Die Britannia im Hafen von Liverpool

Die „Britannia“ war der erste Transatlantikliner der Cunard Line und mit ihren drei Schwesterschiffen „Acadia“, „Caledonia“ und „Columbia“ der Grundstein für den regelmäßigen Linienverkehr auf dem Nordatlantik. Nachdem Samuel Cunard am 4. Mai 1839 von der britischen Admiralität den Zuschlag für den Postservice zwischen dem Britischen Königreich, Halifax und New York bekommen hatte, wandte sich der kanadische Geschäftsmann an Robert Napier, der seine Werft auf dem Clyde bei Glasgow hatte.

Das berühmte Cunardrot

Napier plante Schiffe, welche die Quintessenz des technisch Machbaren der damaligen Zeit darstellten: Dreimastige Raddampfer mit Holzrumpf, 63 Meter lang und 10 Meter breit, mit langem Bugspriet und 1.156 Tonnen. Zwei Dampfmaschinen, die 440 PS erzeugten, ergaben eine Betriebsgeschwindigkeit von 9 Knoten. Bis zu 115 Passagiere konnten an Bord genommen werden, pro Schiff waren 50.000 Pfund zu zahlen.  Der Schornstein befand sich zwischen Vorder- und Hauptmast. Da die Farbe aber durch die hohen Temperaturen schnell abblätterte, experimentierte man mit einer Mischung aus Buttermilch und Ockerfarbe, die zunächst einen Gelbton ergab. Bei Betrieb brannte sich die Farbe ein und veränderte sich – so entstand das berühmte Cunardrot. Am 5. Februar 1840 erfolgte in Greenock der Stapellauf der „Britannia“, Taufpatin war Napiers Nichte Isabella.

Die Britannia legt in Liverpool ab
Die Britannia legt in Liverpool ab

Jungfernfahrt über den Atlantik in 12 Tagen

Die Jungfernreise der „Britannia“ am 4. Juli 1840 begann pünktlich: um zwei Uhr nachmittags legte Kapitän Henry Woodruff von der Pier in Liverpool ab und machte sich auf den Weg über Halifax nach Boston. Die Überfahrt inklusive Mahlzeiten und Wein kostete 34 Guineen, nach Boston 38 Guineen. Das Trinkgeld für Stewards war obligatorisch und betrug eine zusätzliche Guinea. Insgesamt waren 63 Passagiere an Bord, unter ihnen Samuel Cunard mit seiner Tochter Ann. Die Passage dauerte 12 Tage und 10 Stunden, die „Britannia“ erreichte Halifax am 17. Juli, drei Tage früher als im Fahrplan vorgesehen, und fuhr nach acht Stunden Liegezeit weiter nach Boston, wo sie am nächsten Abend gegen 22 Uhr ankam. Von den restlos begeisterten Einwohnern Bostons bekam Samuel Cunard einen Silberpokal überreicht, für den die Bürger Schmuck und Geschirr aus dem Edelmetall gesammelt und einschmelzen lassen hatten. Der „Boston Cup“ ist auf der „Queen Mary 2“ vor dem „Britannia Restaurant“ zu besichtigen.

Samuel Cunard
Samuel Cunard

Cunard´s Teich: Der Atlantik

Im ersten Jahr schafften die „Britannia“ und ihre drei Schwesterschiffe insgesamt 40 Atlantiküberquerungen, immer mit pünktlicher Abfahrt, für die damalige Zeit ein herausragender Standard. Das erste Jahrzehnt des Bestehens schloss die Reederei mit großen Erfolg ab: 470 Atlantiküberquerungen mit mehr als 60.000 Passagieren wurden durchgeführt. Spötter nannten den Atlantik „Cunards Teich“.

Unrühmliches Ende

Die „Britannia“ fuhr noch bis 1849 für Cunard Line, bevor sie nach Deutschland verkauft und in „Barbarossa“ umbenannt wurde. Sie diente zunächst in der deutschen Bundesflotte und anschließend in der preußischen Marine. Nach 40 Jahren Dienstzeit ereilte den Dampfschiff-Pionier des Nordatlantik ein unwürdiges Ende: 1880 wurde das erste Linienschiff Samuel Cunards bei einem Manöver als Zielschiff benutzt und versenkt.