Planetarium auf der Queen Mary 2

Gebannt blicken an diesem Herbsttag im Jahr 2003 alle nach oben. Arbeiter, Architekten und die Schiffscrew auf der Bauwerft der Queen Mary 2 im französischen St. Nazaire sind angespannt. Denn dort, über dem stetig wachsenden Rumpf des Neubaus, wird von einem riesigen Kran eine gewaltige Kuppel in die Stahlhülle herabgelassen. Mit vier Tonnen Gewicht ist das Bauteil zwar bei weitem nicht das Schwerste, aber dieser Moment zählt zu den kniffligsten beim Bau des damals größten Kreuzfahrtschiffes der Welt.

Denn würde das Kuppeldach des ersten Planetariums an Bord eines Kreuzfahrtschiffes auch nur um wenige Zentimeter nach links oder rechts verschoben eingebaut, wäre der Schwerpunkt des Schiffes verschoben. Deswegen wird das Absenken der mächtigen Kuppel mit Lasermessgeräten millimetergenau überwacht. Nach 45 Minuten ist der gewölbte Dom exakt montiert, tief im Bauch des Schiffes auf Deck 2.

Die gewaltige Kuppel
Die gewaltige Kuppel

Heute ist das „Illuminations“ mit der Planetariumskuppel eine Attraktion an Bord. Hier werden Sternenkunde-Vorträge gehalten, Astronomie-Shows und -Filme gezeigt. Bei Bedarf wird der Saal mit Bühne als Theater oder für Konzerte genutzt. 493 Gäste finden Platz, 150 Sitze sind Sessel mit verstellbarer Rückenlehne, von denen aus man direkt in die Kuppel schauen kann.

Computergesteuerte Projektoren werfen Ansichten des Nachthimmels oder bestimmter Weltraumregionen in die Kuppel. Da der Dom gebogen ist, wirken die projizierten Bilder dreidimensional. Gemeinsam mit dem Hayden Planetarium des Amerikanischen Museums für Naturgeschichte in New York wurden vier 20-minütige Filme erstellt. „Die Entstehung der Erde“ oder  „Die Suche nach außerirdischem Leben“, gesprochen von bekannten Filmstars wie Tom Hanks oder Harrison Ford, sind einmalige Highlights, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Da auf der Queen Mary 2 ein internationales Klientel fährt, gibt es die kostenlosen Filme in verschiedenen Sprachen, auch auf Deutsch. Weil die Kapazität auf die 150 verstellbaren Sessel begrenzt ist, muss man sich aber Karten holen. Die Tickets für die bis zu sechs im Tagesprogramm angekündigten Vorstellungen am Tag werden ebenfalls auf Deck 2 beim ConeXXions-Desk ausgeteilt.

Die Shows sind einzigartig
Die Shows sind einzigartig

Die Reederei Cunard Line arbeitet auch eng mit der britischen Royal Astronomical Society zusammen, deren Sternenkundler neueste Forschungen erläutern. Die sogenannten „Insight Talks“ werden zwar auf Englisch abgehalten, sind aber gut zu verstehen. Die Lektoren wie Dr. Chris Crowe von der Universität Cambridge achten darauf, dass ihre Ausführungen allgemein verständlich sind: „Astronomie fasziniert viele Menschen. Jeder hat doch schon mal zu den Sternen hochgeschaut und sich gefragt, wie es da wohl so ist. Wir quälen die Passagiere nicht mit mathematischen oder physikalischen Formeln. Denn wenn man mit Relativitätstheorie oder Unschärferelation kommt, dann schalten die meisten eh ab.“ 

Crowe lobt das System auf der Queen Mary 2: „Mit der interaktiven Software können wir unsere gesamte Galaxie zeigen, eine bestimmte Sternengruppe herauspicken und über diese reden. Und wenn man Datum und Position eingibt, bildet der Computer den Nachthimmel exakt so ab, wie er dann um 22 Uhr zu sehen ist.“

Fast alle Zuschauer sind fasziniert von den Filmen
Fast alle Zuschauer sind fasziniert von den Filmen

Ab dieser Uhrzeit finden an Deck im Halbstundentakt bis Mitternacht die „Stargazing Sessions“ mit dem Wissenschaftler statt. Streng limitiert auf jeweils 25 Glückliche, die das kostenlose Ticket ergattern konnten. Ferngläser werden ausgeteilt und ein Teleskop aufgestellt, dann zeigt Dr. Crowe am Nachthimmel, was im Planetarium noch projiziert werden musste: „ Mitten auf dem Atlantik, fernab künstlicher Lichtquellen, kann man sogar den Andromedanebel oder die Galaxien des Herkuleshaufens erkennen. Kaum einer der Passagiere hat so etwas schon mal gesehen, denn man hat bei der Lichtverschmutzung in den Industrieländern gar keine Chance.“ Und so blicken die Passagiere in diesen Nächten beim Sternegucken genauso gebannt nach oben wie die gesamte Werftcrew beim Einbau der Kuppel.