Venedig scheint jetzt Ernst zu machen und verbannt Kreuzfahrtschiffe aus seinem historischen Zentrum. Zunächst wollen die Behörden offenbar einen Teil der Kreuzfahrtschiffe in die Häfen nach Fusina und Lombardia außerhalb des Stadtzentrums umleiten.

Update 28.3. 2021: Kreuzfahrtschiffe dürfen in Venedig künftig nicht mehr in der Nähe des Markusplatzes anlegen. Bis ein neues Schiffsterminals geschaffen wird, soll der Industriehafen als Übergangslösung dienen. Nach italienischen Regierungsangaben müssen Kreuzfahrtschiffe künftig im Industriehafen der norditalienischen Stadt vor Anker gehen. Mit dieser Entscheidung solle “ein kulturelles und historisches Erbe geschützt werden, das nicht nur Italien, sondern der ganzen Welt gehört”, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Ministerien für Kultur, Tourismus, Umwelt und Infrastruktur. Der Industriehafen sei eine vorübergehende Lösung, es solle ein neues Schiffsterminal außerhalb der Lagune der historischen Stadt geschaffen werden.  Vor der Corona-Pandemie waren mit den Kreuzfahrtschiffen jedes Jahr Millionen Besucher in die Lagunenstadt geströmt. Von den riesigen Schiffen verursachte Wellen schadeten den Fundamenten der zum Weltkulturerbe gehörenden Lagunenstadt Venedig massiv und bedrohten das sensible ökologische Gleichgewicht in der Lagune.

Ursprungsmeldung 11.8.2019 Venedig scheint jetzt Ernst zu machen und verbannt Kreuzfahrtschiffe aus seinem historischen Zentrum. Zunächst wollen die Behörden offenbar einen Teil der Kreuzfahrtschiffe in die Häfen nach Fusina und Lombardia außerhalb des Stadtzentrums umleiten. Diese Terminals befinden sich innerhalb der venezianischen Lagune. Das kündigte der italienische Verkehrsminister Danilo Toninelli in einem auf Facebook veröffentlichten Video an. Der Fokus soll zunächst auf besonders großen Schiffen liegen. Zudem berichten mehrere italienische Medien übereinstimmend, dass die Linienschiffe mit rund 3000 Passagieren ab dem nächsten Monat (September) aus dem Zentrum Venedigs umgelenkt würden. Ein Drittel der Kreuzfahrtschiffe könnte so bis zum nächsten Jahr von der Innenstadt Venedigs weggelenkt werden. Die italienische Zeitung „The Vision“ schreibt sogar, dass bereits in den nächsten Wochen einige Schiffe, die mehr als 40.000 Tonnen haben, nicht mehr in den Giudecca-Kanal einfahren dürfen – das trifft dann die Schiffe aller großen Reedereien.

Zuvor hatte es einen jahrelangen und erbittert geführten Kampf zwischen Bewohnern, Behörden und Reedereien gegeben. Venedig kämpft bereits an vielen Fronten gegen Overtourism durch zu viele Touristen in zu kurzer Zeit.  Große Kreuzfahrtschiffe gehören zu den Hauptverursachern von Übertourismus, da bei nur drei gleichzeitigen Anläufen mehr als 15.000 Menschen auf einmal angelandet werden. Die Stadt und die italienische Regierung in Rom diskutieren seit Jahren, ob und wie die Schiffe die Weltkulturerbe-Stadt umfahren sollen. Bürgermeister Luigi Brugnano griff Transportminister Danilo Toninelli scharf an. Er würde einen Plan der Vorgängerregierung aus dem Jahr 2017 blockieren, der vorsieht, große Kreuzfahrtschiffe aus der Lagunenstadt zu verbannen.

Die Maßnahme überrascht dennoch, denn jahrelang war nichts passiert. Das Fass zum Überlaufen brachte wohl der Umstand, dass es innerhalb kurzer Zeit zu mehreren Zwischenfällen mit großen Kreuzfahrtschiffen in der Lagunenstadt gekommen ist. Nach dem Unglück im Juni hatte Bürgermeister Luigi Brugnano die UNESCO aufgefordert, die Lagunenstadt auf die Liste des gefährdeten Welterbes zu setzen. Die UNESCO hatte Venedig bereits mehrmals gewarnt, dass die riesigen Kreuzfahrtschiffe das Welterbe gefährden. Denn die Kreuzfahrtschiffe, die in das von der UNESCO geschützte Zentrum einfahren, fügen der Stadt wegen des starken Wellengangs zunehmend Schäden zu.

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