Rezension / Buchkritik "WENN DEIN SCHIFF BRENNT", Ulrike Fischer, Köhler Verlag. Spannende Einblicke in einen einzigartigen Beruf

15 Kapitäne von Hapag-Lloyd erzählen in „Wenn dein Schiff brennt, gehst Du nicht ins Bett!“ aus ihrem Leben und berichten von ihrer Karriere sowie dem Alltag an Bord großer Containerschiffe. Die Schiffsführer geben Einblick in ihre Karrieren und ihre Hobbys, berichten von den Herausforderungen auf See wie schweren Stürmen und Bränden und wie man es schafft, die Menschen an Bord auch in schwierigen Situationen und Zeiten zusammenzuhalten. Oder wie sie damit zurechtkommen, oft monatelang von Familien und Freunden getrennt zu sein. Aber auch, warum sie auf der Brücke Waffeln backen, unter Deck einen Marathon absolvieren oder in ihrer Freizeit auf dem Klavier improvisieren. Sie schwärmen auch von den einzigartigen, schönen Momenten auf See bei herrlichen Sonnenauf- und -untergängen, dem Reiz fremder Länder sowie exotischen Kulturen und verraten ihre Lieblingslandgänge.

Dabei plaudern sie oft aus dem Nähkästchen und das macht das Buch sehr authentisch. Einer wird zum Beispiel des Öfteren seekrank, ein anderer schmökert gerne in der elfbändige Romanreihe „Horatio Hornblower“, die mit Gregory Peck in der Hauptrolle auch verfilmt wurde, denn dort sind die vielen einsamen Entscheidungen, die ein Kapitän fällen muss, das zentrale Thema. Frauen sind in der Berufsschifffahrt als Kapitän noch sehr wenig vertreten und so ist das Kapitel über Silke Muschitz und ihren erfolgreichen Werdegang besonders lesenswert. Denn mittlerweile steht Muschitz nach  ihren Kommandojahren auf den Großfrachtern, im Hamburger Hapag-Hauptquartier dem gesamten Flottenmanagement  vor und leitet damit die Betreuung der gesamten deutschen Hapag-Flotte sowie von mehr als 1.500 Seeleuten.

Jeder der Fünfzehn hat seine eigenen, spannenden Geschichten aus seinem Berufsleben zu erzählen und tut dies auf sehr persönliche Art. Autorin Ulrike Fischer ist es zu verdanken, dass sich diese Einblicke wie Reportagen lesen, die das Leben auf See hautnah und packend beschreiben. Besonders eindrücklich ist die Schilderung von Kapitän Böttger über einen Großbrand 800 Meilen südöstlich von Halifax. Drei Tage und Nächte bekämpfte die Besatzung ohne Pause das Feuer, er selbst verbrachte 72 Stunden ohne Schlaf mit durchgehend telefonischen Kontakt zum Personalleiter Arnold Lipinski und seinem Team. Als Lipinski ihn anwies ins Bett zu gehen, stand der todmüde Böttger zehn Minuten später aber trotzdem wieder auf, denn „Wenn dein Schiff brennt, kannst du doch nicht ins Bett gehen!“

Nach einer Explosion breitete sich das Feuer weiter aus, bis auf fünf Mann wurde die Besatzung evakuiert. Die Verbleibenden machten die „Yantian Express“ zum Notabschleppen mit einer Salvage Crew aus Rotterdam klar. Mit eigener Kraft wurde das Schiff nach Freeport auf die Bahamas gebracht, immer noch loderten kleine Brandherde. Böttger bekam vom Hapag-Vorstand für seine Verdienste die Uhr, die speziell für Feuerwehrleute entwickelt wurde. Ans Aufhören hat er nach dem schweren Vorfall nicht eine Sekunde gedacht: „Mich hat diese Erfahrung eher bestärkt. Was soll mich jetzt noch umhauen?“, resümiert er.

Mit diesem Buch bekommt der Leser spannende Einblicke in einen einzigartigen Beruf, für absolut jeden zu empfehlen, der sich für Schifffahrt interessiert!

Wenn dein Schiff brennt, gehst Du nicht ins Bett!

Ulrike Fischer

Koehler Verlag

Taschenbuch, Softcover, 180 Seiten, 29,95 Euro

ISBN-13: ‎ 978-3782215091

Weitere Informationen unter https://www.koehler-books.de/