Nach der Insolvenz mehrerer kleinerer Kreuzfahrtreedereien steht jetzt mit Genting-Hongkong ein ziemlich großer Player vor großen finanziellen Problemen.

Update 18.1.: Mecklenburg-Vorpommern muss einen Millionen-Kredit an Genting, den Mutterkonzern der insolventen MV Werften,  zunächst nicht auszahlen. Das Landgericht Schwerin wies einen Antrag von Genting ab. Der Konzern habe nicht ausreichend darlegen können, dass er ohne die Auszahlung der 78 Millionen Euro in eine existenzielle Notlage geraten würde, hieß es in der Begründung.  Genting hatte sich auf einen gültigen Kreditvertrag berufen und auf Auszahlung bestanden. Mecklenburg-Vorpommern  hatte dem Hongkonger Konzern im Juni 2021 einen Kredit über 78 Millionen Euro gewährt, um eine für 2024/2025 vorausberechnete Liquiditätslücke  zu schließen. Genting meldete die Auszahlungsnotwendigkeit im Dezember an, weil bereits eine Liquiditätslücke geklafft haben soll. Das Land verweigerte die Auszahlung auch  mit der Begründung, dass die Zukunft der MV Werften nicht gesichert sei, für die Genting dann tatsächlich vor rund einer Woche Insolvenz anmeldete.

Update 10.1.: Die MV Werften haben beim Amtsgericht Schwerin Insolvenz angemeldet. Zuvor waren  Verhandlungen zwischen dem Bund und dem Land Mecklenburg-Vorpommern auf der einen sowie MV Werften und dem Eigner Genting Hongkong auf der anderen Seite gescheitert. Genting  war es nicht gelungen, die Finanzierung des zu 75 Prozent fertigen, rund 1,5 Milliarden Euro teuren Neubaus “Global Dream” zu sichern. Der Bund wollte dafür rund 600 Millionen Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) zur Verfügung stellen, dafür sollte Genting einen Eigenbeitrag in Höhe von 60 Millionen Euro sowie Garantien für die Bundesmittel stellen. Das bei den MV Werften liegende Schiff sollte dafür als Sicherheit hinterlegt werden. Der Präsident von Genting Hongkong, Colin Au, hatte dies abgelehnt und auf die Auszhalung der Hilfen gepocht. Außerdem soll Genting  vier Angebote zur Finanzierung vorgelegt haben,  diese wurden aber offenbar alle von Bund und Land abgelehnt. Genting wies daraufhin, dass seit der Übernahme der MV Werften im Jahr 2016 mehr als zwei Milliarden Euro in die Standorte aus eigener Tasche investiert wurden und die Zahl der Mitarbeiter verdoppelt worden sei. Doch durch die Corona-Krise, die den Kreuzfahrtbereich und alle Zulieferbetriebe hart getroffen hat, geriet der Mutterkonzern in Schwierigkeiten. So wurde die Aktie von Genting in der vergangenen Woche vom Handel an der Hongkonger Börse ausgesetzt (s.u.).

Update 9.1.2022: Rund 2000 Mitarbeiter der MV Werften bangen um ihre Jobs, denn Eigentümer Genting ist wirtschaftlich von der Corona-Krise schwer getroffen worden. Jetzt spüren es die Beschäftigten, die seit Monaten um ihre Jobs bangen (s.u.), auch direkt am eigenen Geldbeutel: die Dezember-Gehälter wurden bislang nicht gezahlt. Die Geschäftsführung teilte mit, dass zwar 30 Millionen Euro auf den Konten der Werft seien, die Löhne aus rechtlichen Gründen aber noch nicht ausgezahlt werden können. Die Gehälter sollen zwar nächste Woche überwiesen werden, aber es droht weiteres Ungemach: in dieser Woche wurden die Aktien von Genting, die an der Börse Hongkong notieren, vom Handel ausgesetzt. Grund dafür ist eine Ankündigung über eine bevorstehende Informationen aus dem Unternehmen, die mit Spannung erwartet wird. Nicht nur von den Mitarbeitern, sondern auch vom Bund und dem Land Mecklenburg-Vorpommern, die beide bereits hohe Millionensummen in die Werften investiert haben (s.u.)

Die Bundesregierung hatte  vor Weihnachten einen Finanzierungsvorschlag zur Rettung der angeschlagenen Werften in Mecklenburg-Vorpommern und auch für den Standort Bremerhaven vorgelegt, durch den die Jobs in den strukturschwachen Regionen gesichert werden sollen. So  sollte das Kreuzfahrtschiff “Global Class 1” mit rund 600 Millionen Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds fertig gebaut werden. Das Wirtschaftsministerium verlangte für die Förderung aber auch einen Eigenbeitrag des Eigentümers in Höhe von 60 Millionen Euro. Genting weigerte sich aber bislang, selbst einen Beitrag zur Rettung seiner Werften zu leisten. Am Standort Stralsund geht man davon aus, dass am Strelasund keine Schiffe mehr gebaut werden, denn es fehlen Aufträge. Die Kommune verhandelt bereits über einen Verkauf des Werftgeländes und sucht neue Investoren für Industrieansiedlungen. Genting hatte die drei Werften in Rostock, Wismar und Stralsund 2016 erworben, um dort für konzerneigene Reedereien Schiffe bauen zu lassen.

 

Update 19.10.: Der Bund zahlt rund  377 Millionen Euro eines Notkredit aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds an Genting nicht aus , weil der asiatische Kreuzfahrtkonzern Bedingungen des Bundes nicht einhält. Genting ist Besitzer der MV Werften in Wismar, Rostock und Stralsund, die mit diesem Notkredit der Bundesregierung gerettet werden sollen. Dabei hatte Genting sogar einen schnellen Kredit über 570 Millionen Euro von Deutschland haben wollen. Voraussetzung vom Bund war dafür, dass ein Gutachten das Geschäftsmodell – den Bau von Kreuzfahrtschiffen vornehmlich für den asiatischen Reisemarkt – als aussichtsreich bewerten würde. Trotzdem wurden bereits 193 Millionen Euro gewährt, auch auf Iniative der Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern, um ein Überleben der Werften zu sichern und damit Arbeitsplätze zu erhalten. Zur Absicherung hat sich die Bundesregierung eine Schiffshypothek auf das in Stralsund im Bau befindliche Luxusschiff “Crystal Endeavour” einräumen lassen. Ursprünglich hatte die deutsche Staatsbank KfW über deren Tochter Ipex das Geschäft von Genting an der deutschen Ostseeküste sogar mit rund drei Milliarden Euro finanziert. Jetzt verlangt der Bund, dass mindestens sechs neue Universal-Schiffe, die bis zu 2000 Passagiere  fassen können, auf den MV Werften gebaut werden. Nur: Welche Reederei bestellt in Corona-Zeiten noch neue Schiffe? Den Schiffseignern steht derzeit das Wasser selbst bis zum Hals, Insolvenzen wie von CMV, Mutter des deutschen Unternehmens Transocean zeigen dies deutlich auf. Stattdessen werden lieber ältere Einheiten abgegeben, so wie es unlängst Phoenix Reisen mit der MS Albatros. Die Carnival-Gruppe will sich sogar von insgesamt 18 Kreuzfahrtschiffen trennen. In dieser Situation scheint eine weitere Finanzierung nahezu aussichtslos und dies würde, wenn sich nicht wie aus dem Nichts weitere Geldquellen für Genting auftun, wohl auch eine Insolvenz der Werften in Mecklenburg-Vorpommern nach sich ziehen.

Ursprungsmeldung: Der Finanzausschuss des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern hat 28 Millionen Euro zur Rettung der angeschlagenen MV Werften freigegeben. Bei der Summe handelt es sich um die letzte Tranche aus einem Sicherheitsfonds von 175 Millionen Euro. Diesen hatte der asiatische Mutterkonzern Genting hinterlegt. Das Geld wird wegen Einnahmeausfällen in Folge der Corona-Krise flüssig gemacht und soll Montag freigegeben werden. Nach dem Land müssen jetzt auch noch die Banken zustimmen.

Ursprungsmeldung: Nach der Insolvenz mehrerer kleinerer Kreuzfahrtreedereien steht jetzt mit Genting-Hongkong ein ziemlich großer Player vor großen finanziellen Problemen. Dies hat auch Konsequenzen für die MV-Werften, die zu Genting gehören, denn der Mutterkonzern gerät immer stärker in finanzielle Schwierigkeiten: Das Unternehmen aus Hongkong hat angekündigt, vorübergehend alle Zahlungen an Gläubiger und Banken einzustellen. Genting leidet stark unter den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie und hat als börsennotiertes Unternehmen mehrfach Gewinnwarnungen herausgeben müssen. Der Konzern musste auch einräumen, einige Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllt zu haben. Die Schulden sollen sich auf derzeit 3,4 Milliarden US-Dollar angehäuft haben.

Zu dem Unternehmen gehören Casinos, Hotels, die Kreuzfahrtlinien Star Cruises, Crystal Cruises und Dream Cruises sowie die MV Werften in Mecklenburg-Vorpommern. Die Aktie des Unternehmens, an dem der malaysische Investor Lim Kok Thay mehr als zwei Drittel hält, verlor nach der Ankündigung, die Zahlungen an Gläubiger und Banken einzustellen, mehr als ein Drittel ihres Werts. Aufgrund des dramatischen Absturzes wurde der Handel mit der Genting-Aktie zunächst für zwei Tage ausgesetzt. Das Unternehmen will drastische Kosteneinsparungen und Kürzungen vornehmen. Versuche, neues Kapital zu gewinnen, waren bislang nicht erfolgreich.

Die Auswirkungen für die MV-Werften mit ihren 3.100 Beschäftigten könnten dramatisch sein: Laut Medienberichten sollen rund 3,4 Millionen Euro Bankgebühren im Zusammenhang mit dem Bau von Schiffen nicht gezahlt worden. Dabei handelt es sich vermutlich um Kreditkosten (Zinsen) für die beiden Kreuzfahrtriesen der Global-Klasse, die auf den MV-Werften gefertigt werden. Dabei wollen die MV-Werften Bundeshilfen aus dem Corona-Rettungspaket bekommen: bis zu 570 Millionen Euro sollen dies bis Ende September sein.

Erst im September 2019 war in Rostock Baustart für die „Global 2“, die wie ihr bereits im Bau befindliches Schwesterschiff bis zu 9.500 Passagiere und 2.200 Besatzungsmitglieder aufnehmen kann. Noch im Dezember 2019 kündigte Genting an, man werde in den MV Werften Schiffe für bis zu 2.000 Passagiere bauen und sie unter anderem für Hotelmarken betreiben, die in die Kreuzfahrtindustrie einsteigen wollen. Das erste Schiff sollte 2022 ausgeliefert werden. Das Unternehmen hatte die drei MV Werften in Rostock, Stralsund und Wismar gekauft. Zudem besitzt Genting Anteile an der Lloyd-Werft in Bremerhaven.

Weitere Informationen unter https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/MV-Werften-Mutterkonzern-in-Turbulenzen,coronavirus2934.html