Reportage Expeditionskreuzfahrt Nordwestpassage mit der Ocean Endeavour durch die Serengeti der Arktis, Veranstalter Adventure Canada, in DACH Polaris Tours

Meterhoch spritzt die Gischt als der Buckelwalbulle, der plötzlich die Wasseroberfläche mit einem Sprung durchbrochen hat, wieder ins Meer eintaucht. Brachial, aber kurz zuvor so elegant in der Luft wie es einem 30 Tonnen schweren Tier nur möglich ist. Die Zodiacs mit den Passagieren der „Ocean Endeavour“ schaukeln trotz des Sicherheitsabstands bedenklich auf den dadurch ausgelösten Wellen. Das Expeditionsschiff ankert weit draußen im Lancaster Sound, der 50 Kilometer breiten Meerenge zwischen Devon- und Baffin-Insel, die den östlichen Eingang zur Nordwestpassage in der kanadischen Arktis bildet.

 

Hier treffen während der kurzen Tauperiode im Sommer Land und Packeis aufeinander. Der Meeresarm selbst bleibt selbst im Winter größtenteils eisfrei und friert im Gegensatz zu vielen anderen Meeresstraßen der Nordwestpassage nicht zu, da er durch Strömungen erwärmt wird. Dadurch sind sowohl in der kalten Jahreszeit, wo viele Tierarten das Gebiet und das relativ warme Wasser zur Überwinterung nutzen als auch zwischen Juli und September, wenn die Wanderungen zu anderen Plätzen einsetzen, außergewöhnlich artenreiche Ökosysteme zu beobachten.

Auch Moschusochsen leben entlang des Lancaster Sounds

Für arktische Verhältnisse üppiges Pflanzenwachstum bildet die Basis der Nahrungskette und lockt viele Vögel, Land- und Meerestiere an. In den Uferzonen wimmelt es vor Leben, während nur wenige Kilometer landeinwärts totale, felsige Ödnis herrscht.

 

Ein ideales Gebiet, um die „Big Five“ der Arktis beobachten zu können: Eisbär, Walross, Moschusochse, Wal und Karibu. Im Lancaster Sound leben 75 Prozent der globalen Narwal-Population, rund 20 Prozent aller Belugas und 6.500 Grönlandwale ziehen hindurch zu ihren jeweiligen Geburtsplätzen.

Dazu kommen Orcas, verschiedene Robbenarten, die größte Vielfalt von Seevögeln der kanadischen Arktis sowie mehr als 2.500 Eisbären, die zweitgrößte Population weltweit, hinter den Gewässern rund um Spitzbergen. Riesige Karibuherden wandern an Land zu Futterplätzen weiter im Süden, auch Moschusochsen, Schneefüchse und -hasen sowie Lemminge sind reichlich zu finden.

Belugas suchen Zuflucht in der flachen Bucht

Die Conningham Bay ist zum Rückzugsort von Beluga-Herden geworden, die ihren Hauptfressfeinden, den Orcas, aus dem Weg schwimmen wollen. Das funktionierte eine ganze Zeit lang auch prima, solange bis ein nicht weniger gefährliches Tier dies spitz bekam. Denn schnell bemerkten die Eisbären die günstige Gelegenheit und lauern seitdem in großer Zahl rund um die relativ flache Bucht auf die wahrlich fette Beute. So können die Passagiere von der „Ocean Endeavour“ aus stundenlang beobachten, wie sich ein Eisbär satt frisst – an einem wohl kurz zuvor erlegten Beluga: Kadaver statt Kaviar.

Den gibt es an Bord im Gegensatz zu einigen Luxus-Expeditionsschiffen nicht. Adventure Canada spricht selbst von einem 3-Sterne-Schiff, aber einer 5-Sterne-Expedition. Das kann man so stehen lassen, denn die Ausflüge werden vom Expeditionsteam nicht nur hervorragend vor- und nachbereitet, sondern auch für unterschiedliche Fitnesszustände angeboten: so gibt es bei Landgängen vier unterschiedliche Varianten. Die „beachcomber“ schauen sich die Sehenswürdigkeiten wie die Franklin-Gräber und das Northumberland House an, die auf Beechey Island direkt am Strand liegen und machen im Ausgangshafen Kugluktuk oder in Gjoa Haven nur kurze Rundgänge, bevor sie zu den Aufführungen der örtlichen Inuit in die Gemeinschaftshalle gehen. Die „light walker“ kommen bei ihren Ausflügen auf rund zwei Kilometer Fußweg, die „intermediates“ müssen schon zwischen fünf und acht Kilometer bewältigen können und die „experienced walkers“ werden bei Wegen bis zu fünfzehn Kilometern und 800 Höhenmetern in vier bis sechs Stunden ganz schön herausgefordert. Die unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade kommen bei den Gästen hervorragend an, alle können sich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten anschauen, danach geht jeder seiner Wege.

Adventure Canada ist in Kanada für möglichst nachhaltige Reisen bekannt ist und viele soziale Initiativen sowie Naturprojekte fördert. Dazu gehört auch die Unterstützung von Inuitgemeinschaften in Nunavut, dem selbstverwalteten Gebiet im Norden Kanadas. So werden bei dieser Kreuzfahrt rund 22.000 kanadische Dollar durch eine Auktion und Spenden von Gästen eingenommen, Adventure Canada selbst zahlt für jeden der 170 Passagiere an Bord 250 Dollar zusätzlich in Topf. Gefördert werden damit gemeinsam mit einem Inuit-Komitee ausgewählte Projekte, darunter ein Förderprogramm für Kinder und Jugendliche.

Klaus Kiesewetter ist erfahrener Arktis-Lektor

Der Veranstalter versucht aber auch auszubilden und Arbeitsplätze zu schaffen: so sind unter dem insgesamt zwanzigköpfigen Expeditionsteam sechs Inuit als Eisbärenwächter sowie Führer und auch der Expeditionsleiter, Jason Edmunds, ist ein Inuk. Für deutschsprachige Gäste hat Veranstalter Polaris Tours, über den die Kreuzfahrten von Adventure Canada in Deutschland, Österreich und der Schweiz gebucht werden können, mit Klaus Kiesewetter einen erfahrenen und bekannten Arktisführer verpflichtet, der bereits seit Jahrzehnten bei unterschiedlichen Kreuzfahrtreedereien als Lektor gearbeitet hat. Dazu kommt noch ein Programm für Wissenschaftler, die auf den Fahrten einen kostenlosen Platz und Arbeitsmöglichkeiten erhalten, bei dieser Reise ist eine Spezialistin an Bord, um arktische Vögel zu beobachten und zu zählen.

Nicht nur das Ausflugsprogramm ist sehr durchdacht, das gilt auch für die Unterhaltung und vor allem Bildung an Bord. Adventure Canada möchte, dass seine Gäste möglichst viel Wissen über sowie Begegnungen und Erfahrungen aus den bereisten Regionen mitnehmen.   Das Lektorenprogramm ähnelt eher einem Vorlesungszyklus am College, so vielfältig und breit gestreut ist das Angebot und fünf bis sechs verschiedene Vorträge pro Tag sind normal: Botanik-, Wal-, Eisbären-, Geschichts-, Kultur-, Geografie-, Geologie-, Arktis-, Astronomie- und Survivalexperten halten die Vorträge, die Inuit aus dem Expeditionsteam erklären ihre Lebensweise und geben den Gästen so aus erster Hand Einblicke in Kultur, Sprache, Jagd, Geschichte und Traditionen.

Die alte Inuit-Generation gibt ihr Wissen an die jüngste weiter

Außerdem werden alle Landgänge und Zodiacausflüge mit Sehenswürdigkeiten am Vorabend ausführlich vorgestellt – nach einem Rückblick auf die gerade an diesem Tag erlebten Abenteuer. Außerdem gibt es praktische Mitmach-Gelegenheiten wie Yoga- und Stretchingeinheiten, Mal- oder Schreibkurse. Wer überall dabei sein möchte, ist von morgens um 6.30 bis um 19 Uhr komplett beschäftigt, selbst zur Essenszeit kann man sich Experten an den Tisch bitten und sich mit ihnen unterhalten. Und nach dem Abendessen ist noch lange nicht Schluss: Spaß wird beim Unterhaltungsprogramm großgeschrieben, es gibt – ganz amerikanisch – einen eigenen Host, der durch das Programm führt. Alles ist „handgemacht“ und wird vom gesamten Expeditionsteam durchgeführt, mit reger Beteiligung der Passagiere. Unter anderem sind Kostümball und Maskerade, Disconacht in der Diskobucht, „Lagerfeuer“-Singen, diverse Konzerte mit Gitarre und Klavier, Pubgames mit Rätseln sowie Kinovorführungen im Angebot – einfach, aber sehr wirkungsvoll und äußerst unterhaltsam, auch für die europäischen Gäste, die sich vor allem über die Art und Ausgelassenheit amerikanischer und kanadischer Passagiere freuen.

Die „Ocean Endeavour“ hat Eisklasse 1B und wurde zuletzt 2016 grundlegend renoviert. Großzügige Deckflächen bieten viel Platz, um die Landschaft und das Tierleben zu beobachten. Für die Landgänge stehen eine Flotte von 20 Zodiacs und ein „Mudroom“ bereit, um sich bequem umzuziehen. Das komfortable Schiff verfügt über drei Lounges, ein Restaurant und einen Bordshop. Im Restaurant gibt es morgens und mittags Buffet, abends wird nach Karte serviert. Die Speisen sind auf gutem Niveau, die Auswahl reichlich und ansprechend.

Das Polaris-Restaurant

Für ein Expeditionsschiff sind die öffentlichen Räume sehr großzügig, vor allem die drei geräumigen Lounges sowie eine hervorragend ausgestattete Bibliothek mit Expeditionsliteratur stechen heraus. Trotz aller Annehmlichkeiten, zu denen auch Sauna, SPA und Fitnessraum gehören, sind die Passagiere aber am liebsten draußen unterwegs und beobachten stundenlang die faszinierende Tierwelt.

 

Von oben prasselt der Regen, von unten schlagen die Wellen gefährlich nah an die Kante der Bordwand des Zodiacs. Rundherum kreischen Möwen, ein schrilles Konzert aus Hunderten Kehlen. An Land, auf großen Felsen, liegen Walrösser und glotzen aufs Wasser wie Erwachsene auf Spielplatzbänken auf die Sandkiste mit ihren Sprösslingen. Im Wasser tummeln sich Robben und draußen vor der Bucht, wo es schnell tiefer wird, patrouillieren zwei Wale, zu erkennen an den Fontänen, die sie regelmäßig in die Luft blasen, bevor sie wieder abtauchen.

Als ob Noah die Tiere zu seiner Arche gerufen hätte, so zahl- und artenreich scheint sich die Fauna an diesem Nachmittag im Lancaster Sound versammelt zu haben. Diese Tier-Oase in der ansonsten äußerst lebensfeindlichen Hocharktis wurde im August 2017 von der kanadischen Regierung zum Meeresschutzgebiet erklärt. Die in der Eingeborenensprache Inuktitut „Tallurutiup Tariunga“ – das ist der Inuitausdruck für „wie ein Kinn geformtes Meer“ – genannte Schutzzone umfasst rund 131.000 km². Rund 250 Millionen kanadische Dollar hat die Regierung in Ottawa für die Ausbildung der dort lebenden Inuit zu Parkrangern, deren zukünftiges Gehalt sowie für Infrastrukturmaßnahmen wie Flugzeuge, Schiffe, Boote, Motorschlitten oder Tauchausrüstungen zur Überwachung der riesigen Fläche und Büros und Unterkünfte bereitgestellt.

Im Meeresschutzgebiet dürfen keine großen Schiffe fahren

Denn mit der Klimaerwärmung wird die Nordwestpassage nach Vorhersagen von Forschern immer öfter eisfrei und damit für Frachtreedereien mit großen Schiffen äußerst attraktiv sein. Denn der Seeweg von Europa, beispielsweise von London nach Tokio, würde sich extrem verringern: Durch den Panama-Kanal beträgt diese Strecke rund 20.000 Kilometer, durch die Nordwestpassage lediglich 12.870. Dies entspricht einer Zeitersparnis von rund zwei Wochen und Zeit ist vor allem im Frachtgeschäft viel Geld. Mit der Einrichtung des Meeresschutzgebiets soll die Durchfahrt von Riesenfrachtern und Megatankern durch den Lancaster Sound verhindert werden, sie müssten einen der weiter nördlich gelegenen von insgesamt sieben verschiedenen Wegen durch die Inselwelt der Kanadischen Arktis nehmen. Denn diese Serengeti der Arktis soll, möglichst unberührt von äußeren Einflüssen, erhalten bleiben.

Diese Reise wurde unterstützt von Polaris Tours

Wenn Sie sich für diese oder andere Expeditionskreuzfahrten mit kleinen Schiffen in die Arktis und Antarktis, auf dem Amazonas oder nach Galápagos interessieren, schauen Sie auf die Website unter https://www.polaris-tours.de/reiseziele/ oder rufen Sie unter der Telefonnummer 08822 – 948 66 0 bei Polaris Tours an. Sie werden bei Polaris Tours kompetent und ausführlich beraten. Die geschilderte Kreuzfahrt durch die Nordwestpassage mit der Ocean Endeavour wird auch in 2020 wieder durchgeführt. Informationen dazu finden sie hier:

Von Kanada nach Grönland:

https://www.polaris-tours.de/arktis-reisen-2020/kanadische-arktis/nordwestpassage-von-west-nach-ost/

Von Grönland nach Kanada:

https://www.polaris-tours.de/arktis-reisen-2020/kanadische-arktis/nordwestpassage-von-ost-nach-west/