Buchkritik / Rezension Krabbenchanson von Lili Andersen, Heyne Verlag. Ideal für Pellworm-Freunde oder als Vorbereitung auf einen -Pellworm-Urlaub.

„Krabbenchanson“ verbindet, wie im Buchtitel, norddeutsche und französische Lebensart. Die französische Sterneköchin Louise, die großer Chanson-Fan ist,  flieht nach einer unglücklichen Liebe zu ihrer Patentante nach Pellworm, wo sie die Ferien ihrer Kindheit verbracht hat. Mit der Ruhe, die sie auf der idyllischen, grünen Nordsee-Insel sucht, ist es aber schnell vorbei: zunächst ein Selbstmord, dann geschehen zwei Morde. Der erste trifft einen beliebten Promi, den Schlagerstar und gebürtigen Pellwormer Jeff Storm, und das während die neue Inselköchin das Catering für seine Geburtstagsparty ausrichtet. Als nächstes trifft es seine Haushälterin. Die Insel ist in Aufruhr, der gutmütige Inselpolizist Mommsen ermittelt, aber die umtriebige Köchin scheint immer den richtigen Riecher zu haben und ihm einen Schritt voraus zu sein.

„Krabbenchanson“ ist der erste Band von Lili Andersen. Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich die Krimiautorin Liliane Skalecki, die viele Fans mit ihrer Krimireihe um die Untersuchungsrichterin Mathilde de Boncourt aus Nîmes gewonnen hat. Mit Louise Dumont, der Inselköchin, hat sie jetzt eine neue Figur geschaffen, und scheint damit eine neue Krimireihe beginnen zu wollen. Wobei „Krabbenchanson“ eher eine Erzählung mit Kriminalfall ist, denn die Geschichte kommt genau so ruhig und beschaulich in Fahrt wie das Leben auf Pellworm ist. Dafür steigen zum Ende Spannung und Rasanz des Erzählstils enorm an. Was der Autorin wirklich gut gelungen ist, sind die fein gezeichneten, sehr authentischen Charaktere mit ihren Ecken und Kanten.

Außerdem sind die Insel und ihre Bewohner nicht nur liebevoll, sondern vor allem so detail- und kenntnisreich beschrieben, dass der Leser sich sofort mittendrin im Geschehen wähnt. Neben Sehenswürdigkeiten, Traditionen und Gebräuchen sind – die Hauptfigur ist schließlich Köchin – vor allem die Zubereitungen einiger typischer Pellwormer Speisen beschreiben, die passenden Rezepte dazu gibt es am Ende des Buches, eine hübsche Idee, die zum Nachkochen anregt. Allerdings können kleinere handwerkliche Fehler hier oben im Norden aber ziemlich sauer aufstoßen: Die Fähre nach Pellworm fährt nicht von „Norderstrand“, sondern von Nordstrand ab, und das Kennzeichen für Nordfriesland ist nicht NR, sondern NF – das sollte in einem eventuellen zweiten Band zur Inselköchin, falls der auch auf Pellworm spielen sollte, dringend korrigiert werden.

Durch das Buch ziehen drei Handlungsstränge: zum einen um Louise, ihre Flucht nach Pellworm, das Einleben auf und das Kennenlernen der pittoresken Insel, den Kriminalfall, der einige überraschende Wendungen beinhaltet, sowie immer wieder eingeflochtene Rückblenden – auf Louises vorheriges Leben und Geschehnisse, die unmittelbar mit den Morden zu tun haben. Puzzleartig baut sich so die gut durchdachte, komplexe Handlung auf. Dazu kommt ein lockerer, flüssiger Schreibstil, so dass sich das immerhin 432 Seiten dicke Buch mühelos lesen lässt. Ein ideales Geschenk für Pellworm-Freunde oder als Vorbereitung auf einen Urlaub auf der kleinen Nordsee-Insel.

Krabbenchanson – Die Inselköchin ermittelt: Ein Nordsee-Krimi

Lili Andersen

Heyne Verlag

Taschenbuch, 432 Seiten, 9,99 Euro

ISBN: 978-3453425002

Weitere Informationen unter https://www.penguinrandomhouse.de/Taschenbuch/Krabbenchanson-Die-Inselkoechin-ermittelt/Lili-Andersen/Heyne/e576572.rhd