Die Fassade der Landstromanlage am Kieler Ostseekai ist mit dem Deutschen Lichtdesign-Preis 2021 in der Kategorie „Projekte mit künstlerischem Hintergrund“ ausgezeichnet worden.

Update 6.12.: Der PORT OF KIEL hat nicht nur eine sehr gute Landstromanlage, sondern sich auch das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 alle von ihm verursachten Kohlendioxidemissionen (CO2) auf null zu reduzieren. Den Weg zur Klimaneutralität beschreibt dabei ein Drei-Stufen-Plan, der die BLUE PORT-Konzeption des Hafens konkretisiert und am 24. November mit der erstmaligen Präsentation des Umweltberichtes vorgestellt wurde. Dr. Dirk Claus, Geschäftsführer PORT OF KIEL: „Wir unterstützen die Klimaschutzziele der Landeshauptstadt Kiel und nehmen in puncto CO2-Reduktion eine Vorreiterrolle ein. Der Hafen wird zum Ende dieses Jahrzehnts klimaneutral agieren.“ Der Drei-Stufen-Plan des Hafens sieht vor, im kommenden Jahr bereits 60 Prozent des Energiebedarfs der Kiel anlaufenden Schiffe mit Ökostrom zu decken. In 2025 sollen es dann 80 bis 90 Prozent sein, bevor in 2030 durch das Zusammenspiel verschiedenster Maßnahmen Klimaneutralität für alle Aktivitäten des PORT OF KIEL erreicht wird. Auch werden Immissionen von Stickoxiden und Partikeln durch die eingeleiteten Maßnahmen weiter reduziert. Diese gehen aber bereits heute in der Hintergrundbelastung auf und liegen deutlich unterhalb geltender Grenzwerte.  Laut Umweltbericht wurden im PORT OF KIEL im Jahr 2020 bereits über 6.200 Tonnen CO2 vermieden, während noch knapp 18.800 Tonnen emittiert wurden. Dirk Scheelje, Vorsitzender des PORT OF KIEL-Aufsichtsrates und Mitglied der Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen: „Mit der Vorlage des Umweltberichtes werden Emissionen erstmals quantifiziert und damit transparent. Es zeigt, dass die im Jahr 2018 initiierte BLUE PORT-Strategie Wirkung zeigt. Auf dieser Grundlage werden wir auch die weiteren Fortschritte beurteilen.“ Umgesetzt sind bereits Maßnahmen zur 100 Prozent klimaneutralen Versorgung aller Hafenanlagen mit Ökostrom. Darüber hinaus wurde der Energiebedarf auf den Terminals durch Umstellung auf sparsame LED-Technik sowie Steigerung der Energieeffizienz nachhaltig reduziert, während gleichzeitig Photovoltaikanlagen jedes Jahr ca. 290.000 Kilowattstunden Solarenergie liefern. Der PORT OF KIEL kompensiert den Fußabdruck seiner dienstlichen Flugreisen und rüstet den eigenen Fuhrpark sukzessive auf Elektroantrieb um. Gegenüber den Kunden werden Anreize gesetzt, um den Dekarbonisierungsprozess zu fördern.

Landstrom ist dabei ein zentrales Element zur Emissionsreduzierung in Kiel. Nachdem eine erste Anlage zur landseitigen Stromversorgung im Mai 2019 am Norwegenkai ans Netz ging, wurde im Juni dieses Jahres eine zweite, größere Anlage am Ostseekai in Betrieb genommen. Von dort werden die Fähren der Stena Line regelmäßig mit Ökostrom versorgt und erstmals konnten auch zwei Kreuzfahrtschiffe, die „AIDAsol“ und die „AIDAprima“, angeschlossen werden. Dirk Claus: „Wir haben die infrastrukturelle Basis geschaffen, damit Fähren und Kreuzfahrtschiffe im Stadthafen emissionsfrei liegen können. Im kommenden Jahr wollen wir am Ostseekai bereits 60 bis 80 Kreuzfahrtanläufe klimaneutral abwickeln und starten mit dem Bau einer Landstromanlage auch für den Ostuferhafen.“ Um gleichzeitig die Prozesse auf den Frachtterminals noch effizienter zu gestalten, fördert das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) die Einrichtung eines digitalen Testfeldes im Hafen. Auf Grundlage eines 5G-Campus-Netzwerkes werden operative Prozesse optimiert und nachhaltiger gestaltet. So soll ein klimaneutrales Wachstum des Hafenumschlages durch innovative IT-Technik unterstützt werden.

Einzelmaßnahmen des PORT OF KIEL zur Reduzierung von Emissionen:

–              Landstromversorgung am Ostseekai, Schwedenkai, Norwegenkai und künftig Ostuferhafen

–              Ökostrombezug aus ausschließlich erneuerbaren klimaneutralen Quellen

–              Elektrifizierung der Fuhrparks einschließlich der Flurförderfahrzeuge

–              Alternative Energieerzeugung durch Betrieb eigener Photovoltaikanlagen

–              Umstellung auf LED-Beleuchtungstechnik auf allen Terminalanlagen

–              Effizienzsteigerung operativer Prozesse durch Digitalisierung

–              Kompensation von dienstlichen Flugreisen über Atmosfair

–              Tarifliche Umweltrabatte als Anreiz zur klimafreundlichen Transformation

Update 1.10.2021: Die Fassade der Landstromanlage am Kieler Ostseekai ist mit dem Deutschen Lichtdesign-Preis 2021 in der Kategorie „Projekte mit künstlerischem Hintergrund“ ausgezeichnet worden. Die Landstromanlage wurde von den BSP Architekten BDA entworfen. Das Lichtdesign der modernen LED-Fassade stammt von team licht aus Hamburg, deren Geschäftsführer Hauke Giesecke den Preis entgegen nahm und sagte: „Durch die Kombination von Fassade und Lichtgestaltung wird die Funktion der Landstromanlage, die klimaneutrale Schiffsversorgung während der Hafenliegezeit, ganz bewusst nach außen visualisiert. Das Licht-Design verleiht den physikalischen Prozessen einen einmaligen Ausdruck. Mein Dank geht an den Bauherren und die Architekten für die gemeinsame Umsetzung dieses herausragenden Projektes.“

Dr. Dirk Claus, Bauherr der Landstromanlage und Geschäftsführer des PORT OF KIEL: „Mit der Fassade wurde im wahrsten Sinne des Wortes ein Highlight in Kiel geschaffen. Wir gratulieren unseren Partnern zu dieser Glanzleistung. Ab dem kommenden Jahr werden wir mit den Landstromanlagen bereits 60 % des Energiebedarfs der den Hafen anlaufenden Schiffe emissionsfrei decken. Damit nimmt Kiel eine Vorreiterrolle ein.“ „Aufgrund seines herausragenden Standorts, an der Schnittstelle von Innenstadt und der Wasserkante an der Kiellinie, waren die stadtplanerischen Anforderungen an die im Juni 2021 eingeweihte Landstromanlage von Beginn an hoch. Die Positionierung des Gebäudes und Ausformulierung der Kubatur im Zusammenspiel mit der Fassaden- und Lichtgestaltung schafft es, an diesem Ort einen klaren architektonischen Akzent zu setzen“, so Doris Grondke, Stadträtin für Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt der Landeshauptstadt Kiel. Architekt Jan O. Schulz, BSP Architekten BDA: „Diese Fassade ist bisher einmalig in ihrer Art. Sie hat schon am Tag durch ihre dynamisch strukturierten Lochungen und Reflektoren einen ganz eigenen Charakter, der sich wie eine Wasseroberfläche mit dem Licht verändert. Aber sobald die in der Fassade verborgenen über 12.000 LEDs in der Dunkelheit dazugeschaltet werden, sind Vielfalt und Kreativität kaum noch Grenzen gesetzt. Es ergibt sich eine weitere, völlig neue und steuerbare Gestaltungsebene.” Die Wahrnehmung wird mit unterschiedlichen Lichteffekten kontinuierlich verändert und bleibt für die Betrachtenden immer interessant. Zudem hat das Abbilden von Schrift und Bild ein erklärendes Wesen, das einen informativen Mehrwert bietet.

Über den Deutschen Lichtdesign-Preis:

Der Deutsche Lichtdesign-Preis wurde ins Leben gerufen, um auf die zunehmende Bedeutung des Lichtdesigns in der Architektur aufmerksam zu machen. Der Deutsche Lichtdesign-Preis wird jährlich von einer unabhängigen Jury vergeben. Diese besteht aus namhaften Personen, die durch ihre langjährige Erfahrung fachlich kompetent und unabhängig bewerten. Die diesjährigen Preise wurden in fünfzehn Kategorien im Verlagshaus der Süddeutschen Zeitung an die Preisträger verliehen.

Über den PORT OF KIEL:

Der PORT OF KIEL wird ab dem Jahr 2030 klimaneutral arbeiten. Zur Umsetzung dieses Ziels wurde ein Drei-Stufen-Plan entwickelt, der das BLUE PORT-Konzept des Hafens zeitlich konkretisiert. Im ersten Schritt werden ab dem kommenden Jahr bereits 60 Prozent des Energiebedarfs der im Hafen liegenden Fähr- und Kreuzfahrtschiffe von den Landstromanlagen emissionsfrei gedeckt. Ab 2025 werden es dann 80 bis 90 Prozent sein, bevor im Jahr 2030 durch das Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen Klimaneutralität erreicht wird.

Ursprungsmeldung: Der Seehafen Kiel hat eine Landstromanlage am Norwegenkai feierlich eingeweiht. Damit ermöglicht der Seehafen emissionsfreie Schiffsversorgung während der Hafenliegezeit. Am Norwegenkai nahmen der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther, der Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft Norbert Brackmann, Kiels Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer gemeinsam mit SEEHAFEN KIEL-Geschäftsführer Dr. Dirk Claus und dem Vorstandsvorsitzenden der Color Line, Trond Kleivdal, die Landstromanlage offiziell in Betrieb. Ministerpräsident Günther: „Gemeinsam leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Luftreinhaltung. Durch Landstrom reduzieren wir sowohl Schadstoffemissionen als auch den Ausstoß von Klimagasen während der Hafenliegezeit auf null. Schleswig-Holstein unterstützt dieses richtungsweisende Projekt und wird weitere Anlagen dieser Art fördern.“ Nach dem Norwegenkai sollen im kommenden Jahr auch der Schwedenkai und das Kreuzfahrtterminal am Ostseekai landstromfähig werden. Dirk Claus: „Wir wollen künftig 60 % des Energiebedarfs der Kiel anlaufenden Schiffe mit Landstrom decken. Damit zählen wir zu den umweltfreundlichsten Häfen in Europa.“

Bauherr der Landstromanlage, die von der Siemens AG errichtet wurde, ist der PORT OF KIEL. Die Investitionssumme beläuft sich auf 1,2 Mio. Euro und wird durch das Land Schleswig-Holstein mit 400.000 Euro gefördert. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer: „Als Klimaschutzstadt möchte Kiel bis 2050 klimaneutral werden. Dieses ehrgeizige Ziel können wir nur erreichen, wenn alle mithelfen. Die neue hochmoderne Landstromanlage trägt dazu bei, den CO2-Ausstoß im Hafen deutlich zu verringern. Ich freue mich sehr, dass Color Line in dieser Sache voran geht – und ich würde es begrüßen, wenn andere Reedereien diesem Beispiel folgen.“ Die Schiffe der norwegischen Color Line, die „Color Fantasy“ und die „Color Magic“, verbinden Kiel täglich mit Oslo. Ankunft am Norwegenkai ist morgens um 10.00 Uhr mit Abfahrt um 14.00 Uhr. Der jährliche Strombedarf während der Hafenliegezeit beträgt rund 4 Mio. Kilowattstunden. Trond Kleivdal, Vorstandsvorsitzender der Color Line: „Unsere Schiffe sind für den Strombezug von Land ausgerüstet und liegen bereits seit 2011 in Oslo und seit 2017 in allen vier norwegischen Häfen an der Hafensteckdose. Mit Kiel stellt nunmehr ein weiterer Hafen die notwendige Infrastruktur zur Verfügung, um unsere Strategie zum Schutz der Umwelt weiter voranzutreiben und zu unterstützen. Jetzt ist die Bundesregierung gefordert, die EEG-Umlage auf Landstrom zu reduzieren, um einen verbesserten wirtschaftlichen Rahmen zu schaffen.“

Dazu Norbert Brackmann anlässlich der Einweihung der Landstromanlage in Kiel: „Landstrom ist eine gute Möglichkeit, in den Hafen- und Seehafenstädte einen deutlichen Beitrag zu sauberer Luft zu leisten. Es ist deshalb auf jeden Fall eine gute Sache, eine Landstromanlage zu haben. Noch besser ist es allerdings, wenn diese auch von den Schiffen genutzt wird. Wir werden deshalb auf Bundesebene den Weg frei machen, um Landstrom konkurrenzfähig zu machen. Dafür mache ich mich als Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft stark.“

 

Die Landstromanlage der Firma Siemens für den Kieler Norwegenkai ist genau auf die Bedürfnisse von Reederei und Hafen abgestimmt. Sie hat eine maximale Anschlussleistung von 4,5 Megawatt (MW) bei einer elektrischen Spannung von 10 Kilovolt (KV) und einer Netzfrequenz von 50 Hertz (Hz). Dirk Claus: „Durch die beträchtlichen Leistungsdaten und den täglichen Betrieb wird ein hoher Umweltnutzen erzielt. Die neue Anlage liefert die größte Landstrommenge in ganz Deutschland.“ Herzstück der Anlage ist die luftisolierte metallgekapselte Siemens-Mittelspannungsschaltanlage. Die PLUG-Übergabestation Land zu Schiff (PLUG) stammt vom französischen Hersteller NG3. Diese ist mit einer speicherprogrammierten Steuerung (PLC) ausgestattet, die mit der Schaltanlage in der Landstation kommuniziert. Vollautomatisch werden alle notwendigen Schaltvorgänge ausgeführt, die vom Schiff über die Schnittstelle übermittelt wurden. Bevor die Stromübergabe von Land an das Schiff erfolgt, prüft das System die korrekten Stecker- und Kabelverbindungen. Ist dies erfolgt, wird die Landstromverbindung zugeschaltet. Das Schiff synchronisiert sich mit der Landstromanlage, die die Bordversorgung übernimmt.