Reportage über eine Flusskreuzfahrt auf dem Amzonas und dem Rio Negro mit der MS Dorinha, Vollcharter des Spezialveranstalters Polaris Tours

Selbst nach zwei Stunden im dichten Dschungel sind die meisten Gäste trotz dichtgewachsener, unebener Pfade, knapp 40 Grad Hitze sowie mehr als 90 Prozent Luftfeuchtigkeit noch immer bester Laune. Gegen den Wildwuchs helfen die Macheten der Guides, von der Erschöpfung lenken die vielen Tiersichtungen ab und gegen Durst gibt es Pflanzen, die hier an einem Nebenfluss des Rio Negro, rund 200 Kilometer oberhalb von Manaus wachsen. Denn im Regenwald sucht man sich am besten eine Wasserliane, wie Naturführer Aldinei Cruz zeigt: „Wenn man sich im Dschungel auskennt, ist er wie ein Supermarkt. Wenn nicht, wird er zum Friedhof.“

Das Sortiment des Supermarkts Regenwald ist überraschend groß: Auf einem Hektar wachsen mehr als 400 verschiedene Bäume, insgesamt gibt es rund 40.000 bestimmte Pflanzenarten. Aldinei erklärt den 18 Passagieren des Flussdampfers „Dorinha“, der eine Stunde entfernt vor Anker liegt, die wichtigsten Regeln: „Man kann auch unbekannte Früchte essen, wenn man nichts verzehrt, was bitter schmeckt, Haare oder einen milchigen Saft hat.“ Auch um die Proteinversorgung muss man sich keine Gedanken machen. Insekten und Spinnen stehen reichlich zur Auswahl. Skorpione und Schlangen gehören für Erfahrene gar zu den Leckerbissen.

Aldinei zeigt, wie man ein Feuer in Gang bekommt, um die Köstlichkeiten nicht roh essen zu müssen, und erklärt, wie man Giftschlange zubereitet – Kopf und zehn Zentimeter dahinter entfernen, damit die Giftdrüsen nicht zur Henkersmahlzeit führen. Sicherlich eine wertvolle und überlebenswichtige Information, aber den Gesichtern der Passagiere ist deutlich anzusehen, dass es nicht unbedingt jedermanns Sache wäre, selbst eine Giftschlange zu fangen, fachgerecht zu filetieren und in einem Bambusrohr zu rösten.

Da freut man sich eher auf das Mittagessen, das gleich nach dem Dschungelausflug an Bord serviert wird. Denn Köchin Wanda zaubert in ihrer nur fünf Quadratmeter großen Kombüse, in der beim Kochen auch noch so um die 50 Grad herrschen müssen, derart leckere brasilianische Hausmannskost, dass die stets fröhliche Wanda bald nur noch „Wonderwoman“ genannt wird. Überhaupt ist der gemütliche Flussdampfer „Dorinha“ schnell zum Zuhause geworden: Das liegt zum einen an der familiären Wohlfühlatmosphäre, die die achtköpfige Crew  verbreitet, zum anderen an der schönen Inneneinrichtung, die aus dunklem Holz getischlert und gedrechselt ist.

Schon beim ersten Anblick, als die „Dorinha“ auf den Anleger des Hotels Tropical in Manaus zusteuerte, wähnte man sich in Werner Herzogs Film „Fitzcarraldo“, so ähnlich sieht das Schiff der für den Streifen gebauten „Molly Aida“.

Der fiktive Film über den von Klaus Kinski genial gespielten, spleenigen Briten Fitzgerald, der ein Opernhaus am Amazonas bauen wollte und dafür sein Dampfschiff von einem Fluss zum anderen über Land ziehen ließ, ist von der wahren Geschichte des Deutschen Waldemar Scholz inspiriert. Im Jahr 1897 nach Manaus gekommen, wurde Scholz mit in den Tropen eher unüblichen Tugenden wie strenger Disziplin und verbissenem Ehrgeiz innerhalb von nur drei Jahren immens reich. Durch den Kautschukboom war Manaus Anfang des 20. Jahrhunderts die wohlhabendste Stadt der Südhalbkugel und die erste Stadt Brasiliens mit elektrischen Strom.

Der verschwenderische Reichtum der Kautschukbarone war so märchenhaft wie die darum gestrickten Legenden: So sollen ihre Ehefrauen die weiße Wäsche, die wegen des trüben Wassers des Rio Negro nicht ohne störenden Braunschleier gereinigt werden konnte, zum Waschen nach Lissabon geschickt haben. Dass die Schiffsreise hin und zurück knapp drei Monate dauerte, störte nicht, man hatte genügend Wäsche im Schrank. Die Geschichte stimmt aber nicht: Die Wäsche ging nicht nach Lissabon, sondern nach Paris, denn unter der Hauptstadt der Mode machten es die feinen Damen natürlich nicht.

Und Scholz wurde zum größten Manausen: Er ließ sich einen Palast bauen und hielt im weitläufigen Garten Löwen, Tiger und Jaguare. Der 1903 fertig gestellte Palacio Rio Negro, nach dem Verkauf 1915 zunächst Sitz der Regionalregierung und heute Museum, ist neben dem Opernhaus eines der besterhaltenen Gebäude der Kautschuk-Zeit.

Für das an Silvester 1896 eröffnete Teatro Amazonas wurde das gesamte Baumaterial aus Europa importiert: Stahl aus Liverpool, Marmor aus Carrara und die Kacheln der Kuppel aus dem Deutschen Reich. Das im Renaissancestil erbaute Opernhaus wurde mit handgefertigten Lüstern aus Murano ausgestattet, die bordeauxroten Plüschsessel stammten aus Paris.

Damit die Arien nicht durch das Klappern der Pferdekutschen gestört wurden, legte man das Kopfsteinpflaster der Straßen rund um das Opernhaus mit Gummi aus – Kautschuk gab es im Überfluss. „Der weinende Baum“, so die Übersetzung des indianischen Wortes, wuchs nur im brasilianischen Regenwald und der Preis schoss in die Höhe, als weltweit immer mehr Reifen benötigt wurden. Doch Dekadenz und Pomp fanden mit dem Niedergang des Kautschukmonopols ein jähes Ende. Zwar war der Export von Kautschuksamen bei Todesstrafe verboten, doch dem Engländer Henry Wickham gelang es 1876 rund 70.000 Samen aus Brasilien hinaus zu schmuggeln. In den Londoner Kew Gardens züchtete man Setzlinge heran und überzeugte Plantagenbesitzer in Malaysia die neue Pflanze anzubauen. Die gedieh so gut, dass im Jahr 1915 mehr als 400.000 Tonnen Kautschuk aus Südostasien kamen, der Weltmarktpreis sank um 90 Prozent. In Manaus weinten nicht mehr nur die Bäume, selbst der sagenhafte Scholz ging 1917 bankrott, musste Palast und Land verkaufen und verschwand so schnell aus Manaus wie er groß geworden war. Die Stadt versank in der Bedeutungslosigkeit.

Markt in Manaus

Heute ist Manaus ein Moloch mit zwei Millionen Einwohnern und Freihandelszone mit rund 500 großen Fabriken. Am Kai sind die Hochwasserstände markiert, das Extreme ist hier die Regel: Der Unterschied zwischen Niedrigwasser (Oktober bis April) und Hochwasser (Mai bis September) im Rio Negro beträgt in Manaus im Schnitt rund 18 Meter. Im Jahr 2012 wurde mit einer Differenz von 29 Metern der Rekord aufgestellt. Bei Hochwasser ist in Amazonien, das ungefähr 25 Mal so groß ist wie Deutschland, die fünffache Fläche der Bundesrepublik überspült – 20 Prozent des Regenwaldes versinken im Wasser.

An Bord der „Dorinha“ begrüßt Kapitän Moaci Fortes Pereira Jr. die Passagiere. Nach der Vorstellung der Crew gibt es einen Caipirinha. Mit dem Getränk in der Hand führt „Caipitän“ Mo die obligatorische Sicherheitsübung durch. Der 41-jährige arbeitet für das Familienunternehmen mit vier baugleichen Schiffen, das sein Vater gegründet hat. Die „Dorinha“ ist nach seiner Mutter benannt, ein anderes Schiff nach seiner Tante „Iracema“. Sein Onkel ist Steuermann, elf Verwandte arbeiten neben 30 Angestellten für Amazonica Expeditions. Kapitän Mo kennt den Fluss sowie die zahlreichen Zuläufe, Nebenarme und Lagunen von Manaus bis zur peruanischen Grenze von klein auf. Als Experten hat Veranstalter Polaris Tours, der diesen Vollcharter erstmals aufgelegt hat, Dietmar Neitzke an Bord. Der Ethnologe arbeitet für das Völkerkundemuseum Stuttgart und begleitet seit zwölf Jahren als Lektor Kreuzfahrer auf dem Amazonas.

Erstes Ziel ist das „Treffen der Wasser“, so heißt der spektakuläre Zusammenfluss des dunklen Rio Negro mit dem hellen Rio Solimões. Die beiden Flüsse vereinen sich 30 Kilometer stromabwärts von Manaus zum Amazonas. Etwa 40 Kilometer laufen sie im selben Flussbett unvermischt nebeneinanderher, zu unterschiedlich sind Dichte, Fließgeschwindigkeit, Wassertemperatur und pH-Wert. Der Solimões hellbraun wie Latte macchiato, der Rio Negro dunkel wie Espresso – ein beeindruckendes Bild und tolles Fotomotiv. Die meisten Fischarten des Solimões, dessen Wasser aus den Anden kommt und durch Sedimente sehr nährstoffreich sowie leicht basisch ist, könnten im Río Negro nicht überleben. Er ist ihnen schlicht zu sauer, denn das Schwarzwasser, das seine Farbe durch die Gerbsäure vermodernder Pflanzen erhält, hat einen ph-Wert zwischen 3,5 und 4,2.

Für einen Mitteleuropäer sind die Dimensionen nahezu unvorstellbar: Der bis zu 300 Meter tiefe Amazonas führt so viel Wasser wie die nächsten zehn größten Flüsse der Welt zusammen. Der Fluss der Superlative vereint mit seinen1.200 Nebenflüssen rund 25 Prozent des weltweiten Süßwasservorkommens. Es gibt so viel Grundwasser, dass die gesamte Weltbevölkerung rund 250 Jahre versorgt wäre und mit der stetig in den Atlantik fließenden Wassermenge könnte man alle drei Tage den Bodensee füllen. Rechnet man den peruanischen Quellfluss Ucayali mit, ist der Amazonas mit mehr als 6800 Kilometern vor dem Nil sogar der längste Fluss der Welt.

Schon eine Stunde stromaufwärts von Manaus ist die Zivilisation verschwunden. Den ganzen Tag lang begegnet man höchstens zwei, drei anderen Schiffen, die Ufer sind kaum besiedelt. Die Tage auf der „Dorinha“ sind vom Rhythmus der Natur geprägt: Jeden Morgen um spätestens 5.00 Uhr erklingt zum Wecken Pavarotti mit der Arie „Libiamo ne´lieti calici“ aus der Oper La Traviata. Kurze Zeit später sitzen die Passagiere schon in einem der drei Kanus, denn die besten Sichtungen im Regenwald hat man kurz nach Sonnenaufgang, wenn sich alle Tiere ums Frühstück kümmern.

So sitzen die Menschen mit leerem Magen in den Booten, während Kaimane vollgefressen träge am Ufer liegen und Faultiere sich zum Aufwärmen gaaaaaanz laaaaangsam von ihrem Schlafplatz, der Sonne entgegen, in die Baumkronen bewegen. Mo und die beiden Bootsmänner steuern die drei langen Kanus in den Kanal zum Lago dos Reis. Die weite Lagune ist die Kinderstube vieler Fisch- und Vogelarten und zieht Raubtiere und Jäger an. Frühmorgens wird sie zur tödlichen Falle: Reiher tauchen nach Beute, Kaimane lauern und Rabengeier warten am Ufer auf vorbeitreibende, verendete Tiere.

Nach dem Frühstück geht es zum Angeln von Piranhas. Die handtellergroßen Fische gelten gemeinhin als Veranstalter blutrünstiger Fressorgien. Doch Lektor Dietmar Neitzke wiegelt ab:„ Es gibt 45 Piranha-Arten und die meisten sind schüchterne Vegetarier. Es ist kein einziger Fall bekannt, in dem Piranhas über einen Menschen hergefallen wären und ihn binnen Sekunden skelettiert hätten.“ Die schüchternen Vegetarier beißen aber sehr gut – beim Angeln. Innerhalb einer Stunde liegen fünf Dutzend der zappelnden rot-silbrig glänzenden Piranhas in den Eimern. Vom Haken gelöst durch die Bootsführer, denn scharf sind die Zähne und wenn man nicht richtig zugreift, ist die Fingerkuppe ab.

Am späten Nachmittag gleitet das Kanu durch einen grünen Teppich von Wasserpflanzen, der sich teilt und danach sofort wieder verschließt. Mo deutet mit dem Laserpointer auf einen Baum am Ufer und lässt den grünen Punkt nach oben tanzen. Nun sehen es auch die Gäste: Regungslos liegt ein großer graugrüner Leguan, ein Iguana, in einer Astgabel. Wie um Himmelswillen hat Mo das mit seiner Umgebung nahezu verschmelzende Tier aus dieser Entfernung bloß entdeckt?

Es gibt vielfältige Überlebensstrategien im Regenwald, eine davon ist: besonders eklig zu sein. Perfektioniert hat diese Strategie der Hoatzin oder Stinkvogel. Selten hat ein Name mehr Berechtigung gehabt als bei diesem Federvieh. Der plump gebaute, bis zu 70 cm große Hoatzin ist nicht in der Lage längere Strecken zu fliegen und wäre für Fressfeinde wie Jaguar oder Schlangen leichte und fette Beute.

Um sich zu schützen, frisst der Hoatzin zum einen Blätter und Früchte mit vielen Bitter- und Giftstoffen. Zum anderen ist dies die einzige Vogelart, die eine Magenausstülpung besitzt und ähnlich wie Kühe in diesem Vormagen verdaut. Sperrt der Hoatzin seinen Schnabel auf, entströmt ein derart widerlicher Mundgeruch mit einem Aroma irgendwo zwischen verfaulendem Aas und Großstadtkloake, dass selbst sehr hungrige Jäger lieber einen großen Bogen machen. Eine weitere Überlebensstrategie, die auch sehr gut zum heißen, schwül-feuchten Wetter passt: Langsamkeit, denn Raubtiere reagieren auf Bewegungen. Hervorragend in dieser Disziplin ist das Braunkehl-Faultier, das mehr als fünfzehn Stunden am Tag schläft.

Vom Wasser aus erlebt man den Regenwald als undurchdringliches Chaos. Bei Wanderungen wird daraus ein perfekt aufeinander abgestimmtes Puzzle Tausender Pflanzen- und Tierarten. Die Artenvielfalt ist unermesslich, aber niemand weiß, wie viele Pflanzen und Tiere verschwinden werden, noch ehe sie überhaupt entdeckt worden sind. Laut World Wide Fund (WWF) ist bereits ein Fünftel des Regenwaldes zerstört worden. Auch heute noch fällt jeden Tag eine Fläche von 2.000 Fußballfeldern der illegalen Abholzung zum Opfer.

Beim Nachtausflug in ein fein verästeltes Labyrinth aus kleinen Kanälen flattern Fledermäuse ums Kanu und die Augen der Kaimane leuchten im dunklen Wasser rot auf, wenn sie mit der Taschenlampe angeleuchtet werden. In den Baumwipfeln ist Bewegung, Affenfamilien auf dem Weg zu ihrem Schlafplatz. Darüber thront ein Sternendom auf tintenschwarzer Leinwand. Bei bis zu vier Ausflügen am Tag ist dies kein Erholungskreuzfahrt, dafür erfährt und sieht man sehr viel über und vom Regenwald und seinen Bewohnern. Täglich gibt es eine kurze Einführung in die Ausflüge und Vorträge über Tier- und Pflanzenwelt, Klima, Umweltfragen sowie indigene Stämme. Viel zu verarbeiten, aber auch die Zeit dafür: Kein Handyempfang, kein Internet  kein Fernsehen, keine DVDs oder Filme, im Dschungel herrscht natürlicher Digital Detox.

Der Flussarchipel Anavilhanas ist größer als das Saarland und Brasiliens jüngster Nationalpark. Im Jahr 2008 wurden die Anavilhanas  für den Ökotourismus freigegeben, vorher durften nur Wissenschaftler zur Vogelbeobachtung kommen. Vierhundert unbewohnte, kleine Inseln mitten im Río Negro, von denen drei Viertel bei Hochwasser untergehen. Dann schauen monatelang nur noch die Kronen der Wälder aus dem Fluss, der sich an manchen Stellen zum See weitet. Bei Niedrigwasser sieht man an der ausgespülten Uferböschung, wie dünn die Humusschicht ist, auf der alles Leben wächst. Traumhafte Strände erheben sich aus dem Flussbett hervor. Nachmittags setzt Kapitän Mo das Schiff einfach aufs Ufer, zum erfrischenden Bad im Amazonas und Sonnenbad auf feinem Sand. Der helle Muschelkalk der Strände stammt noch vom Uramazonas vor 170 Millionen Jahren, als der riesige Kontinent Gondwana auseinanderbrach und sich Südamerika und Afrika formten. Wissenschaftler vermuten, dass der Amazonas durch die Entstehung der Anden nicht mehr in den Pazifik fließen konnte und deshalb seine Richtung wechselte.

Geblieben sind einige für einen Süßwasserfluss exotische Tiere wie Seekühe oder Delfine. Die gibt es zahlreich und in grauer oder rosafarbener Variante. Wann immer einer auftaucht, eilen die Passagiere aufs Oberdeck und lassen die Kameras klicken. Höhepunkt ist das Baden mit den „Botos“, den rosa Delfinen, die auf einer Station im Fluss angefüttert wurden, aber wildlebend sind.

Ohne Angst schwimmen sie zwischen den Passagieren umher und lassen sich berühren, die Haut fühlt sich wachsig und hart an, wie eine Kerze. Eine Legende sagt den rosafarbenen Delfinen sogar die Fähigkeit nach, sich in hübsche Jünglinge verwandeln zu können, um Frauen zu bezirzen. Ist die Vaterschaft eines Kindes ungeklärt, findet man darum auch noch heute in Amazonien Geburtsurkunden, auf denen als Vater “Boto”, Flussdelfin, vermerkt ist.

Zu Zeiten der Eroberung durch Portugiesen und Spanier sollen etwa 12 Millionen Indianer in Brasilien gelebt haben, die aber versklavt und nahezu ausgerottet wurden. Heute  gibt es noch 300.000 Indianer, viele sind verdrängt worden und haben sich in unfruchtbare Urwälder am Schwarzwasser zurückgezogen. Etwa 100 indigene Stämme, die wenig Kontakt zur Außenwelt haben, sollen in Amazonien leben. Deren Reservate gehören zu den besterhaltenen Regenwaldgebieten, weil die Indianer Ressourcen nicht ausbeuten. Wegen ihrer animistischen Wiedergeburtsvorstellung gehen die Indianer sehr respektvoll und behutsam mit Tieren und Pflanzen um, weil man ja nicht weiß, ob in dem Farn, auf dem man fast herumtrampelt wäre, nicht vielleicht die verstorbene Oma oder der dahingeschiedene Onkel steckt. Tiere werden nur getötet, um zu überleben.

Eine kleine Gruppe vom Stamm der West-Tucanos hat sich etwa zwanzig Kilometer vor Manaus angesiedelt, nachdem sie jahrelang in der Stadt gewohnt und gearbeitet hatte. Hier versuchen sie wieder auf alte Weise zu leben und Traditionen zu bewahren. Zusätzlich halten sie sich mit Tanzaufführungen und dem Verkauf von Kunsthandwerk über Wasser.

 

Der Häuptling, der die Passagiere empfängt, trägt Puma-Shorts zur Kaimanzahn-Kette. Wenig später führt er im Lendenschurz aus Bast mit Federschmuck und Bemalung im Gesicht, unterstützt durch sein Gefolge, Ernte-, Jagd- und Kriegstänze auf. Nur einen Regentanz gibt es nicht, denn Wasser ist immer genug da. Rund viertausend Gewitter entladen sich in Amazonien in jedem Augenblick gleichzeitig. Jeder Regentropfen, der in den Anden niedergeht, ist bereits sechs Mal im Amazonasgebiet gefallen.

Ähnlich unglaublich, aber ebenso real ist das tiefrote Wasser eines seichten Nebenarms. Die Farbe entsteht aus der Mischung zwischen hellem Sandboden und braun-schwarzem Wasser. An einem Wasserfall baden die Passagiere während die Crew mitten im Urwald das Mittagessen vorbereitet. Die Guides sammeln trockenes Laub und altes Holz für ein Lagerfeuer.

Aus frisch geschlagenen und geschälten Stämmen werden ein Hängeständer für den großen Kessel und ein Tisch gebaut.

Der Proviant wurde zum Glück mitgebracht, denn die ersten Passagiere hatten bereits befürchtet, in den Genuss der von Überlebenstrainer Aldinei so toll beschriebenen Leckereien der Natur zu kommen. Es gibt leckeren Eintopf mit Huhn und Gemüse, dazu ein kühles Antarctica-Bier und auch hier ist die Laune der Passagiere wieder bestens.

Die beschriebene Reise findet auch in diesem Jahr und im Jahr 2020 wieder statt. Der Spezialveranstalter für Expeditionsreisen auf kleinen Schiffen, Polaris Tours, hat die beiden Vollcharter aufgelegt. Informationen hierzu unter 

www.polaris-tours.de/amazonas/abenteuer-amazonas/

oder direkt bei Polaris Tours unter der Telefonnummer 08822 – 948 660 oder per E-Mail unter info@polaris-tours.de 

DIESE REPORTAGE WURDE UNTERSTÜTZT VON POLARIS TOURS