Buchkritik/Rezension "Gestrandet im Paradies", Claudio Sieber, Conbook Verlag. Eine Sammlung faszinierender Reiseberichte, die an einen Abenteuerroman erinnern

Der Schweizer Claudio Sieber hat das Leben in seiner allzu perfekten Heimat und seine bis dahin makellose Karriere aufgegeben, ist nach Asien aufgebrochen und hat nach sechs Jahren Reisen sein ganz persönliches Paradies gefunden, in dem er sich niederlässt. Nepal, Myanmar, Thailand, Laos, Kambodscha, Vietnam, Malaysia, Indonesien, Osttimor und Philippinen – all diese Länder hat er zu Fuß, per Motorrad, Holzschiff, kleinwüchsigem Pferd und Autostopp bereist und dabei viele Menschen getroffen und einzigartige Geschichten erlebt. Die einzelnen Etappen der Reise sind gegliedert, so dass der Leser nicht unbedingt chronologisch lesen muss, sondern auch direkt zu einem Land springen kann, das ihn besonders interessiert.

Sieber schildert viele Abenteuer abseits der gewohnten Backpacker-Routen, aber seine ganz persönliche Sicht sowie die Ausgangssituation mir Berufs- und Wohnungsaufgabe lässt den Megatrip auch zu einer Reise zu sich selbst werden. Mit schmalem Budget verzichtet er auf Komfort und Annehmlichkeiten, lernt aber dafür das Leben der einfachen Leute sowie deren Gepflogenheiten, Kultur sowie Denkweisen kennen. Besonders prägend waren für Sieber dabei die Begegnungen mit Menschen, die einen außerordentlichen Lebensstil pflegen, ihre Kultur in die Neuzeit retten konnten, und ohne ultramodernen Schnickschnack auskommen. Neben den sehr persönlichen Beschreibungen der Reise werden auch immer Informationen zum Land, zu den Leuten oder politischen/ kulturellen Hintergründen gegeben. Das Buch ist reich bebildert, viele Farbfotografien, teils großformatig, ergänzen das Geschriebene und erwecken die Geschichten zum Leben, insgesamt stimmt die Balance zwischen Bildern und Text. Sieber schreibt humorvoll authentisch, manchmal recht unverblümt gerade heraus, sein Schreibstil detailreich und lebensnah. Dadurch gewinnt der Leser Einblicke in die Lebenswelten, welche Pauschaltouristen n der Regel verwehrt bleiben. Nach vielen Jahren des Reisens und unzähligen Abenteuern, findet Sieber schlussendlich sein eigenes kleines Paradies auf den Philippinen, lässt sich ein eigenes Haus auf der Islas de las Palmas bauen und arbeitet seitdem als freier Fotojournalist und Schreiber.

Eine Sammlung faszinierender, weil sehr ungewöhnlicher Reiseberichte, die spannenden Schilderungen ähneln mehr einem Abenteuerroman als üblichen Reisereportagen. Ein exzellentes Leseabenteuer für Reisesüchtige, Weltenbummler und Menschen mit Fernweh.

Gestrandet im Paradies

Claudio Sieber

Conbook Verlag

Broschiert, 288 Seiten, 19,95 Euro

ISBN: ‎ 978-3958894334

Weitere Informationen unter https://www.conbook-verlag.de/buecher/gestrandet-im-paradies/