Buchkritik / Rezension "Sieben Opfer", Victoria Selmann, Goldmann Verlag. Ein Serienkiller und eine Profilerin im Wettlauf gegen die Zeit

„Sieben Opfer“ ist der Debüt-Thriller von Victoria Selman, die von vornherein eine ganze Reihe um die Profilerin Ziba MacKenzie geplant hat: Am 14. März 2022 erscheint beim Goldmann Verlag bereits der zweite Band dieser Reihe mit dem Titel „Drei Gräber“. In England wurde auch schon der dritte Teil „Snakes and Ladders“ publiziert. Victoria Selman lebt in London und hat für verschiedenen Tageszeitungen wie den „Independent“ gearbeitet. Sie betreibt den Podcasts „Crime Time FM“, der sich intensiv mit Profiling und Kriminalpsychologie beschäftigt und ihr dadurch das Wissen für diese Reihe um eine professionelle Profilerin eingebracht hat. „Sieben Opfer“ stand auf der Shortlist für den britischen Kriminalpreis „Dagger Award“ und wurde als Debut auf Anhieb ein Bestseller und in viele andere Sprachen übersetzt.

Profilerin Ziba MacKenzie ist ehemalige Profilerin der Special Forces der britischen Armee, die von Scotland Yard immer wieder zu Ermittlungen herangezogen wird. Aus den Special Forces ist sie nach dem Mord an ihrem Mann, einem Detective, ausgestiegen, weil sie komplett in ihrer Trauer verhaftet ist und starke Depressionen hat. Nur durch ihre Aufträge gelingt es ihr, die dunklen Phasen zu überwinden und sich zum Funktionieren aufzuraffen. McKenzie ist eine Außenseiterin, die andere Menschen nicht verstehen kann, obwohl sie Expertin für menschliches Verhalten ist – eine Absurdität, die im Lauf der Geschichte zu etlichen Verwicklungen führt. Dazu kommt, dass es ihr schwer fällt, sich als Teamplayerin zu sehen und sie lieber auf eigene Faust handelt.

In „Sieben Opfer“ sitzt Ziba McKenzie während der Londoner Rushhour in einem Zug, der in einen entgleisten Güterzug fährt. Als sie sich um andere Verletzte kümmert, flüstert ihr eine sterbende Frau eine Botschaft zu, die die Profilerin auf die Spur eines Serienmörder bringt, der lange inaktiv war, aber nun wieder mordet. Es beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel, in dem diese Rollen wechseln.

Selman versteht es meisterhaft, den Leser in die Irre zu führen. Immer, wenn man glaubt, auf der richtigen Spur zu sein, nimmt die Handlung eine überraschende Wendung. Dabei ist der Roman leicht und flüssig geschrieben. Mit dem Zugunglück wird der Leser unmittelbar in die Handlung gezogen. Die Geschichte läuft wie ein Film ab, da die Autorin ihre Protagonistin das machen lässt, was sie am besten kann: ihre Mitmenschen aufgrund ihrer Erscheinung genau zu analysieren und ihre Umwelt aufmerksam wahrzunehmen. Die Jagd nach dem Serienmörder ist temporeich und durch eingestreute Kapitel, die aus der Sicht des unbekannten Gewalttäters erzählt werden, erhält die Handlung zusätzlich Spannung, weil dessen Motiv immer deutlicher wird. Die Handlung ist temporeich, aber es gibt auch leise Momente. Dies gilt besonders für die Dinge, die der Serienmörder selber erlitten hat. Selman gelingt es mit wenigen Worten, Mitleid und gleichzeitig Ekel zu erzeugen – eine der Stärken des Buches.

Ein Serienkiller und eine Profilerin im Wettlauf gegen die Zeit – voller Dramatik, Spannung und mit cleverem Plot.

Weitere Informationen unter https://www.penguinrandomhouse.de/Taschenbuch/Sieben-Opfer/Victoria-Selman/Goldmann/e576535.rhd