Venedig scheint jetzt Ernst zu machen und verbannt Kreuzfahrtschiffe aus seinem historischen Zentrum. Zunächst wollen die Behörden offenbar einen Teil der Kreuzfahrtschiffe in die Häfen nach Fusina und Lombardia außerhalb des Stadtzentrums umleiten.

Update 26.7.: Nachdem für Venedig ab dem 1. August ein Verbot für die Lagunendurchfahrt für große Kreuzfahrtschiffe gilt (s.u.), routen die Reedereien jetzt um. Vor allem die beiden italienischstämmigen Reedereien MSC Cruises und Costa Cruises sind mit größeren Schiffen beim Restart ab Venedig aktiv: die MSC Magnifica (2518 Passagiere), die MSC Orchestra (2550) und die Costa Deliziosa (2260), alle knapp unter 100.000-BRZ.

Costa hat entschieden, dass alle Kreuzfahrten der Costa Delizosa vom 24. Juli bis 30. Dezember 2021 statt ab Venedig neu ab Triest zur Durchführung kommen. MSC Cruises hat die Abfertigung ihrer beiden Schiffe nach Monfalcone in der Nähe von Triest verlagert, rund 100 Kilometer von Venedig entfernt. Dabei erfolgte das Check-in der Passagiere zunächst noch im Terminal Venedig und die Gäste werden per Bus nach Monfalcone gebracht. Eine mögliche Alternative als Einschiffungshafen soll auch Ravenna sein.

Update 15.7.: Italiens Regierung hat für Venedig jetzt ein Verbot für große Kreuzfahrtschiffe erlassen: Um Venedig zu schützen, dürfen große Kreuzfahrtschiffe Teile der Lagune nicht mehr durchfahren. Damit soll auch verhindert werden, dass Venedig von der UN als gefährdetes Welterbe eingestuft wird. Die Entscheidung für das Durchfahrverbot für den Canale della Giudecca, das Bacino di San Marco und den Canale di San Marco im historischen Zentrum Venedigs soll am 1. August in Kraft treten und für Kreuzfahrtschiffe mit mehr als 25.000 Bruttoregistertonnen oder einer Länge über 180 Metern oder mehr als 35 Metern Höhe gelten. Auch Kreuzfahrtschiffe, die Abgasnormen überschreiten, können dann nicht mehr durch die Lagune fahren. In der Praxis bedeutet dies, dass alle großen Kreuzfahrtschiffe wie die von z. B. Costa oder MSC nicht mehr fahren dürfen, während kleinere Schiffe mit einer Größenordnung von rund 200 Passagieren und mit modernen Abgassystemen dies noch können.

Einheimische Aktivisten und die Tourismus-Industrie streiten schon seit Jahren um den zunehmenden Tourismus in der Stadt, rund 33 Millionen Besucher pro Jahr sind den Bewohnern zu viel. Ihnen sind vor allem die Kreuzfahrt-Touristen ein Dorn im Auge, weil sie vergleichsweise kaum Geld in der Stadt lassen. Hinzu kommen die Zerstörungen durch Flutwellen, Abgase und Feinstaubbelastung: Nach Ansicht der Kritiker beschädigen die großen Schiffe. die Fundamente der Stadt und verschmutzen die Luft. Die großen Kreuzfahrtschiffe legen nun im Hafen von Marghera an, das gegenüber von Venedig auf dem Festland liegt und an dem auch Containerschiffe anlegen. Dies ist aber nur als Übergangslösung gedacht:  Der Hafen von Venedig sucht derzeit nach Anlege-Vorschlägen außerhalb der Lagune (s.u.)

Update 13.7.: Auf der Suche nach einer Lösung für den Kreuzschifffahrtverkehr in der italienischen Weltkulturerbe-Stadt Venedig hat der Hafen einen Ideenwettbewerb ausgerufen. Dabei wird nach Vorschlägen und Projekten für den Bau von Anlegeplätzen für Kreuzfahrt- und Containerschiffe außerhalb der Lagune von Venedig gesucht. Damit soll der Kreuzfahrtbetrieb in den Gewässern der Lagune verringert werden und die einzigartige Umwelt dort geschützt bleiben. Kreuzfahrtschiffe stehen bei der venezianischen Bevölkerung in heftiger Kritik, weil sie Aktivisten zufolge umweltschädigend sind und die Kreuzfahrttouristen zwar die historische Altstadt bevölkern, aber dort kaum Geld lassen. Experten der UNESCO hatten zuletzt außerdem vorgeschlagen, Venedig wegen der Kreuzfahrtschiffe und ihren Auswirkungen auf Gebäude, Luft und Wasser auf die Negativ-Liste für gefährdetes Welterbe zu setzen. Mitte Juli will die UNESCO darüber entscheiden. Unter Protesten vieler Aktivisten verließen zuletzt nach gut eineinhalb Jahren Corona-Zwangspause wieder große Kreuzfahrtschiffe Venedig durch die Lagune am berühmten Markusplatz entlang. Der Hafen von Venedig sucht jetzt nach Anlege-Vorschlägen außerhalb der Lagune. Bis zum 31. Dezember können Ideen vorgestellt werden, aus denen eine fünfköpfige Expertenrunde die drei besten aussucht. Dafür sollen bis zum 31. Dezember 2022 Machbarkeitspläne entwickelt werden. Bis zum 30. Juni 2023 soll das Gewinnerprojekt feststehen. Das Infrastrukturministerium will dafür 2,2 Millionen Euro bereitstellen.

Update 28.3. 2021: Kreuzfahrtschiffe dürfen in Venedig künftig nicht mehr in der Nähe des Markusplatzes anlegen. Bis ein neues Schiffsterminals geschaffen wird, soll der Industriehafen als Übergangslösung dienen. Nach italienischen Regierungsangaben müssen Kreuzfahrtschiffe künftig im Industriehafen der norditalienischen Stadt vor Anker gehen. Mit dieser Entscheidung solle “ein kulturelles und historisches Erbe geschützt werden, das nicht nur Italien, sondern der ganzen Welt gehört”, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Ministerien für Kultur, Tourismus, Umwelt und Infrastruktur. Der Industriehafen sei eine vorübergehende Lösung, es solle ein neues Schiffsterminal außerhalb der Lagune der historischen Stadt geschaffen werden.  Vor der Corona-Pandemie waren mit den Kreuzfahrtschiffen jedes Jahr Millionen Besucher in die Lagunenstadt geströmt. Von den riesigen Schiffen verursachte Wellen schadeten den Fundamenten der zum Weltkulturerbe gehörenden Lagunenstadt Venedig massiv und bedrohten das sensible ökologische Gleichgewicht in der Lagune.

Ursprungsmeldung 11.8.2019 Venedig scheint jetzt Ernst zu machen und verbannt Kreuzfahrtschiffe aus seinem historischen Zentrum. Zunächst wollen die Behörden offenbar einen Teil der Kreuzfahrtschiffe in die Häfen nach Fusina und Lombardia außerhalb des Stadtzentrums umleiten. Diese Terminals befinden sich innerhalb der venezianischen Lagune. Das kündigte der italienische Verkehrsminister Danilo Toninelli in einem auf Facebook veröffentlichten Video an. Der Fokus soll zunächst auf besonders großen Schiffen liegen. Zudem berichten mehrere italienische Medien übereinstimmend, dass die Linienschiffe mit rund 3000 Passagieren ab dem nächsten Monat (September) aus dem Zentrum Venedigs umgelenkt würden. Ein Drittel der Kreuzfahrtschiffe könnte so bis zum nächsten Jahr von der Innenstadt Venedigs weggelenkt werden. Die italienische Zeitung „The Vision“ schreibt sogar, dass bereits in den nächsten Wochen einige Schiffe, die mehr als 40.000 Tonnen haben, nicht mehr in den Giudecca-Kanal einfahren dürfen – das trifft dann die Schiffe aller großen Reedereien.

Zuvor hatte es einen jahrelangen und erbittert geführten Kampf zwischen Bewohnern, Behörden und Reedereien gegeben. Venedig kämpft bereits an vielen Fronten gegen Overtourism durch zu viele Touristen in zu kurzer Zeit.  Große Kreuzfahrtschiffe gehören zu den Hauptverursachern von Übertourismus, da bei nur drei gleichzeitigen Anläufen mehr als 15.000 Menschen auf einmal angelandet werden. Die Stadt und die italienische Regierung in Rom diskutieren seit Jahren, ob und wie die Schiffe die Weltkulturerbe-Stadt umfahren sollen. Bürgermeister Luigi Brugnano griff Transportminister Danilo Toninelli scharf an. Er würde einen Plan der Vorgängerregierung aus dem Jahr 2017 blockieren, der vorsieht, große Kreuzfahrtschiffe aus der Lagunenstadt zu verbannen.

Die Maßnahme überrascht dennoch, denn jahrelang war nichts passiert. Das Fass zum Überlaufen brachte wohl der Umstand, dass es innerhalb kurzer Zeit zu mehreren Zwischenfällen mit großen Kreuzfahrtschiffen in der Lagunenstadt gekommen ist. Nach dem Unglück im Juni hatte Bürgermeister Luigi Brugnano die UNESCO aufgefordert, die Lagunenstadt auf die Liste des gefährdeten Welterbes zu setzen. Die UNESCO hatte Venedig bereits mehrmals gewarnt, dass die riesigen Kreuzfahrtschiffe das Welterbe gefährden. Denn die Kreuzfahrtschiffe, die in das von der UNESCO geschützte Zentrum einfahren, fügen der Stadt wegen des starken Wellengangs zunehmend Schäden zu.

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