Buchrezension Klippentod, Ian Bray, Penguin Verlag. Grandiose Naturbeschreibungen & atmosphärische Schilderungen gehen zu Lasten der Spannung

Klippentod ist der erste Band einer neuen Krimi-Reihe mit Ex-Polizist Simon Jenkins. Der hat seine Arbeit als Polizist hinter sich gelassen, nach einem schweren Verkehrsunfall ist er aus dem Dienst ausgeschieden und lebt nun als Künstler in Cadgwith, einem Fischerdorf im Süden Cornwalls. Aber er muss bald feststellen, dass es nicht so einfach wie gedacht ist, die Verbindungen zu seinem früheren Ich zu kappen. Als ihn spät in der Nacht der Anruf einer verzweifelten jungen Frau erreicht, die um Hilfe bittet, weist er sie ab. Ein fataler Fehler, am nächsten Tag ist Viktoria tot, von einer der hohen Klippen gestürzt. Ihre Freundin Mary glaubt nicht an Selbstmord oder Unfall und kann Simon für Ermittlungen gewinnen. Kurze Zeit später wird eine zweite Leiche gefunden.

Das Fischerdorf Cadgwith, in dem dieser Krimi angesiedelt ist, liegt in einer der schönsten Gegenden Cornwalls. Der deutsche Autor, der unter dem englischen Pseudonym „Ian Bray“ schreibt, ist freier Journalist und hat auch bereits mehrere Krimis unter seinem richtigen Namen Arnold Küsters veröffentlicht. Cornwall wurde vor vielen Jahren zu seinem Lieblingsreiseziel und die Gegend um Cadgwith hat es ihm ganz besonders angetan. Das merkt man den liebevollen Landschafts- und Ortsbeschreibungen deutlich an: Es ist offensichtlich, dass dem Autor Land und Leute am Herzen liegen. Bray beschwört die Schönheit in Worten voller Atmosphäre und liebevollem Lokalkolorit. Er lässt den Ozean, die Klippen, kleine Buchten, felsgesäumte Küstenwanderwege, die winzigen Häfen, die Fischer mit ihren Booten, das üppige Grün, die heimeligen pittoresken Dörfer mit reetgedeckten Cottages und bunter Rosenpracht im Vorgarten vor dem Auge des Lesers entstehen, man riecht die salzige Meerluft nahezu und hört Musikern beim Folkabend zu. Auch hier brilliert der Autor mit Sachverstand: Küsters tritt selbst mit verschiedenen Bands als Musiker auf, spielt Bluesharp und Percussion. Die Charaktere sind gut gezeichnet und sehr stimmig, Bray ist ein erfahrener Autor und schreibt sehr bildhaft, detailliert, locker und flüssig – das sind die Pluspunkte dieses Buches. Aber leider gehen die langen, liebevollen Beschreibungen zu Lasten des Spannungsbogens, ein packender Krimi, ein pageturner, ist dieser Erstlingsband um Simon Jenkins nicht.  Wer aber in grandiosen Naturbeschreibungen und atmosphärischen Schilderungen des englischen Dorflebens schwelgen möchte, wird in „Klippentod“ bestens bedient.

Klippentod

Ian Bray

Penguin Verlag

Taschenbuch, 560 Seiten, 11 Euro

ISBN: ‎978-3328103998

Weitere Informationen unter https://www.penguinrandomhouse.de/Taschenbuch/Klippentod/Ian-Bray/Penguin/e539565.rhd