Der NABU appelliert an das europäischen Parlament die Seeschifffahrt endlich zu mehr Klimaschutz zu verpflichten.

Update 25.8.: Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) fordert den sofortigen Ausstieg aus dem Schweröl und Null-Emissionen für alle neuen Schiffe als Standard. Die Politik soll endlich dementsprechende Vorgaben machen. Anlass der Forderung war das nach einem Jahr Pause wieder aufgelegte Kreuzfahrtranking, dass das Umweltbewusstsein der Reedereien unter die Lupe nimmt. Demnach erkennt der Naturschutzbund zwar Fortschritte beim Umwelt- und Klimaschutz in der Kreuzfahrtbranche, allerdings täten die Reedereien immer noch “viel zu wenig”. Insgesamt 19 Reedereien, die mit ihren Schiffen auf europäischen Gewässern unterwegs sind, hat die Umweltschutzorganisation bewertet. Maximal konnten 17 Punkte erreicht werden. Ganz vorn im NABU-Ranking landete Hurtigruten Norway – mit genau 50 Prozent der möglichen Punkte. Der norwegische Anbieter sowie Hapag-Lloyd Kreuzfahrten und Ponant aus Frankreich punkten demnach zwar mit Schwerölausstieg und Landstrom, pro Person hätten die Expeditionsschiffe aber keine gute Umweltbilanz. Das liege daran, dass hier häufig viel weniger Passagiere an Bord seien. Hinzu komme, dass eine Expeditionskreuzfahrt oft mit einem Flug ans andere Ende der Welt einhergehe und zudem in ökologisch besonders sensiblen Gebieten stattfinde. Unter den ersten fünf im Nabu-Ranking sind außerdem die deutschen Unternehmen AIDA, Hapag-Lloyd Kreuzfahrten und TUI Cruises. Diese Reedereien können laut NABU insbesondere für Maßnahmen auf großen und sehr großen Schiffen als Vorreiter gelten. Bei AIDA Cruises lobt der NABU, dass das Unternehmen viel in alternative Antriebe investiert, beispielsweise mit Brennstoffzellen experimentiert. Hapag-Lloyd Cruises verzichtet – wie Ponant und Hurtigruten – komplett auf Schweröl. Und TUI Cruises hat ein Schiff in Auftrag gegeben, dass mit klimaneutral erzeugtem Methanol fahren soll.

Ursprungsmeldung: Vor der für diese Woche angesetzten Abstimmung des europäischen Parlaments über Klimaschutzmaßnahmen in der Seeschifffahrt appelliert der NABU eindringlich, den Sektor endlich zu mehr Klimaschutz zu verpflichten. Zuvor hatte bereits der federführende Umweltausschuss im Juli wegweisenden Auflagen zugestimmt, die nun als Teil der Verordnung über die Überwachung, Berichterstattung und Überprüfung von Schiffsemissionen (MRV) auf den Weg gebracht werden könnten. Teil des Pakets sind unter anderem die Ausweitung des europäischen Emissionshandelssystems auf die Schifffahrt, die Pflicht zur Abnahme von Landstrom während der Liegezeit in Häfen sowie eine Effizienzsteigerung der Schiffe um 40 Prozent bis zum Jahr 2030. NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller: „Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments können in dieser Woche eine neue Ära der Schifffahrt einläuten. Bisher hat sich die Branche erfolgreich um ernsthafte Klimaschutzauflagen gedrückt. Dabei ist allen bewusst, dass die Seeschifffahrt bis zum Jahr 2050 komplett emissionsfrei unterwegs sein muss. Daher wird es Zeit, den Sektor nun mit entsprechenden gesetzlichen Vorgaben auf Kurs zu bringen.“ Daniel Rieger, Leiter Verkehrspolitik: „Uns läuft die Zeit davon. In nur 30 Jahren muss die gesamte Schifffahrt vom heutigen Schwerölbetrieb auf erneuerbare und emissionsfreie Antriebe umstellen. Das erfordert zum einen die Entwicklung entsprechender Antriebe wie der Brennstoffzelle sowie erhebliche Effizienzsteigerungen bei Schiffsdesign und Schiffsbetrieb. Hier hinkt die Branche allen anderen Verkehrsträgern um mindestens ein Jahrzehnt hinterher. Besonders herausfordernd wird dabei die Umrüstung der Bestandsflotte werden, da hier das Gros der Emissionen anfällt.“ Es sei sinnvoll, dass der Gesetzgeber einen entsprechenden Orientierungsrahmen schaffe, um gezielt Investitionen in alternative Antriebe zu lenken. Denn weder das zunehmend eingesetzte Flüssiggas (LNG) noch Schwefelwäscher (Scrubber) seien geeignet, um den Anforderungen an eine emissionsfreie Schifffahrt zu genügen.

Weitere Informationen unter https://www.nabu.de/news/2020/09/28659.html