Buchkritik/Rezension "Hundstagekönig", Einar Már Gudmundsson, btb Verlag. Lesenswerte Reise in die Geschichte Islands und Skandinaviens.

In „Hundstagekönig“ erzählt der isländische Schriftsteller Einar Már Gudmundsson die wahre, ungewöhnliche Geschichte eines dänischen Abenteurers, der für zwei Monate zum König Islands wurde. Gudmundsson, 1954 in Reykjavík geboren, ist einer der erfolgreichsten Schriftsteller Islands. Seine Bücher sind in viele Sprachen übersetzt und vielfach preisgekrönt, u.a. mit dem Literaturpreis des Nordischen Rates sowie dem Nordischen Preis der Schwedischen Akademie. Für „Hundstagekönig“ erhielt Gudmunsson den Isländischen Literaturpreis.

In dem Historienroman geht es um die Lebensgeschichte des dänischen Seefahrers Jörgen Jörgensen, der unerwartet und plötzlich für eine kurze Zeit König von Island wurde. Jörgensens Vita liest sich wie ein Abenteuerroman, er war Entdecker, Spion, Polizist und ein hervorragender Geschichtenerzähler. Mit seinem Witz, seiner Unbeugsamkeit und Chuzpe erinnert er an Till Eulenspiegel. Im Jahr 1809 segelte Jörgensen nach Island und riss für zwei Sommermonate die Macht an sich.  Aus dem Zeitpunkt ergab sich auch der titelgebende Spitzname, denn diese normalerweise heißeste Zeit des Jahres auf Island Zeit zwischen dem 13. Juli und dem 23. August nennen die Isländer Hundstage, obwohl es auf der Insel sehr selten mal wärmer als 25 Grad wird.

Gudmundsson hat einen ganz eigenen beinahe schon poetischen Stil, auf den man sich einlassen muss. Zusätzliche Schwierigkeiten, die den leichten Lesefluss stören, sind die vielen Namensnennungen, Nebenfiguren und -schauplätze sowie Zeitsprünge. Der Leser muss sich konzentrieren, dies ist kein Buch zum nebenbei lesen. Trotzdem ist es extrem unterhaltsam, denn Gudmunsson ist ein großartiger Geschichtenerzähler und seine Geschichte ist eine außergewöhnliche Auseinandersetzung mit einem außergewöhnlichen Menschen. Der Autor hat lange recherchiert und greift auf viele unterschiedliche Quellen zurück: er zitiert aus Jörgensens Autobiografie und aus Berichten von Zeitgenossen, die teilweise ein sehr widersprüchliches, aber deswegen auch spannendes Bild ergeben. War der Hundstagekönig zu sehr von sich selbst eingenommen oder haben diejenigen, die ihn nach nur zwei Monaten absetzten, kein gutes Haar an ihm gelassen? Herausragend ist Gudmundssons polemische Sicht und sein entlarvender Blick auf Legenden, Mythen und Geschichtsschreibung. Eine lesenswerte Reise in die Geschichte Islands und Skandinaviens.

Hundstagekönig

Einar Már Gudmundsson

btb Verlag

Taschenbuch, 416 Seiten, 12 Euro

ISBN: ‎978-3442770328

Weitere Informationen unter https://www.penguinrandomhouse.de/Taschenbuch/Hundstagekoenig/Einar-Mar-Gudmundsson/btb/e577012.rhd