endeavour” einräumen lassen. Ursprünglich hatte die deutsche Staatsbank KfW über deren Tochter Ipex das Geschäft von Genting an der deutschen Ostseeküste sogar mit rund drei Milliarden Euro finanziert. Jetzt verlangt der Bund, dass mindestens sechs neue Universal-Schiffe, die bis zu 2000 Passagiere  fassen können, auf den MV Werften gebaut werden. Nur: Welche Reederei bestellt in Corona-Zeiten noch neue Schiffe? Den Schiffseignern steht derzeit das Wasser selbst bis zum Hals, Insolvenzen wie von CMV, Mutter des deutschen Unternehmens Transocean zeigen dies deutlich auf. Stattdessen werden lieber ältere Einheiten abgegeben, so wie es unlängst Phoenix Reisen mit der MS Albatros. Die Carnival-Gruppe will sich sogar von insgesamt 18 Kreuzfahrtschiffen trennen. In dieser Situation scheint eine weitere Finanzierung nahezu aussichtslos und dies würde, wenn sich nicht wie aus dem Nichts weitere Geldquellen für Genting auftun, wohl auch eine Insolvenz der Werften in Mecklenburg-Vorpommern nach sich ziehen.

Ursprungsmeldung: Der Finanzausschuss des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern hat 28 Millionen Euro zur Rettung der angeschlagenen MV Werften freigegeben. Bei der Summe handelt es sich um die letzte Tranche aus einem Sicherheitsfonds von 175 Millionen Euro. Diesen hatte der asiatische Mutterkonzern Genting hinterlegt. Das Geld wird wegen Einnahmeausfällen in Folge der Corona-Krise flüssig gemacht und soll Montag freigegeben werden. Nach dem Land müssen jetzt auch noch die Banken zustimmen.

Ursprungsmeldung: Nach der Insolvenz mehrerer kleinerer Kreuzfahrtreedereien steht jetzt mit Genting-Hongkong ein ziemlich großer Player vor großen finanziellen Problemen. Dies hat auch Konsequenzen für die MV-Werften, die zu Genting gehören, denn der Mutterkonzern gerät immer stärker in finanzielle Schwierigkeiten: Das Unternehmen aus Hongkong hat angekündigt, vorübergehend alle Zahlungen an Gläubiger und Banken einzustellen. Genting leidet stark unter den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie und hat als börsennotiertes Unternehmen mehrfach Gewinnwarnungen herausgeben müssen. Der Konzern musste auch einräumen, einige Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllt zu haben. Die Schulden sollen sich auf derzeit 3,4 Milliarden US-Dollar angehäuft haben.

Zu dem Unternehmen gehören Casinos, Hotels, die Kreuzfahrtlinien Star Cruises, Crystal Cruises und Dream Cruises sowie die MV Werften in Mecklenburg-Vorpommern. Die Aktie des Unternehmens, an dem der malaysische Investor Lim Kok Thay mehr als zwei Drittel hält, verlor nach der Ankündigung, die Zahlungen an Gläubiger und Banken einzustellen, mehr als ein Drittel ihres Werts. Aufgrund des dramatischen Absturzes wurde der Handel mit der Genting-Aktie zunächst für zwei Tage ausgesetzt. Das Unternehmen will drastische Kosteneinsparungen und Kürzungen vornehmen. Versuche, neues Kapital zu gewinnen, waren bislang nicht erfolgreich.

Die Auswirkungen für die MV-Werften mit ihren 3.100 Beschäftigten könnten dramatisch sein: Laut Medienberichten sollen rund 3,4 Millionen Euro Bankgebühren im Zusammenhang mit dem Bau von Schiffen nicht gezahlt worden. Dabei handelt es sich vermutlich um Kreditkosten (Zinsen) für die beiden Kreuzfahrtriesen der Global-Klasse, die auf den MV-Werften gefertigt werden. Dabei wollen die MV-Werften Bundeshilfen aus dem Corona-Rettungspaket bekommen: bis zu 570 Millionen Euro sollen dies bis Ende September sein.

Erst im September 2019 war in Rostock Baustart für die „Global 2“, die wie ihr bereits im Bau befindliches Schwesterschiff bis zu 9.500 Passagiere und 2.200 Besatzungsmitglieder aufnehmen kann. Noch im Dezember 2019 kündigte Genting an, man werde in den MV Werften Schiffe für bis zu 2.000 Passagiere bauen und sie unter anderem für Hotelmarken betreiben, die in die Kreuzfahrtindustrie einsteigen wollen. Das erste Schiff sollte 2022 ausgeliefert werden. Das Unternehmen hatte die drei MV Werften in Rostock, Stralsund und Wismar gekauft. Zudem besitzt Genting Anteile an der Lloyd-Werft in Bremerhaven.

Weitere Informationen unter https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/MV-Werften-Mutterkonzern-in-Turbulenzen,coronavirus2934.html